Donnerstag, Juli 16, 2026
PaperlikePortable Devices

reMarkable Paper Pro mit Book Folio im Langzeittest – Wenn digitales Papier den Alltag leiser macht

Schreiben, lesen und arbeiten ohne den üblichen Bildschirmzirkus

Das reMarkable Paper Pro gehört zu jener seltenen Geräteklasse, deren Qualität sich nicht innerhalb eines kurzen Benchmark-Durchlaufs offenbart. Prozessorleistung, Bildwiederholrate oder eine möglichst lange Liste installierbarer Anwendungen spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist vielmehr, ob das digitale Papier nach mehreren Wochen noch freiwillig eingepackt wird, ob es Besprechungen tatsächlich vereinfacht und ob aus einem technisch interessanten Produkt ein selbstverständliches Arbeitswerkzeug entsteht. Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt eines ausgedehnten Praxistests mit dem Paper Pro, dem Marker Plus und dem Book Folio.
Der Feldversuch führte weit über den heimischen Schreibtisch hinaus. Das Paper Pro begleitete zahlreiche Besprechungen, mehrere Vorlesungen, Termine in Cafés und jene alltäglichen Situationen, in denen ein klassisches Notebook zwar leistungsfähiger, aber zugleich umständlicher wirkt. Ein Laptop benötigt Platz, fordert Aufmerksamkeit und baut zwischen Gesprächspartnern schnell eine kleine technische Mauer auf. Das Paper Pro liegt dagegen wie ein großes Notizbuch auf dem Tisch. Es leuchtet nicht hektisch, meldet keine eingehenden Nachrichten und versucht auch nicht, nebenbei ein Video, drei Chats und einen Kalendertermin unterzubringen.
Diese Reduktion klingt zunächst nach einem Mangel. Im Alltag entwickelt sie sich jedoch zur wichtigsten Funktion des gesamten Geräts. Das Paper Pro möchte kein Tablet im klassischen Sinn ersetzen. Es übernimmt stattdessen jene Aufgaben, für die Papier seit Jahrhunderten erstaunlich gut geeignet ist, ergänzt diese jedoch um Synchronisation, Suchfunktionen, Ebenen, Farben, digitale Stifte und eine wesentlich bessere Organisation. So entsteht kein abgespecktes iPad, sondern ein spezialisiertes Schreib- und Lesesystem mit klarer Haltung.

Das entscheidende Missverständnis: Weniger Funktionen sind kein Defizit

Ein Blick auf die üblichen Tablet-Kategorien führt beim Paper Pro schnell in die falsche Richtung. Wer App-Stores, Videokonferenzen, Streamingdienste, Spiele oder einen vollständigen Webbrowser erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht. Das Gerät besitzt weder die Offenheit eines Android-Tablets noch die enorme Softwarebreite eines iPad. Genau darin liegt allerdings der zentrale Gedanke des Produkts.
Moderne Computer sind technisch hervorragend darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Das bedeutet nicht, dass der menschliche Kopf dieselbe Fähigkeit besitzt. Während einer Besprechung genügt bereits eine eingeblendete Nachricht, um einen Gedankengang zu unterbrechen. Aus einer kurzen Kontrolle des Postfachs werden fünf Minuten, aus fünf Minuten entsteht eine Diskussion über einen völlig anderen Vorgang, und irgendwann liegt vor dem Terminprotokoll ein geöffneter Browser mit elf Tabs. Einige davon haben längst keinen erkennbaren Zusammenhang mehr mit der ursprünglichen Aufgabe.
Das Paper Pro unterbindet diese Eskalation nicht durch komplizierte Konzentrationsmodi, sondern durch Abwesenheit. Es gibt schlicht keine sozialen Netzwerke, keine ständig sichtbaren Nachrichten und keinen App-Store, der um Aufmerksamkeit bittet. Das Gerät verhält sich eher wie ein gut organisierter Aktenschrank mit Schreibfläche. Diese bewusst begrenzte Architektur eignet sich hervorragend für Digital Detox, ohne digitale Arbeit vollständig aufzugeben.
Der Begriff Digital Detox klingt häufig nach einer radikalen Flucht vor Technik. Beim Paper Pro funktioniert der Ansatz wesentlich pragmatischer. Dokumente bleiben digital, Notizen werden automatisch synchronisiert und Unterlagen stehen auf mehreren Geräten zur Verfügung. Lediglich die störenden Teile eines typischen Tablets verschwinden. Das Ergebnis ist keine Rückkehr ins analoge Zeitalter, sondern eine gezielte Auswahl sinnvoller digitaler Funktionen.

Ein Gerät, das nach dem Auspacken schnell zur Nebensache wird

Beim ersten Kontakt beeindruckt das Paper Pro durch seine ungewöhnlich flache Konstruktion, den präzise gefertigten Metallrahmen und die große Displayfläche. Mit 274,1 × 196,6 Millimetern, einer Dicke von 5,1 Millimetern und einem Gewicht von rund 525 Gramm liegt es näher an einem hochwertigen Schreibblock als an einem klassischen Mobilcomputer. Das 11,8 Zoll große Canvas-Color-Display arbeitet mit 2.160 × 1.620 Bildpunkten und erreicht 229 Pixel pro Zoll. Bis zu 20.000 Farbtöne lassen sich darstellen. 
Diese Zahlen erklären die Konstruktion, aber noch nicht ihren Charakter. Das Paper Pro wirkt nicht wie ein dünnes Tablet, das zufällig auch einen Stift unterstützt. Display, Rahmen, Marker und Software wurden sichtbar als zusammenhängendes System entwickelt. Die breite linke Griffkante erleichtert das Halten, während die übrigen Displayränder bewusst schmal ausfallen. Der asymmetrische Aufbau schafft eine klare Orientierung und verhindert, dass die Schreibfläche beim Tragen ständig mit den Fingern berührt wird.
Nach wenigen Tagen verliert die Hardware erfreulicherweise einen Teil ihrer anfänglichen Faszination. Das klingt negativer, als es gemeint ist. Ein gutes Arbeitsgerät tritt hinter seiner Aufgabe zurück. Ein Füllfederhalter wird ebenfalls nicht bei jedem Satz bewundert. Er liegt in der Hand und schreibt. Genau an diesem Punkt gewinnt das Paper Pro: Die Technik ist präsent, drängt sich jedoch nicht dauerhaft in den Vordergrund.

Das Canvas-Color-Display: Farbe ohne Jahrmarkt

Das Farbdisplay gehört zu den wichtigsten Unterschieden gegenüber monochromen reMarkable-Modellen. Es verwandelt das Paper Pro dennoch nicht in ein gewöhnliches Multimedia-Tablet. Farben erscheinen zurückhaltender, matter und deutlich weniger gesättigt als auf einem LCD- oder OLED-Panel. Wer ein farbenprächtiges Comicbild mit maximalem Kontrast erwartet, erlebt zunächst einen kleinen Kulturschock. Nach kurzer Eingewöhnung wird jedoch deutlich, dass die gedämpfte Darstellung hervorragend zum eigentlichen Konzept passt.
Die Farben erinnern eher an Buntstifte, Textmarker und farbiges Zeitungspapier. Rot schreit nicht, Blau leuchtet nicht wie eine Status-LED, und Gelb wirkt tatsächlich wie eine Markierung auf Papier. Diese Charakteristik eignet sich besonders für Diagramme, kommentierte Dokumente, Skizzen und strukturierte Notizen. Unterschiedliche Themenbereiche lassen sich visuell trennen, ohne dass die Seite wie eine überladene Präsentationsfolie aussieht.
Beim Schreiben erzeugt das Display einzelne Farben technisch nicht immer unmittelbar in ihrer endgültigen Darstellung. Während der Eingabe können Linien kurzzeitig anders wirken und erst nach einer Aktualisierung ihre vorgesehene Farbe annehmen. Dieser Vorgang gehört zur Arbeitsweise des Panels und fällt besonders bei größeren farbigen Flächen auf. Nach etwas Praxis verliert dieser Effekt seinen irritierenden Charakter. Die Farbe folgt nicht der spontanen Geschwindigkeit eines OLED-Panels, sondern dem ruhigeren Rhythmus elektronischen Papiers.
Die große Fläche macht den Unterschied vor allem bei PDF-Dokumenten deutlich. Seiten müssen seltener vergrößert werden, Randnotizen erhalten ausreichend Platz und Tabellen bleiben besser lesbar. Bei wissenschaftlichen Unterlagen, technischen Handbüchern oder Vorlesungsskripten bringt das mehr als eine theoretisch höhere Farbsättigung. Das Display erfüllt seine Aufgabe nicht spektakulär, sondern zweckmäßig.

Hintergrundbeleuchtung ohne leuchtendes Brett vor dem Gesicht

Das Paper Pro besitzt eine einstellbare Lesebeleuchtung. Technisch handelt es sich nicht um eine klassische Hintergrundbeleuchtung, da elektronisches Papier nicht wie ein LCD von hinten durchleuchtet wird. Eine integrierte Frontbeleuchtung verteilt das Licht über die Displayoberfläche. Dadurch bleibt der papierähnliche Eindruck weitgehend erhalten.
In hellen Räumen und bei Tageslicht bleibt die Beleuchtung häufig vollständig deaktiviert. Das Panel nutzt Umgebungslicht ähnlich wie bedrucktes Papier und wirkt unter guten Lichtbedingungen besonders natürlich. In einem abgedunkelten Raum, während einer späten Vorlesung oder in einer schlecht beleuchteten Ecke des Cafés zeigt sich der praktische Wert der integrierten Lichtquelle. Das Paper Pro bleibt lesbar, ohne den Raum mit einem hellen Rechteck zu illuminieren.
Die Beleuchtung fällt deutlich dezenter aus als bei vielen E-Book-Readern. Das kann zunächst konservativ wirken, schützt aber den Charakter des Geräts. Softwareupdates haben die Einstellungsmöglichkeiten erweitert und unter anderem einen zusätzlichen Light-Boost-Modus ergänzt. reMarkable verbessert damit nicht nur Fehlerdetails, sondern greift gezielt in die alltägliche Nutzung ein. 
Selbst bei höherer Intensität bleibt das Licht zurückhaltend. Ein schwarzer Raum wird nicht plötzlich zum Büro, und das Display sieht weiterhin eher nach beleuchtetem Papier als nach einem strahlenden Bildschirm aus. Für konzentriertes Lesen ist das angenehm. Für farbkritische Bildbearbeitung wäre es ungeeignet, doch diese Aufgabe gehört ungefähr so sehr zum Einsatzgebiet wie das Schneiden eines Spielfilms auf einem Taschenrechner.

Der Marker Plus: Das eigentliche Eingabegerät

Ein digitales Notizsystem steht und fällt mit seinem Stift. Schlechte Latenz, eine glatte Oberfläche oder unpräzise Linien reichen aus, um selbst hervorragende Software unattraktiv zu machen. Der Marker Plus gehört deshalb nicht bloß zum Zubehör, sondern bildet gemeinsam mit dem Display den Kern des Paper Pro.
Der Stift liegt ausgewogen in der Hand und vermittelt bereits durch sein Gewicht einen deutlich hochwertigeren Eindruck als viele leichte Kunststoffstifte. Die Spitze erzeugt auf dem strukturierten Display einen spürbaren Widerstand. Dieser Widerstand simuliert Papier nicht perfekt, kommt dem vertrauten Schreibgefühl jedoch nahe genug, um nach kurzer Zeit nicht mehr als technische Nachbildung wahrgenommen zu werden.
Besonders überzeugend arbeitet die Eingabe bei längeren Notizen. Einzelne Wörter gelingen mit fast jedem halbwegs präzisen Stylus. Erst mehrere Seiten zeigen, ob die Hand verkrampft, Linien hinter der Spitze zurückbleiben oder die Oberfläche unangenehm bremst. Das Paper Pro bewältigt solche Schreibphasen sehr souverän. Die Verzögerung bleibt gering, Handballenerkennung und Druckstufen greifen zuverlässig, und selbst schnelle Randnotizen wirken nicht wie nachträglich eingefügte digitale Fremdkörper.
Die Rückseite des Marker Plus dient als Radiergummi. Diese Funktion klingt unscheinbar, verändert aber den Arbeitsfluss. Statt ein Symbol in der Werkzeugleiste zu suchen, wird der Stift gedreht und die fehlerhafte Stelle entfernt. Der Vorgang entspricht einer vertrauten Bewegung und benötigt keine bewusste technische Entscheidung. Genau solche Details sorgen dafür, dass die Oberfläche nicht permanent als Benutzeroberfläche wahrgenommen wird.
Magnetisch haftet der Marker an der rechten Geräteseite. Die Verbindung hält im stationären Einsatz zuverlässig. Für den Transport übernimmt das Book Folio zusätzlich die Sicherung, wodurch der Stift nicht lose in einer Tasche verschwinden kann. Ein Marker ohne feste Transportposition entwickelt sonst erstaunliche Fähigkeiten. Er findet zuverlässig jene dunkle Ecke eines Rucksacks, in der bereits zwei USB-Adapter, ein alter Kassenzettel und ein einzelner Schlüssel leben.

Viele Stifte, ohne eine Schublade voller Schreibgeräte

Die Software stellt mehrere digitale Schreibwerkzeuge bereit. Dazu gehören unter anderem Kugelschreiber, Fineliner, Bleistift, Druckbleistift, Marker, Textmarker und kalligrafisch ausgelegte Varianten. Unterschiedliche Strichstärken und Farben erweitern die Auswahl. Die Werkzeuge unterscheiden sich nicht nur durch ihre Namen. Linien reagieren jeweils anders auf Druck, Geschwindigkeit und Neigung.
Der Kugelschreiber eignet sich für schnelle Notizen und Sitzungsprotokolle. Der Fineliner erzeugt gleichmäßigere Linien und wirkt bei Diagrammen kontrollierter. Der Bleistift nutzt Druck und Schattierung stärker aus, während der Textmarker Inhalte hervorhebt, ohne den darunterliegenden Text vollständig zu verdecken. Für Skizzen stehen damit ausreichend Variationen zur Verfügung, obwohl das Paper Pro kein spezialisiertes Grafiktablett ersetzen möchte.
Die Auswahl bleibt übersichtlich. Ein klassisches Zeichenprogramm kann hunderte Pinsel verwalten, doch bereits der Gedanke an eine solche Bibliothek widerspricht dem reduzierten Konzept. Das Paper Pro liefert ausreichend Werkzeuge für Handschrift, Skizzen und Dokumentbearbeitung, ohne die Werkzeugleiste in einen Baumarkt zu verwandeln.
Praktisch ist die Möglichkeit, zuletzt verwendete Stifte schnell erneut aufzurufen. Ein Wechsel zwischen schwarzem Fineliner, farbigem Textmarker und Radierer gelingt zügig. Während einer Vorlesung entscheidet diese Geschwindigkeit darüber, ob eine wichtige Aussage erfasst wird oder als halber Satz endet. Vortragende entwickeln gelegentlich die bemerkenswerte Fähigkeit, ausgerechnet den wichtigsten Gedanken mit doppelter Geschwindigkeit auszusprechen.

Besprechungen: Weniger Barriere, bessere Aufmerksamkeit

In Besprechungen zeigte das Paper Pro eine seiner größten Stärken. Ein geöffnetes Notebook erzeugt fast zwangsläufig eine Distanz. Der Bildschirm verdeckt einen Teil des Gegenübers, die Tastatur lenkt durch Geräusche ab, und von außen bleibt unklar, ob gerade protokolliert oder heimlich das Postfach kontrolliert wird. Ein Paper Pro liegt flach oder leicht angewinkelt auf dem Tisch und wirkt eher wie ein Notizblock.
Dieser Unterschied verändert die Atmosphäre. Blickkontakt bleibt häufiger erhalten, spontane Skizzen entstehen schneller und Informationen lassen sich ohne Tastaturgeräusch festhalten. Gerade bei kleineren Gesprächsrunden wirkt das Gerät weniger invasiv. Es gibt keinen aufgeklappten Bildschirm, der Aufmerksamkeit beansprucht, und keine Lüfter, die kurz vor einer wichtigen Aussage beschließen, einen kleinen Sturm zu simulieren.
Sitzungsnotizen lassen sich anschließend verschieben, ergänzen und in passende Ordner einordnen. Seiten können dupliziert oder neu sortiert werden. Aus einer unstrukturierten Mitschrift entsteht dadurch später ein brauchbares Protokoll, ohne den gesamten Inhalt erneut abtippen zu müssen. Handschriftliche Bereiche bleiben erhalten, während zusätzliche Ebenen oder Markierungen Zusammenhänge verdeutlichen.
Die Such- und Organisationsmöglichkeiten ersetzen zwar kein umfangreiches Dokumentenmanagement, reichen für persönliche Arbeitsabläufe jedoch gut aus. Entscheidend ist die konsequente Ablage. Auch ein digitaler Aktenschrank wird unübersichtlich, sobald jeder Ordner „Neu“, „Neu 2“ oder „Wichtig final wirklich final“ heißt. Das Paper Pro liefert die Werkzeuge, nimmt die Benennung aber erfreulicherweise nicht vollständig aus der Hand.

Vorlesungen: Zwischen Mitschrift und Konzentration

Bei Vorlesungen profitiert das Paper Pro von seiner großen Schreibfläche. Präsentationen oder Skripte lassen sich vorab als PDF übertragen und direkt während der Veranstaltung kommentieren. Dadurch entfällt der ständige Wechsel zwischen Ausdruck, Notizblock und Laptop. Definitionen können markiert, Formeln ergänzt und Randbemerkungen unmittelbar an der passenden Stelle hinterlegt werden.
Gerade bei komplexen Inhalten ist dieser Zusammenhang wertvoll. Eine Notiz mit dem Text „prüfungsrelevant“ hilft wenig, sobald einige Tage später nicht mehr klar ist, auf welche der 86 Folien sie sich bezog. Direkt im Dokument bleibt die Anmerkung an ihrem Ort. Pfeile, Farben und handschriftliche Ergänzungen erzeugen eine individuelle Arbeitsversion des Skripts.
Die Schreibfläche ist groß genug für mathematische Herleitungen, Mindmaps oder schematische Darstellungen. Gleichzeitig passt das Gerät weiterhin auf typische Hochschultische, die gelegentlich eher als schmale Ablagen denn als vollwertige Arbeitsflächen konstruiert erscheinen. Zusammen mit dem Book Folio liegt das Paper Pro stabil und verrutscht beim Schreiben kaum.
Während längerer Veranstaltungen hilft die fehlende Ablenkung besonders deutlich. Ein Laptop bietet theoretisch Zugriff auf ergänzende Literatur. Praktisch endet dieser Zugriff nicht selten bei E-Mails, Nachrichten oder einer spontanen Recherche, warum ein Schauspieler aus einer Serie plötzlich anders aussieht. Das Paper Pro lässt solche Umwege gar nicht erst entstehen.

Im Café: Groß, aber nicht unpraktisch

Das Café ist ein erstaunlich anspruchsvoller Testort. Tische fallen klein aus, Getränke stehen gefährlich nahe an Technik und Lichtverhältnisse wechseln zwischen direkter Sonne und dekorativer Dämmerung. Das Paper Pro bewährte sich auch in dieser Umgebung, obwohl seine 11,8-Zoll-Fläche nicht als kompakt bezeichnet werden kann.
Der Vorteil liegt im flachen Aufbau. Das Gerät benötigt keine zusätzliche Tiefe für Tastatur oder Displaywinkel. Es kann neben einer Tasse liegen und lässt noch ausreichend Raum für Unterlagen. Das Book Folio schützt die Oberflächen und verhindert direkten Kontakt mit dem Tisch. Nach dem Öffnen steht die gesamte Schreibfläche sofort zur Verfügung.
Das schnelle Aufwachen aus dem Standby trägt entscheidend zur Alltagstauglichkeit bei. Der Unterschied zwischen einer und fünf Sekunden klingt auf dem Datenblatt nebensächlich. In einer Gesprächssituation wirkt jede zusätzliche Wartezeit jedoch länger. Das Paper Pro ist nach dem Öffnen oder Betätigen der Taste rasch einsatzbereit. Ein Gedanke muss nicht höflich warten, bis das Betriebssystem seine Befindlichkeiten sortiert hat.
Kritischer bleibt der Umgang mit Flüssigkeiten. Für das Paper Pro liegt keine ausgewiesene IP-Zertifizierung vor. Ein umgestoßenes Wasserglas sollte deshalb nicht als experimenteller Belastungstest verstanden werden. Dieser Punkt wiegt im mobilen Einsatz schwerer als am Schreibtisch. Allerdings besitzt auch ein iPad üblicherweise keine offiziell ausgewiesene Wasserfestigkeit für solche Szenarien. Eine grundlegende Absicherung gegen Spritzwasser wäre bei einem ausdrücklich mobilen Schreibgerät trotzdem sehr willkommen.

Book Folio: Schutz ohne komplizierte Mechanik

Das Book Folio ergänzt das Paper Pro ausgesprochen sinnvoll. Seine Montage erfolgt magnetisch. Das Tablet wird eingelegt, richtet sich praktisch selbst aus und sitzt anschließend sicher in der Hülle. Klammern, Kunststoffnasen oder hakelige Halterungen fehlen. Dieser Ansatz wirkt nicht nur eleganter, sondern reduziert zugleich die Gefahr, Rahmen oder Gehäuse beim Einsetzen zu verkratzen.
Der Magnet hält das Paper Pro zuverlässig. Beim Öffnen bleibt das Gerät in Position, beim Tragen löst es sich nicht unbeabsichtigt. Gleichzeitig lässt es sich ohne Kraftaufwand entnehmen. Diese Balance gelingt nicht bei jeder magnetischen Hülle. Zu schwache Systeme erzeugen Unsicherheit, zu starke Varianten verwandeln das Entfernen in eine Kraftübung.
Die Hülle schützt Vorder- und Rückseite vor Kratzern und kleineren mechanischen Belastungen. Besonders im Rucksack verhindert sie, dass Schlüssel, Kabelstecker oder andere harte Gegenstände direkt mit dem Display in Kontakt kommen. Einen massiven Fallschutz bietet das schlanke Folio nicht. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, Oberflächen zu bewahren und das Tablet im Alltag zusammenzuhalten.
Die integrierte Lasche sichert den Marker. Sie liegt im geschlossenen Zustand über dem Stift und verhindert, dass dieser seitlich abgestreift wird. Beim Öffnen verschwindet die Lasche weitgehend aus dem Arbeitsbereich. Das Detail wirkt banal, löst aber eines der häufigsten Probleme stiftbasierter Tablets: Ein magnetisch befestigter Eingabestift hält am Schreibtisch gut, streift sich in einer gefüllten Tasche jedoch schnell ab.

Rund 240 Gramm mehr, aber auch deutlich mehr Stabilität

Das Book Folio erhöht das Gewicht je nach Materialausführung um ungefähr 234 bis 246 Gramm. Bei der getesteten Ausführung liegt der Zuwachs damit in der Größenordnung von rund 240 Gramm. Zusammen mit dem 525 Gramm schweren Paper Pro nähert sich das Gesamtpaket etwa 760 Gramm. 
Dieser Unterschied ist spürbar. Ohne Hülle wirkt das Paper Pro außergewöhnlich dünn und leicht. Mit Book Folio entsteht ein substanzielleres Arbeitsgerät. Für kurze Wege innerhalb eines Gebäudes spielt das kaum eine Rolle. In einer bereits schweren Tasche addiert sich jedes Gramm. Das Gesamtgewicht bleibt dennoch deutlich unterhalb vieler Notebooks und verteilt sich durch die flache Form angenehm.
Auf dem Tisch entwickelt sich das zusätzliche Gewicht sogar zum Vorteil. Die Kombination liegt sehr stabil, verrutscht beim Schreiben kaum und vermittelt eine festere Unterlage. Gerade schnelle Notizen profitieren davon. Das nackte Tablet ist nicht instabil, doch das Folio erhöht die Reibung und dämpft kleine Bewegungen.
Im geschlossenen Zustand bleibt das Paket kleiner und flacher als viele klassische Notizbücher vergleichbarer Schreibfläche. Ein dicker Collegeblock benötigt zwar keine Batterie, bringt dafür jedoch nur eine begrenzte Zahl Seiten mit. Das Paper Pro trägt hunderte Dokumente, Bücher und Notizhefte in einem Gehäuse, ohne nach jedem neuen Projekt physisch dicker zu werden. Diese Eigenschaft dürfte jeder Schreibtisch zu schätzen wissen, auf dem alte Notizbücher inzwischen eine kleine geologische Schichtung bilden.

Material und Alltagsspuren

Die textile Oberfläche des Book Folio wirkt hochwertig und passt gut zum zurückhaltenden Design des Tablets. Sie fühlt sich weniger technisch an als glatter Kunststoff und verbessert den Halt. Gleichzeitig zieht Gewebe eher Staub, Fasern und einzelne Haare an. Auf den Praxisbildern sind solche Alltagsspuren bereits sichtbar. Das ist kein Verarbeitungsmangel, sondern eine logische Folge des Materials.
Ein kurzer Kontakt mit einer weichen Bürste oder einem leicht angefeuchteten Tuch entfernt viele Verschmutzungen. Aggressive Reinigungsmittel sollten vermieden werden. Die Hülle altert optisch eher wie ein Stoffeinband als wie eine glatte Kunststoffschale. Dadurch entwickelt sie mit der Zeit sichtbare Nutzungsspuren, ohne unmittelbar abgenutzt zu wirken.
Der dunkle Farbton erweist sich als pflegeleichter als helle Varianten. Staub bleibt zwar erkennbar, Flecken fallen jedoch weniger stark auf. In einem mobilen Arbeitsgerät ist diese pragmatische Farbwahl sinnvoll. Eine Hülle, die bereits beim Anblick eines Kaffeebechers nervös wird, passt nur bedingt zum Alltag.

Dokumente direkt bearbeiten statt getrennt kommentieren

Eine der wichtigsten Funktionen des Paper Pro ist die Möglichkeit, Notizen unmittelbar in Dokumenten zu hinterlassen. PDF-Dateien werden nicht nur angezeigt, sondern dienen als aktive Arbeitsfläche. Textpassagen können markiert, handschriftlich ergänzt oder mit Symbolen versehen werden. Diese Bearbeitung bleibt mit dem Dokument verbunden und lässt sich später wieder exportieren.
Damit verschwindet eine klassische Mediengrenze. Bei gedruckten Unterlagen landen Ergänzungen direkt auf dem Papier, sind danach jedoch nur dort vorhanden. Auf einem gewöhnlichen Computer entstehen Kommentare häufig in separaten Fenstern oder speziellen PDF-Werkzeugen. Das Paper Pro verbindet die Direktheit der Handschrift mit der Transportierbarkeit digitaler Dateien.
Für Korrekturen, Freigaben und redaktionelle Arbeit ist das ausgesprochen hilfreich. Ein längerer Text lässt sich auf dem ruhigen Display lesen, während unklare Formulierungen, Zahlendreher oder Strukturprobleme direkt markiert werden. Die Kommentierung fühlt sich natürlicher an als mit Maus oder Trackpad. Ein Kreis um einen problematischen Absatz entsteht in einer Bewegung, ein Pfeil verbindet zwei Gedanken und eine Randnotiz benötigt kein zusätzliches Dialogfenster.
Beim Export bleiben die Anmerkungen sichtbar. Dadurch kann eine kommentierte Fassung an andere Beteiligte weitergegeben oder auf einem Rechner archiviert werden. Der Workflow ersetzt nicht jede professionelle PDF-Software, beschleunigt aber die eigentliche Prüfung erheblich.

PDF und EPUB: Nativ, aber nicht grenzenlos

PDF- und EPUB-Dateien lassen sich direkt importieren und auf dem Paper Pro öffnen. PDFs behalten ihre feste Seitengestaltung, während EPUB-Inhalte stärker an Schriftgröße und Anzeige angepasst werden können. DRM-geschützte E-Books werden nicht unterstützt. Kindle-Bücher lassen sich deshalb nicht einfach aus einer Amazon-Bibliothek übernehmen. 
Die native Unterstützung deckt viele frei verfügbare Bücher, technische Dokumentationen, wissenschaftliche Texte und selbst erstellte Unterlagen ab. Besonders PDFs profitieren vom großen Display. A4-Seiten bleiben trotz Verkleinerung brauchbar, und ein Wechsel ins Querformat schafft bei komplexen Layouts zusätzliche Breite.
EPUB-Dateien eignen sich besser für fortlaufende Bücher. Schriftart, Größe, Ausrichtung und Ränder lassen sich anpassen. Das Leseerlebnis bleibt bewusst schlicht. Animierte Umblättereffekte oder eine bunte Buchhandlung fehlen. Stattdessen öffnet sich das Buch und bleibt im Mittelpunkt.
Eine Integration des Amazon-Kindle-Ökosystems wäre praktisch, ist aber kein zwingender Bestandteil des Konzepts. Die größte Hürde liegt weniger in der technischen Darstellung als im DRM-System und in den geschlossenen Plattformstrukturen. Eine offizielle Kindle-Anbindung könnte das Paper Pro als Lesegerät deutlich vielseitiger machen. Gleichzeitig würde eine tiefere Shop-Integration neue Menüs, Konten und potenzielle Ablenkungen in ein bislang sehr konzentriertes System bringen.

Comics auf elektronischem Papier

Das Farbdisplay erweitert das Einsatzgebiet auf Comics und grafisch gestaltete Bücher. Die große Fläche zeigt vollständige Seiten in brauchbarer Größe, während Sprechblasen und Konturen gut lesbar bleiben. Farben wirken gedämpfter als auf glänzendem Papier oder einem OLED-Tablet. Dieser Unterschied kann je nach Vorlage reizvoll oder einschränkend sein.
Klassische Comics mit klaren Linien und flächigen Farben passen besonders gut zur Darstellung. Moderne digitale Produktionen mit starken Verläufen, sehr dunklen Szenen oder leuchtenden Effekten verlieren sichtbar an Dynamik. Das Paper Pro interpretiert solche Inhalte eher wie einen hochwertigen Farbdruck auf mattem Papier.
Für längere Lesesitzungen ist genau diese Ruhe angenehm. Es gibt keine Spiegelungen eines Hochglanzdisplays, keine aggressive Leuchtdichte und keine Benachrichtigung, die mitten in einer Seite auftaucht. Die Lesebeleuchtung ermöglicht zudem den Einsatz bei schwachem Umgebungslicht.
Das Gerät ersetzt keinen spezialisierten Comic-Reader für jede Sammlung. Dateiformate wie CBZ oder CBR werden nicht nativ als eigener Schwerpunkt unterstützt, weshalb Inhalte gegebenenfalls in PDF umgewandelt werden müssen. Liegt ein Comic als geeignetes PDF vor, funktioniert die Darstellung überzeugend. Die Farbe ist dabei weniger spektakulär, aber häufig angenehmer als erwartet.

Windows und macOS: Integration statt umständlicher Dateiakrobatik

Die Desktop-Anwendungen für Windows und macOS gehören zu den stärksten Bestandteilen des Ökosystems. Dateien lassen sich per Drag-and-drop importieren, Ordner werden synchronisiert und Notizbücher stehen auf dem Rechner zur Verfügung. Dadurch entfällt der klassische Umweg über Speicherkarten, Kabel oder selbst adressierte E-Mails.
Im Alltag entsteht ein flüssiger Kreislauf. Ein PDF wird auf dem Mac oder Windows-PC in die reMarkable-Anwendung gezogen, erscheint kurze Zeit später auf dem Paper Pro und kann dort bearbeitet werden. Anschließend steht die kommentierte Version wieder am Rechner bereit. Die Hardware bleibt spezialisiert, während der Desktop die Verwaltung größerer Dateimengen übernimmt.
Diese Arbeitsteilung ist sinnvoll. Eine umfangreiche Ordnerstruktur lässt sich mit Maus und Tastatur schneller pflegen als auf einem E-Paper-Display. Das Lesen und Kommentieren gelingt wiederum auf dem Paper Pro angenehmer. Statt jede Plattform zur vollständigen Kopie der anderen zu machen, nutzt das System ihre jeweiligen Stärken.
Auch die Apps für mobile Plattformen gehören zum Synchronisationssystem. Dateien können unterwegs importiert, betrachtet und organisiert werden. Offiziell unterstützt reMarkable die Synchronisation seiner Notizen und Dateien mit Anwendungen für macOS, Windows, iOS und Android. 
Die Integration erreicht nicht die Offenheit eines gewöhnlichen Dateiservers. Das reMarkable-Ökosystem bleibt ein kontrollierter Raum. Innerhalb dieses Raums funktioniert der Datenaustausch jedoch zuverlässig und angenehm unauffällig. Genau das zählt bei einem Arbeitsgerät stärker als eine lange Liste theoretischer Schnittstellen.

Paper Pro und Paper Pure: Zwei Geräte, ein gemeinsamer Arbeitsbestand

Besonders überzeugend verlief der Datenaustausch zwischen Paper Pro und Paper Pure. Beide Geräte greifen über das reMarkable-Konto auf denselben synchronisierten Bestand zu. Ein auf dem Paper Pro angelegtes Notizbuch erscheint auf dem Paper Pure, bearbeitete Dokumente werden aktualisiert und Ordnerstrukturen bleiben konsistent.
Damit entsteht kein Wettbewerb zwischen den Geräten, sondern eine Arbeitsteilung. Das größere Paper Pro eignet sich für farbige Dokumente, Vorlesungsskripte, Comics und umfangreiche Notizen. Das kompaktere und leichtere Paper Pure kann in Situationen sinnvoller sein, in denen Mobilität wichtiger als maximale Fläche ist. Ein Projekt beginnt auf einem Gerät und wird auf dem anderen fortgeführt, ohne vorher einen Exportvorgang planen zu müssen.
Der Wechsel funktioniert besonders angenehm, weil die Bedienlogik ähnlich bleibt. Werkzeuge, Ordner und Gesten fühlen sich vertraut an. Lediglich Displaygröße, Farbe und Beleuchtung verändern den Charakter. Dadurch entsteht keine erneute Lernphase.
In einem kurzen Test wirkt Synchronisation schnell wie eine beiläufige Komfortfunktion. Nach mehreren Wochen wird sie zur Grundlage des gesamten Systems. Sobald ein Dokument selbstverständlich auf beiden Geräten vorhanden ist, erscheint ein manueller Dateitransfer plötzlich ähnlich zeitgemäß wie eine Diskette mit handschriftlichem Aufkleber.

Geschwindigkeit und schnelles Aufwachen

E-Paper-Geräte werden häufig mit träger Bedienung verbunden. Das Paper Pro kann die physikalischen Eigenschaften seines Displays nicht vollständig ausblenden, wirkt im Alltag jedoch deutlich reaktionsfreudiger als ältere Generationen elektronischer Notizgeräte. Menüs öffnen zügig, Dokumente laden in angemessener Zeit und das Schreiben folgt dem Marker ohne störenden Abstand.
Besonders wichtig ist das schnelle Aufwachen aus dem Standby. Wird das Book Folio geöffnet oder die Einschalttaste betätigt, steht das Gerät rasch zur Verfügung. Die Wartezeit ist kurz genug, um spontane Gedanken festzuhalten. Ein digitales Notizbuch verliert seinen Sinn, sobald zuerst ein Bootvorgang, eine Anmeldung und mehrere Systemmeldungen überwunden werden müssen.
Der optionale Zahlencode schützt persönliche Inhalte. Die Eingabe erfolgt über eine schlichte numerische Oberfläche. Ein Fingerabdrucksensor wäre komfortabler, würde jedoch zusätzliche Hardware und Komplexität verlangen. Der Code erfüllt seinen Zweck, insbesondere bei sensiblen Besprechungsnotizen.
Softwareupdates haben die allgemeine Reaktionsfähigkeit wiederholt verbessert. reMarkable veröffentlicht regelmäßig neue Versionen mit Funktionsänderungen, Optimierungen und Anpassungen an der Oberfläche. Eine spätere Version brachte beispielsweise allgemeine Leistungsverbesserungen für eine schnellere und reaktionsfreudigere Bedienung.  

Regelmäßige Updates als Teil des Produkts

Das Paper Pro ist kein statisches Gerät. Seit seiner Einführung hat reMarkable die Software kontinuierlich erweitert. Neue Vorschauoptionen, Anpassungen der Beleuchtung, Leistungsverbesserungen und Änderungen an Werkzeugen zeigen, dass die Plattform aktiv gepflegt wird.
Diese Entwicklung ist wichtiger als eine möglichst lange Funktionsliste zum Verkaufsstart. Ein spezialisiertes Gerät lebt davon, dass vorhandene Abläufe verbessert werden. Kleine Änderungen können dabei größeren Einfluss besitzen als spektakuläre neue Funktionen. Ein schnellerer Werkzeugwechsel, eine bessere Seitendarstellung oder ein sinnvoller Schlafmodus wird täglich genutzt. Ein exotisches Zusatzprogramm beeindruckt dagegen vielleicht fünf Minuten und verschwindet anschließend in einem Untermenü.
Updates dürfen die klare Oberfläche allerdings nicht schleichend überladen. Bislang bleibt der Grundcharakter erhalten. Neue Möglichkeiten werden meist in bestehende Abläufe integriert, statt zusätzliche Ebenen von Menüs aufzubauen.
Die langfristige Pflege schafft Vertrauen. Ein hochwertiges Schreibgerät wird nicht für wenige Monate angeschafft. Es soll mehrere Jahre funktionieren und sich an veränderte Arbeitsweisen anpassen. Dazu gehören Fehlerkorrekturen, Sicherheitsupdates und Verbesserungen der Synchronisation ebenso wie neue Komfortfunktionen.

Akkulaufzeit: Wochen statt täglicher Ladepflicht

reMarkable nennt für das Paper Pro eine Laufzeit von bis zu 14 Tagen bei regelmäßiger Nutzung und bis zu 90 Tagen im Standby. Solche Angaben hängen naturgemäß von Beleuchtung, WLAN-Nutzung, Synchronisation und Schreibdauer ab. 
Im Praxiseinsatz liegt der wichtigste Vorteil weniger in einer exakt erreichten Zahl als im veränderten Ladeverhalten. Das Paper Pro verlangt nicht jeden Abend nach einem Netzteil. Mehrere Termine und längere Schreibphasen lassen sich bewältigen, ohne den Akkustand ständig zu kontrollieren. Die Beleuchtung erhöht den Verbrauch, besonders bei hoher Intensität. Ohne Licht fällt die Laufzeit entsprechend besser aus.
Geladen wird über USB-C. Damit passt das Gerät in eine moderne Kabelumgebung und benötigt kein proprietäres Netzteil. Ein vorhandenes Ladegerät für Notebook oder Smartphone reicht aus, sofern es die vorgesehenen Standards unterstützt.
Elektronisches Papier verbraucht vor allem beim Ändern des Bildinhalts Energie. Eine statische Seite bleibt sichtbar, ohne permanent neu aufgebaut zu werden. Diese Eigenschaft erklärt sowohl die lange Laufzeit als auch den typischen Ruhezustand, bei dem weiterhin eine Grafik auf dem Display erscheint. Das Gerät sieht selbst im Schlaf weniger ausgeschaltet als pausierend aus.

Keine IP-Zertifizierung: Ein nachvollziehbarer Kritikpunkt

Eine offizielle IPX- oder IP-Zertifizierung fehlt. Für ein Gerät, das in Cafés, Hörsälen, Büros und öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt wird, wäre zumindest ein geprüfter Schutz gegen Spritzwasser sinnvoll. Regen, umgestoßene Getränke und feuchte Taschen gehören zu den realistischen Risiken mobiler Technik.
Dieser Kritikpunkt sollte dennoch eingeordnet werden. Auch viele klassische Tablets, darunter gängige iPad-Modelle, besitzen keine offiziell ausgewiesene IP-Zertifizierung. Das Paper Pro steht damit nicht allein. Seine Nähe zu Büchern und Notizblöcken führt allerdings leicht zu einem sorgloseren Umgang. Ein elektronisches Papierdisplay bleibt trotz seiner analogen Anmutung empfindliche Technik.
Das Book Folio schützt vor Kratzern, ersetzt jedoch keine abgedichtete Hülle. Flüssigkeiten können weiterhin an Kanten und Anschlüsse gelangen. Im Café empfiehlt sich daher ein Mindestabstand zwischen Wasserglas und Gerät. Diese Regel klingt banal, bis ein Glas genau jene Richtung wählt, in der sämtliche Elektronik liegt.
Eine künftige Generation mit zertifiziertem Spritzwasserschutz würde den mobilen Charakter deutlich stärken. Bis dahin bleibt vorsichtiger Umgang erforderlich.

Amazon Kindle: Praktisch, aber nicht zwingend

Eine direkte Kindle-Integration zählt zu den naheliegendsten Wünschen. Viele digitale Bibliotheken befinden sich bereits im Amazon-Ökosystem, und ein Zugriff auf gekaufte Bücher würde den Einsatzbereich des Paper Pro erweitern.
Das Fehlen ist allerdings nicht allein eine ausgelassene App. Kindle-Inhalte sind häufig DRM-geschützt und an Amazons Plattform gebunden. reMarkable unterstützt DRM-freie EPUB-Dateien, kann geschützte Kindle-Bücher jedoch nicht nativ öffnen. 
Eine offizielle Kooperation könnte diese Grenze überwinden. Sie würde das Paper Pro zu einem attraktiveren Lesegerät machen, besonders für umfangreiche bestehende Bibliotheken. Gleichzeitig müsste eine solche Integration so zurückhaltend umgesetzt werden, dass Werbung, Shop-Empfehlungen und Kontomenüs nicht den reduzierten Charakter verwässern.
Der aktuelle Zustand ist daher neutral zu bewerten. Kindle-Unterstützung wäre willkommen, ihre Abwesenheit beschädigt die Kernfunktion jedoch nicht. Das Paper Pro versteht sich primär als Schreib-, Dokumenten- und Denkwerkzeug. Bücher gehören dazu, bilden aber nicht den einzigen Zweck.

Was das Paper Pro nicht ersetzen möchte

Das Paper Pro ersetzt keinen vollständigen Computer. Umfangreiche Tabellen, komplexe Layoutarbeiten, Videokonferenzen oder Softwareentwicklung bleiben Aufgaben für Notebook und Desktop. Auch als universelles Entertainment-Tablet ist es ungeeignet.
Diese Grenzen sollten vor einer Anschaffung klar sein. Wer ein Gerät für Streaming, soziale Netzwerke und klassische Apps sucht, erhält für weniger Geld leistungsfähigere Alternativen. Wer dagegen überwiegend schreibt, liest, kommentiert und strukturiert, zahlt beim Paper Pro nicht für fehlende Funktionen, sondern für die konsequente Abwesenheit störender Funktionen.
Ebenso ersetzt das Gerät nicht jede Form von Papier. Ein schneller Zettel am Kühlschrank, eine unterschriebene Karte oder eine Skizze, die gleichzeitig über einen Tisch geschoben wird, bleibt analog oft einfacher. Das Paper Pro gewinnt dort, wo viele Seiten, wiederkehrende Projekte und digitale Weiterverarbeitung zusammenkommen.
Der größte Fehler wäre, das Gerät als verkleinerten Laptop zu behandeln. Seine Stärke entsteht erst, sobald es wie ein endloses, gut organisiertes Notizbuch eingesetzt wird.

Der Preis der Konzentration

Das Paper Pro gehört einschließlich Marker Plus und Book Folio nicht zu den günstigen Schreibgeräten. Ein Notizblock und ein guter Stift kosten nur einen Bruchteil. Dieser Vergleich greift trotzdem zu kurz. Das System vereint zahlreiche Notizbücher, einen Dokumentenleser, eine Kommentierungsplattform, Cloud-Synchronisation und mehrere digitale Schreibwerkzeuge.
Der Preis muss deshalb gegen den tatsächlichen Einsatz abgewogen werden. Für gelegentliche Einkaufslisten wäre das Gerät überdimensioniert. Bei täglichen Besprechungen, Vorlesungen, Textkorrekturen und umfangreichen Dokumentensammlungen verteilt sich die Investition auf viele Arbeitsstunden.
Hinzu kommt die hochwertige Konstruktion. Metallgehäuse, großes Farbdisplay, präziser Marker und magnetisches Zubehör wirken nicht wie kurzfristige Konsumelektronik. Dennoch bleibt der finanzielle Aufwand erheblich, besonders mit Book Folio oder Type Folio.
Das Paper Pro verkauft keine maximale Rechenleistung pro Euro. Es verkauft einen klar definierten Arbeitsraum. Ob dieser Raum den Preis rechtfertigt, hängt stärker vom persönlichen Ablauf als von technischen Vergleichstabellen ab.

Fazit: Das beste Argument ist die freiwillige Mitnahme

Nach zahlreichen Besprechungen, Vorlesungen, Café-Terminen und längeren Schreibphasen bleibt vor allem eine Beobachtung: Das Paper Pro wurde nicht aus Pflichtgefühl eingepackt. Es kam mit, weil sein Fehlen aufgefallen wäre. Genau darin liegt das stärkste Qualitätsmerkmal eines Arbeitsgeräts.
Das große Canvas-Color-Display bietet ausreichend Raum für Dokumente, Skizzen und umfangreiche Notizen. Farben erweitern die Strukturierung, ohne die zurückhaltende Darstellung in ein grelles Tablet-Erlebnis zu verwandeln. Die integrierte Beleuchtung ermöglicht Arbeiten bei schwachem Licht, bleibt aber angenehm dezent. Der Marker Plus gehört zu den überzeugendsten digitalen Stiften seiner Klasse und verbindet präzise Eingabe mit einem natürlichen Widerstand.
Besonders stark ist das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Windows- und macOS-Anwendungen erleichtern den Dateiaustausch, die Synchronisation zwischen Paper Pro und Paper Pure funktioniert schnell, und PDF- sowie EPUB-Dateien lassen sich ohne Umwege nutzen. Notizen landen direkt in Dokumenten, statt getrennt daneben zu existieren. Regelmäßige Updates verbessern die Plattform, ohne ihren reduzierten Charakter bisher grundlegend zu verändern.
Das Book Folio ergänzt das System sinnvoll. Der Magnet hält zuverlässig, das Tablet lässt sich ohne umständliche Halterungen einsetzen und die Oberflächen werden vor Kratzern geschützt. Die zusätzliche Marker-Sicherung verhindert, dass der Stift unterwegs verloren geht. Rund 240 Gramm Mehrgewicht sind spürbar, erhöhen auf dem Tisch aber zugleich die Stabilität. Das geschlossene Paket bleibt flacher als viele klassische Notizbücher und trägt dennoch eine vollständige digitale Bibliothek.
Kritik verdient die fehlende IP-Zertifizierung. Ein offiziell geprüfter Spritzwasserschutz würde zu einem mobilen Arbeitsgerät dieser Preisklasse gut passen. Eine Kindle-Integration wäre ebenfalls praktisch, bleibt aufgrund geschützter Inhalte und Amazons geschlossenem Ökosystem jedoch eher Wunsch als zwingende Voraussetzung.
Der größte Vorteil lässt sich nicht in Pixeln oder Gramm ausdrücken. Das Paper Pro schafft einen digitalen Raum, in dem Schreiben wieder die Hauptaufgabe ist. Es verbindet die Ordnung und Verfügbarkeit digitaler Dokumente mit der Ruhe eines Notizbuchs. Keine Nachricht springt dazwischen, kein Browser wartet im Hintergrund und kein App-Symbol fordert Aufmerksamkeit.
Damit eignet sich das Gerät hervorragend für Digital Detox, ohne digitale Arbeitsabläufe aufzugeben. Es zwingt nicht zu weniger Technik, sondern zu bewusster eingesetzter Technik. Diese Unterscheidung ist entscheidend. Ein gewöhnliches Tablet versucht, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu übernehmen. Das Paper Pro konzentriert sich auf wenige Aufgaben und führt sie ungewöhnlich konsequent aus.
Am Ende bleibt ein Werkzeug, das weder Papier imitieren noch einen Computer ersetzen muss. Es befindet sich genau zwischen beiden Welten und nutzt deren stärkste Eigenschaften. Papier liefert Ruhe, Direktheit und ein vertrautes Schreibgefühl. Digitale Technik ergänzt Synchronisation, Farben, Organisation und praktisch unbegrenzte Seiten. Aus dieser Verbindung entsteht kein spektakuläres Unterhaltungsgerät, sondern etwas wesentlich Selteneres: ein elektronisches Produkt, das Aufmerksamkeit nicht verbraucht, sondern schützt.

Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:

Das in diesem Testbericht vorgestellte reMarkable Paper Pro einschließlich Marker Plus und Book Folio wurde uns von reMarkable als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
reMarkable hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei reMarkable für die Bereitstellung des Paper Pro samt Zubehör und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.

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