EPOMAKER TH87 ISO-DE im Test: Viel Tastatur, wenig Drama und ein Akku mit Größenwahn
- TKL ohne Layout-Experimente: Die F-Tasten dürfen bleiben
- Pastell statt Tarnkappenbomber
- Kunststoffgehäuse, aber kein Plastikspielzeug
- Gasket Mount: Wenn die Platine nicht festgenagelt wird
- Fünf Schichten gegen das große Hohlraumkonzert
- Creamy Jade: Linear, leicht und ohne mechanisches Theater
- Hot-Swap: Die Tastatur darf ihre Persönlichkeit ändern
- 10.000 mAh: Irgendwo im Gehäuse wohnt offenbar eine Powerbank
- Drei Verbindungen und zwei kleine Schalter
- Windows, macOS und die kleine Identitätskrise der Tastenkappen
- Software: Endlich weniger Grund für eine weitere Windows-Anwendung
- RGB ist Dekoration, kein Ersatz für gute Keycaps
- Schreiben statt Datenblatt-Bingo
- Gaming ohne künstliche Rennstreifen
- Die kleinen Dinge, die nach Wochen wichtiger werden
- Fazit: Erstaunlich erwachsen für rund 119 Euro
- Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:
Mechanische Tastaturen haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit reichte es in der Mittelklasse praktisch aus, Cherry-MX-kompatible Schalter, eine RGB-Beleuchtung und ein abnehmbares USB-Kabel in ein halbwegs solides Gehäuse zu stecken. Heute wartet bereits deutlich unterhalb der klassischen Enthusiastenklasse eine Ausstattung, für die früher Lötkolben, Schmiermittel, Schaumstoff, freie Wochenenden und eine erstaunlich hohe Frustrationstoleranz nötig waren. Gasket Mount, Hot-Swap-Sockel, vorgeschmierte Switches, mehrschichtige Schalldämpfung, Double-Shot-PBT-Keycaps und Funkverbindungen gehören inzwischen fast zum guten Ton.
Die EPOMAKER TH87 ISO-DE ist ein ziemlich treffendes Beispiel für diese Entwicklung. Für aktuell rund 119 Euro bringt sie praktisch die vollständige Checkliste einer modernen mechanischen Tastatur mit und verzichtet gleichzeitig auf einige Spielereien, die inzwischen beinahe inflationär auftauchen. Kein Display zeigt Katzen-GIFs. Kein Drehregler wartet darauf, irgendwann versehentlich die Lautstärke auf Anschlag zu stellen. Keine kleine Statusanzeige versucht, ein zweites Betriebssystem zu simulieren. Stattdessen gibt es 87 Tasten im klassischen TKL-Format, mechanische Hot-Swap-Switches, eine Gasket-Konstruktion, drei Verbindungsarten, RGB, einen erstaunlich großen Akku und vor allem ein richtiges deutsches ISO-Layout.
Das klingt zunächst wenig spektakulär. Genau darin steckt allerdings ein großer Teil des Charmes der TH87. Die Tastatur versucht nicht, ein Raumschiff zu sein. Sie möchte einfach eine sehr gute Tastatur sein.
Und das gelingt erstaunlich häufig.
TKL ohne Layout-Experimente: Die F-Tasten dürfen bleiben
Die Bezeichnung TH87 verrät bereits einen wesentlichen Teil des Konzepts. 87 Tasten ergeben ein klassisches Tenkeyless-Layout, kurz TKL. Gegenüber einer ausgewachsenen Tastatur verschwindet der Nummernblock, während Funktionstasten, Cursorblock und Navigationsbereich erhalten bleiben. Die TH87 ISO-DE misst rund 366,5 × 142,1 × 41,4 Millimeter und bringt ungefähr ein Kilogramm auf die Waage.
Damit landet sie in einem interessanten Bereich zwischen kompakten 75-Prozent-Tastaturen und klassischen Full-Size-Modellen. Gerade für einen Arbeitsplatz, an dem neben Textverarbeitung auch gespielt wird, ergibt das viel Sinn. Der fehlende Nummernblock schafft rechts mehrere Zentimeter zusätzlichen Raum für die Maus, ohne dass F-Tasten, Entfernen, Pos1, Ende, Bild auf, Bild ab oder ein sauber abgesetzter Cursorblock auf sekundäre Ebenen wandern.
Das klingt nebensächlich, bis täglich mit solchen Tasten gearbeitet wird. Eine 75-Prozent-Tastatur kann hervorragend funktionieren, verlangt allerdings häufig eine gewisse Umgewöhnung. Bei der TH87 liegt fast alles dort, wo es seit Jahrzehnten erwartet wird. Finger müssen keine archäologische Expedition starten, nur weil die Entfernen-Taste benötigt wird.
Besonders wichtig ist die getestete ISO-DE-Ausführung. Ü, Ö und Ä sitzen an den richtigen Stellen, die große ISO-Enter-Taste ist vorhanden und auch Sonderzeichen entsprechen der deutschen QWERTZ-Belegung. Das klingt 2026 eigentlich nach einer Selbstverständlichkeit. Im Bereich mechanischer Custom-Tastaturen ist es das noch immer nicht.
Viele interessante Tastaturen erscheinen zunächst in ANSI-US, während deutsche Varianten später folgen oder überhaupt nicht angeboten werden. Die TH87 ISO-DE fühlt sich deshalb nicht wie eine hastig lokalisierte Sonderversion an. Das Layout wirkt vollständig integriert.



Pastell statt Tarnkappenbomber
Optisch schlägt die TH87 einen bemerkenswert entspannten Weg ein. Das weiße Gehäuse trifft auf überwiegend weiße Alphanumerik-Tasten, graue Funktions- und Modifikatortasten sowie einzelne Akzente in zurückhaltendem Grün und Rosa. Leertaste und Cursorblock setzen sich farblich ab, während Enter und Escape weitere Akzente bilden.
Das Ergebnis erinnert weniger an ein klassisches Gaming-Produkt und mehr an die Vorstellung eines Industriedesigners, der nach drei schwarzen Tastaturen beschlossen hat, dass Computerarbeitsplätze nicht zwingend wie das Cockpit eines Stealth-Bombers aussehen müssen.
Gerade mit deaktivierter RGB-Beleuchtung wirkt die TH87 überraschend ruhig. Das Design funktioniert im Büro ebenso wie neben einem Gaming-PC. Erst die Beleuchtung verändert den Charakter deutlich. Dann strahlt RGB zwischen den Tastenkappen hervor und verwandelt das zurückhaltende Pastellbrett bei Bedarf doch wieder in die übliche kleine Diskothek.
Die LEDs sind south-facing angeordnet. Dabei sitzen sie auf der dem Nutzer zugewandten Seite des Switches. Diese Anordnung ist bei modernen Custom-Keyboards beliebt, weil sie weniger Konflikte mit bestimmten Cherry-Profil-Keycaps verursacht. EPOMAKER ermöglicht pro Taste RGB-Effekte sowie statische und dynamische Beleuchtungsmodi.
Die Double-Shot-PBT-Keycaps selbst sind allerdings nicht lichtdurchlässig. RGB beleuchtet deshalb primär die Zwischenräume und den Bereich unterhalb der Tastenkappen, nicht die Beschriftung. Im Dunkeln entsteht ein hübscher Lichtteppich, aus den Legenden werden dadurch aber keine leuchtenden Wegweiser.
Das ist weniger ein Fehler als eine konstruktive Entscheidung. PBT-Keycaps mit nicht transparenten Double-Shot-Legenden sind im Custom-Bereich völlig üblich. Für nächtliches Tippen ohne Umgebungslicht können Shine-through-Keycaps trotzdem praktischer sein.

Kunststoffgehäuse, aber kein Plastikspielzeug
Das Gehäuse besteht aus ABS-Kunststoff. Wer bei rund einem Kilogramm Gewicht automatisch Aluminium erwartet, landet also zunächst auf der falschen Fährte.
Entscheidend ist allerdings weniger die Materialbezeichnung als die Konstruktion. Kunststoff ist nicht automatisch minderwertig, genauso wenig wie Aluminium automatisch eine gute Tastatur ergibt. Bei mechanischen Tastaturen beeinflusst das Gehäuse zusätzlich das akustische Verhalten. Ein schlecht konstruiertes Metallgehäuse kann unangenehm hallen, während ein ordentlich gedämpftes Kunststoffgehäuse einen kontrollierten und erstaunlich satten Klang erzeugt.
Die TH87 fühlt sich deutlich massiver an, als das Material vermuten lässt. Das Gewicht verhindert ein nervöses Wandern über den Schreibtisch und vermittelt eine gewisse mechanische Ruhe. Gleichzeitig bleiben die Kanten sauber und das Gehäuse wirkt geschlossen. An der Unterseite sitzen großflächige Gummierungen sowie zweistufig ausklappbare Füße. Daraus ergeben sich laut Hersteller drei Schreibwinkel von 6, 8 und 10,5 Grad.
Die Vorderkante liegt mit rund 18,5 Millimetern noch in einem vernünftigen Bereich, die Tastatur baut insgesamt aber relativ hoch. Eine Handballenauflage gehört nicht zum Lieferumfang. Bei längeren Schreibsitzungen kann eine flache Auflage deshalb sinnvoll sein, besonders bei ausgeklappten Füßen.
Interessanter wird die Konstruktion ohnehin unterhalb der sichtbaren Oberfläche.
Gasket Mount: Wenn die Platine nicht festgenagelt wird
EPOMAKER setzt bei der TH87 auf eine Gasket-Mount-Konstruktion. Der Begriff taucht inzwischen auf so vielen Produktseiten auf, dass fast der Eindruck entsteht, eine Tastatur ohne Gaskets müsse sofort beim örtlichen Wertstoffhof abgegeben werden.
Die Idee dahinter ist tatsächlich sinnvoll.
Bei einfach aufgebauten mechanischen Tastaturen ist die Einheit aus Plate und Leiterplatte relativ starr mit dem Gehäuse verbunden. Die beim Tastendruck entstehende Energie gelangt dadurch unmittelbar in das Gehäuse. Das kann ein hartes Tippgefühl und unerwünschte Resonanzen erzeugen.
Bei einer Gasket-Konstruktion wird diese Einheit elastischer gelagert. Kleine Dämpfungselemente entkoppeln Plate und PCB teilweise vom Gehäuse. Dadurch kann das System bei kräftigen Anschlägen minimal nachgeben.
Das bedeutet nicht, dass die TH87 beim Schreiben wie ein Trampolin federt. Genau das wäre ebenfalls unerwünscht. Der Effekt ist subtil. Der Anschlag wirkt weniger abrupt und das Tippgefühl verliert einen Teil jener Härte, die günstige mechanische Tastaturen früher häufig auszeichnete.
EPOMAKER kombiniert das mit einer Polycarbonat-Plate sowie Flex-Cuts in Plate und PCB. Polycarbonat ist weniger steif als viele Metallplatten und unterstützt damit den etwas weicheren Charakter der Konstruktion.
Das Ergebnis erinnert an ein gut abgestimmtes Fahrwerk. Niemand möchte, dass ein Auto nach jeder Bodenwelle mehrere Sekunden nachschwingt. Eine vollständig starre Verbindung wäre aber ebenfalls keine angenehme Lösung. Entscheidend ist die kontrollierte Bewegung zwischen beiden Extremen.
Genau dort positioniert sich die TH87.

Fünf Schichten gegen das große Hohlraumkonzert
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Akustik. Im Inneren befinden sich PORON-Schaum, ein IXPE-Switch-Pad, ein sogenanntes Sound-Enhancement-Pad, ein EPDM-Switch-Socket-Pad und eine Silikonschicht im Gehäuseboden. EPOMAKER spricht entsprechend von einem fünfstufigen System zur Klangoptimierung.
Diese Materialschlacht hat einen einfachen Grund: Eine Tastatur ist akustisch betrachtet ein kleiner Resonanzkörper.
Bei jedem Anschlag bewegen sich Switch, Tastenkappe, Plate und PCB. Ein Teil der Energie wird als Körperschall weitergegeben. Leere Bereiche im Gehäuse können bestimmte Frequenzen verstärken. Große Tasten bringen zusätzlich ihre Stabilisatoren ins Spiel. Das bekannte Klappern günstiger mechanischer Tastaturen entsteht deshalb selten an nur einer Stelle.
Die verschiedenen Dämpfungsschichten sollen genau diese Übertragung kontrollieren. Schaum zwischen Plate und PCB reduziert Resonanzen, weitere Pads verändern die Schallausbreitung rund um die Switches und die Silikonschicht im Boden nimmt dem Gehäuse einen Teil seines Hohlraumcharakters.
Die TH87 klingt entsprechend erstaunlich geschlossen.
Vor allem mit den getesteten Creamy-Jade-Switches entsteht kein hochfrequentes Plastikklappern. Anschläge besitzen einen relativ tiefen, kompakten Charakter. Der inzwischen etwas überstrapazierte Begriff „creamy“ passt hier tatsächlich halbwegs, auch wenn Tastaturen weder Sahne enthalten noch nach Vanille schmecken sollten.
Wichtiger ist die technische Beschreibung: Der Klang besitzt wenig störendes Nachhallen, die einzelnen Tasten wirken akustisch gut miteinander abgestimmt und größere Tasten fallen nicht plötzlich durch ein völlig anderes Geräuschbild aus der Reihe.
Gerade Leertaste und Enter sind dabei wichtige Prüfsteine. Große Keycaps wirken wie kleine Resonanzflächen. Schlechte Stabilisatoren können aus einer ansonsten guten Tastatur deshalb mit einem einzigen Druck auf die Leertaste eine Werkzeugkiste auf Kopfsteinpflaster machen.
Die TH87 bleibt deutlich kontrollierter.
Creamy Jade: Linear, leicht und ohne mechanisches Theater
In der getesteten Variante sitzen EPOMAKER Creamy Jade Switches. Es handelt sich um vorgeschmierte lineare 5-Pin-Schalter mit 45 ± 5 gf Auslösekraft, rund 50 ± 5 gf Kraft am unteren Anschlag, 2,0 ± 0,4 Millimetern Vorlauf und 3,6 ± 0,4 Millimetern Gesamtweg.
Übersetzt aus der Sprache der Switch-Datenblätter bedeutet das: Die Taste bewegt sich ohne fühlbare Zwischenstufe nach unten. Es gibt keinen taktilen Buckel und keinen absichtlich erzeugten Klick. Nach ungefähr zwei Millimetern wird der Tastendruck registriert, anschließend bleiben noch etwa 1,6 Millimeter bis zum mechanischen Anschlag.
Die benötigte Kraft liegt im eher leichten Bereich. Dadurch lassen sich längere Texte angenehm schreiben, ohne dass jeder Buchstabe eine kleine Fingerübung wird. Gleichzeitig sind die Federn nicht derart leicht, dass bereits das Ablegen eines Fingers ständig unbeabsichtigte Eingaben provoziert.
Das werkseitige Schmieren der Switches spielt dabei eine größere Rolle, als die nüchterne Produktbeschreibung vermuten lässt. Zwischen Stem und Gehäuse entstehen bei mechanischen Schaltern Reibungsflächen. Eine vernünftige Schmierung reduziert Kratzen und sorgt für einen gleichmäßigeren Lauf.
Früher gehörte das Zerlegen und Schmieren dutzender Switches fast zum Initiationsritus der Keyboard-Szene. 87 Switches öffnen, Stem und Feder entnehmen, Schmiermittel sparsam auftragen, alles wieder zusammensetzen und anschließend feststellen, dass Nummer 43 irgendwie anders klingt: ein Hobby für ruhige Sonntage und Menschen mit bemerkenswertem Verhältnis zur eigenen Lebenszeit.
Die TH87 erspart dieses Ritual.
Ab Werk wirken die Creamy Jade gleichmäßig und weich. Natürlich erreicht industrielle Vorschmierung nicht zwingend die Perfektion eines sorgfältig von Hand bearbeiteten Switches. Für eine serienmäßige Tastatur ist das Niveau allerdings überzeugend.

Hot-Swap: Die Tastatur darf ihre Persönlichkeit ändern
Sollten die Creamy Jade irgendwann trotzdem nicht mehr gefallen, beginnt einer der wichtigsten Vorteile der TH87: Die Switches sind nicht verlötet.
Die Platine besitzt Hot-Swap-Sockel und akzeptiert mechanische 3- und 5-Pin-Switches im üblichen MX-Format. Mit dem beiliegenden Werkzeug lassen sich Tastenkappen und Switches herausziehen und durch andere Varianten ersetzen.
Damit verändert sich die Lebensdauer des Produkts konzeptionell.
Ein defekter Schalter bedeutet nicht automatisch eine defekte Tastatur. Ein einzelner Switch lässt sich innerhalb weniger Minuten austauschen. Ebenso kann das komplette Tippgefühl verändert werden. Linear kann taktil werden, laut kann leise werden, schwer kann leicht werden.
Zwei Ersatzschalter liegen bereits bei.
Hot-Swap ist deshalb weit mehr als ein Feature für Keyboard-Enthusiasten. Es ist eine ziemlich praktische Form der Reparierbarkeit. Bei einer fest verlöteten Tastatur verlangt ein defekter Switch Lötkolben, Entlötwerkzeug und zumindest grundlegende Erfahrung. Hier reichen Switch-Puller und Ersatzschalter.
„If it ain’t broke, don’t fix it“ funktioniert bei mechanischen Tastaturen ohnehin nur begrenzt. Spätestens nach einigen Monaten taucht irgendwo ein Switch-Set auf, das angeblich noch cremiger, tiefer, weicher oder „thockiger“ klingt. Hot-Swap sorgt zumindest dafür, dass diese Neugier nicht gleich den Kauf einer vollständigen neuen Tastatur erfordert.
10.000 mAh: Irgendwo im Gehäuse wohnt offenbar eine Powerbank
Eine der ungewöhnlichsten technischen Daten der TH87 versteckt sich unsichtbar im Gehäuse. Der Akku besitzt eine Kapazität von 10.000 mAh. EPOMAKER nennt rund 45 Stunden Laufzeit bei maximaler RGB-Helligkeit und etwa 200 Stunden bei deaktivierter Beleuchtung.
10.000 mAh sind für eine Tastatur ausgesprochen großzügig. Das erklärt zumindest teilweise das Gewicht von rund einem Kilogramm.
Die Herstellerangabe von bis zu 200 Stunden entspricht bei acht Stunden täglicher Nutzung theoretisch 25 Arbeitstagen. RGB reduziert die Laufzeit erwartungsgemäß drastisch, denn LEDs verwandeln elektrische Energie mit großer Begeisterung in Licht und Wärme.
Der große Akku löst damit eines der nervigsten Probleme kabelloser Eingabegeräte: das permanente Gefühl, irgendwo müsse bereits wieder ein Ladekabel liegen.
Natürlich altern Lithium-Akkus. 10.000 mAh bieten hier aber einen angenehmen Puffer. Selbst wenn die nutzbare Kapazität nach mehreren Jahren sinkt, bleibt zunächst reichlich Reserve.
Geladen wird über USB-C. Ein weiß ummanteltes USB-A-auf-USB-C-Kabel liegt bei. USB-C dient gleichzeitig der kabelgebundenen Datenverbindung.
Drei Verbindungen und zwei kleine Schalter
Auf der Rückseite sitzt eine angenehm unspektakuläre Bediensektion. Ein Schalter wechselt zwischen Mac und Windows, der zweite zwischen 2,4-GHz-Funk, USB und Bluetooth. Dazwischen befindet sich USB-C.
Das ist hervorragend.
Nicht deshalb, weil Schiebeschalter eine technologische Sensation wären, sondern weil Hardware-Schalter eindeutig sind. Ein Blick auf die Rückseite beantwortet sofort die Frage, in welchem Modus die Tastatur arbeitet. Kein fünfsekündiges Drücken einer Tastenkombination, kein LED-Morsecode, kein Studium des Handbuchs.
Im Kabelbetrieb und über 2,4 GHz arbeitet die TH87 mit bis zu 1.000 Hz Polling Rate. Bluetooth reduziert die Rate auf 125 Hz. EPOMAKER nennt Latenzen von rund 2 ms über Kabel, 5 ms über 2,4 GHz und 11 ms via Bluetooth.
Für den Alltag ist Bluetooth damit vollkommen ausreichend. Beim schnellen Gaming ist 2,4 GHz die sinnvollere drahtlose Option. 1.000 Hz bedeuten, dass die Tastatur ihren Zustand theoretisch bis zu tausendmal pro Sekunde an den Rechner melden kann. 125 Hz entsprechen dagegen einem Abfrageintervall von acht Millisekunden.
Das macht aus der TH87 keine Hall-Effect-Tastatur mit einstellbarem Auslösepunkt und Rapid Trigger. Genau diese Abgrenzung ist wichtig. Die Creamy Jade sind klassische mechanische Switches. Für normales Gaming, Office und umfangreiches Schreiben funktioniert das hervorragend. Wer kompetitiv spielt und gezielt nach Rapid Trigger, extrem kurzen Actuation Points oder analogen Eingaben sucht, benötigt eine andere Schaltertechnologie.
N-Key-Rollover und Anti-Ghosting sind vorhanden. Mehrere gleichzeitig gedrückte Tasten werden also zuverlässig erkannt, statt sich gegenseitig aus dem Datenstrom zu verdrängen.

Windows, macOS und die kleine Identitätskrise der Tastenkappen
Der rückseitige Mac/Win-Schalter verdient mehr Aufmerksamkeit, als seine Größe vermuten lässt. Mechanisch bleibt natürlich dieselbe Tastatur erhalten, logisch ändern sich jedoch relevante Modifikatortasten.
Die Keycaps tragen teilweise zusätzliche Beschriftungen für unterschiedliche Betriebssysteme. Das ist praktisch, wirkt optisch aber etwas unruhiger als ein ausschließlich für Windows gestalteter Satz.
Dafür lässt sich die TH87 relativ problemlos zwischen verschiedenen Rechnern einsetzen. EPOMAKER nennt Windows, macOS und Android als unterstützte Plattformen.
Gerade zusammen mit Bluetooth und 2,4-GHz-Funk ergibt das ein flexibles Arbeitsgerät. Ein Desktop kann beispielsweise am Dongle hängen, während ein Notebook oder Tablet per Bluetooth angebunden wird.
Der 2,4-GHz-Empfänger lässt sich unter einem der ausklappbaren Füße verstauen. Das klingt wie eine Kleinigkeit, verhindert aber jene besondere Form technischer Tragödie, bei der ein 100-Euro-Eingabegerät vorhanden ist, während der dazugehörige Dongle irgendwo zwischen Schreibtisch, Notebooktasche und einer Parallelrealität verschwunden ist.
Software: Endlich weniger Grund für eine weitere Windows-Anwendung
Eine moderne Tastatur benötigt inzwischen fast zwangsläufig irgendeine Form von Konfiguration. Tastenbelegung, Makros und RGB lassen sich entsprechend anpassen.
Interessant ist die Entwicklung hin zum EPOMAKER Hub. Der Hersteller bietet inzwischen einen browserbasierten Konfigurator für die TH87 ISO an, über den Tasten neu belegt, Makros eingerichtet und Beleuchtungseinstellungen verändert werden können. Der Web-Hub benötigt auf dem Desktop einen kompatiblen Chromium-Browser wie Chrome oder Edge; Safari und Firefox können die Tastatur darüber nicht direkt ansprechen.
Das ist grundsätzlich eine begrüßenswerte Richtung.
Peripheriesoftware gehört seit Jahren zu den merkwürdigsten Auswüchsen des PC-Marktes. Für Maus, Tastatur, Headset, Mainboard und Beleuchtung installieren sich schnell mehrere Anwendungen, Hintergrunddienste und Autostart-Komponenten. Am Ende benötigt die Änderung einer Tastaturfarbe gefühlt mehr Software als früher eine vollständige Linux-Installation.
Ein Web-Konfigurator reduziert diesen Ballast erheblich.
Vollkommen plattformneutral ist die Lösung wegen der Browser-Abhängigkeit trotzdem nicht. Gerade Safari-Nutzer benötigen einen zusätzlichen kompatiblen Browser. Dennoch ist eine Konfiguration ohne dauerhaft installierten Treiber ein deutlicher Fortschritt.
RGB ist Dekoration, kein Ersatz für gute Keycaps
Die RGB-Beleuchtung funktioniert technisch ordentlich und leuchtet gleichmäßig zwischen den Tasten hervor. South-facing LEDs harmonieren mit dem Cherry-Profil und ermöglichen zahlreiche Effekte.
Trotzdem gehört RGB nicht zu den entscheidenden Argumenten für die TH87.
Die nicht transparenten PBT-Keycaps verhindern beleuchtete Legenden. Wer nachts bei ausgeschaltetem Raumlicht die Sonderzeichen sucht, bekommt also keine leuchtende Beschriftung. Das Licht umrahmt die Tasten lediglich.
Dafür besitzen die Double-Shot-PBT-Keycaps andere Vorteile. PBT ist gegenüber häufig verwendeten ABS-Keycaps widerstandsfähiger gegen das typische Glänzen der Oberfläche. Double-Shot bedeutet, dass die Legenden nicht einfach aufgedruckt werden, sondern aus einem zweiten Kunststoffanteil bestehen.
Die Beschriftung wird dadurch nicht einfach nach einigen Monaten wegpoliert.
Die leicht strukturierte Oberfläche passt gut zum Charakter der Tastatur. Finger finden ausreichend Halt, ohne dass sich die Keycaps rau anfühlen.
Cherry-Profil bedeutet außerdem eine relativ klassische abgestufte Form der Tastenreihen. Das Profil ist niedriger als beispielsweise SA und wirkt weniger exotisch als einige proprietäre Formen. Wer bereits viel auf mechanischen Tastaturen geschrieben hat, dürfte sich sehr schnell zurechtfinden.

Schreiben statt Datenblatt-Bingo
Die eigentliche Stärke der TH87 zeigt sich nach längeren Texten.
Einzelne technische Merkmale erklären das Ergebnis nur teilweise. Gasket Mount allein erzeugt keine gute Tastatur. Fünf Schaumstoffschichten garantieren ebenfalls nichts. Vorgeschmierte Switches können schlecht geschmiert sein. PBT-Keycaps können dünn und unangenehm klingen.
Erst das Zusammenspiel entscheidet.
Bei der TH87 passen die Komponenten erstaunlich gut zusammen. Die Creamy Jade laufen leicht, die PC-Plate nimmt dem Anschlag Härte, die Gasket-Lagerung sorgt für eine geringe Elastizität und die interne Dämpfung hält Resonanzen unter Kontrolle. Die PBT-Keycaps geben dem Anschlag wiederum genügend Substanz.
Dadurch entsteht ein Tippgefühl, das weder schwammig noch unnötig hart wirkt.
Besonders angenehm ist die akustische Konsistenz. Buchstabentasten, Modifikatoren und größere Tasten leben nicht in völlig unterschiedlichen Klangwelten. Natürlich klingt eine Leertaste aufgrund ihrer Größe anders als ein „G“. Physik lässt sich auch mit fünf Lagen Schaumstoff nicht kündigen. Der Charakter bleibt jedoch zusammenhängend.
Die Creamy Jade sind dabei keineswegs Silent-Switches. Wer neben einem schlafenden Säugling einen Roman schreiben möchte, findet mit den ebenfalls angebotenen Sea Salt Silent V2 eine passendere Alternative. Diese sind ebenfalls linear, lösen bei 45 ± 5 gf aus und besitzen mit 1,8 ± 0,4 Millimetern einen etwas kürzeren Vorlauf.
Die Creamy Jade liefern dafür mehr akustisches Feedback und wirken lebendiger.
Gaming ohne künstliche Rennstreifen
Beim Spielen profitiert die TH87 vor allem von ihrem traditionellen Layout und der 1.000-Hz-Abfragerate über Kabel beziehungsweise 2,4 GHz.
WASD sitzt erwartungsgemäß dort, wo WASD seit Jahrzehnten sitzt. Die linearen Schalter eignen sich gut für schnelle Richtungswechsel und benötigen keine hohe Betätigungskraft. Gleichzeitig bleibt der komplette F-Tastenblock erhalten. Gerade Spiele mit umfangreicher Tastenbelegung profitieren davon.
Der fehlende Nummernblock schafft zusätzlichen Platz für die Maus. Bei niedriger Mausempfindlichkeit ist das keineswegs nur kosmetisch. Mehr horizontaler Bewegungsraum verhindert, dass Maus und Tastatur bei hektischen Bewegungen eine unfreiwillige Nahkampfbeziehung beginnen.
Für klassische Shooter, Rollenspiele, Strategiespiele und alltägliches Gaming reicht die Technik problemlos.
Die Einschränkung beginnt dort, wo spezielle Competitive-Funktionen verlangt werden. Rapid Trigger, ein individuell einstellbarer Auslösepunkt oder magnetische Hall-Effect-Switches gehören nicht zum Konzept. Die TH87 versucht auch gar nicht, diese Funktionen vorzutäuschen.
Das ist angenehm klar.
Sie ist eine vielseitige mechanische Tastatur, keine spezialisierte E-Sport-Steuerkonsole.
Die kleinen Dinge, die nach Wochen wichtiger werden
Eine gute Tastatur wird selten durch das spektakulärste Feature definiert. Nach mehreren Tagen verschwinden RGB-Effekte geistig in den Hintergrund. Was bleibt, sind Details.
Der physische Umschalter für das Betriebssystem ist so ein Detail. Die klare Wahl zwischen Funk, USB und Bluetooth ebenfalls. Die Möglichkeit, den Dongle im Gehäuse zu verstauen, gehört dazu. Hot-Swap wird vielleicht jahrelang nicht benötigt und kann dann innerhalb von fünf Minuten einen defekten Switch retten.
Auch der große Akku fällt gerade dadurch positiv auf, dass er selten auffällt.
Genau solche Eigenschaften unterscheiden ein brauchbares Datenblatt von einem durchdachten Alltagsgerät.
Kritik bleibt trotzdem.
Eine Handballenauflage hätte angesichts der Gehäusehöhe gut zum Lieferumfang gepasst. Die Beleuchtung der Zwischenräume sieht hübsch aus, hilft bei Dunkelheit aufgrund der nicht durchscheinenden Beschriftung aber wenig. Ein Gehäuse aus Kunststoff vermittelt trotz des hohen Gewichts nicht dieselbe Materialanmutung wie ein sauber gefrästes Aluminiumgehäuse.
Auch die Kombination aus klassischer Mechanik und 1.000 Hz setzt eine klare Grenze gegenüber aktuellen HE-Gaming-Tastaturen.
Nur sind das keine versteckten Schwächen. Sie ergeben sich aus der Positionierung.
Fazit: Erstaunlich erwachsen für rund 119 Euro
Die EPOMAKER TH87 ISO-DE gehört zu jener neuen Generation mechanischer Tastaturen, die eindrucksvoll zeigt, wie weit sich die Mittelklasse entwickelt hat. Vor einigen Jahren wäre ein großer Teil dieser Ausstattung noch als Custom-Projekt durchgegangen. Gasket Mount, Polycarbonat-Plate, Flex-Cuts, fünfstufige interne Dämpfung, Hot-Swap-Sockel, vorgeschmierte lineare Switches und Double-Shot-PBT-Keycaps ergeben heute ein fertig montiertes Produkt, das nach dem Einschalten schlicht funktioniert.
Dazu kommen Bluetooth, 2,4-GHz-Funk und USB, 1.000 Hz Polling über Funk und Kabel, ein 10.000-mAh-Akku, N-Key-Rollover, RGB und ein vollständiges ISO-DE-Layout. Bei einem derzeitigen Preis von rund 118,95 Euro im deutschen EPOMAKER-Shop ist das technisch ein umfangreiches Paket.
Entscheidender als die Menge der Funktionen ist allerdings ihre Abstimmung.
Die TH87 fühlt sich nicht wie eine Tastatur an, deren Datenblatt von mehreren Abteilungen unabhängig voneinander zusammengestellt wurde. Switches, Plate, Gasket-Lagerung, Dämpfung und Keycaps ergeben ein schlüssiges Gesamtsystem. Die Creamy Jade liefern einen weichen linearen Lauf, ohne charakterlos zu werden. Der Klang bleibt satt und kontrolliert, ohne künstlich totgedämpft zu wirken.
Das TKL-Layout trifft dabei einen vernünftigen Kompromiss. Es spart den Nummernblock ein, behält aber nahezu sämtliche Tasten, die im Alltag regelmäßig gebraucht werden. Genau deshalb funktioniert die TH87 sowohl am Arbeitsrechner als auch am Gaming-PC.
Das Design macht diesen Spagat ebenfalls mit. Pastellfarben statt schwarzem Kunststoffpanzer, RGB nur bei Bedarf und keine Displays oder Drehknöpfe, die Aufmerksamkeit erzwingen. Fast wirkt die TH87 dadurch ungewöhnlich konservativ.
Vielleicht ist genau das ihr größter Vorteil.
Sie muss keine Revolution darstellen. Eine Tastatur hat schließlich eine ziemlich alte und klar definierte Aufgabe: Jeder Tastendruck soll zuverlässig dort ankommen, wo er hingehört, und sich dabei möglichst gut anfühlen. Die TH87 erledigt genau das mit bemerkenswert wenig Theater.
Ein alter Ingenieurssatz lautet: „Form follows function.“ Bei der TH87 könnte die zeitgemäße Ergänzung lauten: Funktion darf inzwischen trotzdem rosa Leertasten haben.
Und irgendwo unter all dem Pastell sitzt ein 10.000-mAh-Akku und wartet geduldig darauf, dass endlich wieder jemand ans Ladekabel denkt.
Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:
Die in diesem Testbericht vorgestellte EPOMAKER TH87 ISO-DE wurde uns von EPOMAKER als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
EPOMAKER hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei EPOMAKER für die Bereitstellung der Tastatur und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.
