Donnerstag, Juli 16, 2026
PaperlikePortable Devices

reMarkable Paper Pro im Unboxing – Digitales Papier, das nicht nach Tablet klingen möchte (inkl. Marker Plus;Book Folio und Type Folio)

Wenn Schreiben wieder nach Schreiben aussehen soll

Tablets sind in den vergangenen Jahren immer schneller, heller, bunter und vielseitiger geworden. Genau darin liegt häufig ihr Problem. Ein Gerät, das alles kann, will oft auch alles gleichzeitig sein: Notizbuch, Videoplayer, Messenger, Browser, E-Mail-Zentrale, Zeichenbrett und kleiner Laptop. Das reMarkable Paper Pro kommt aus einer völlig anderen Richtung. Es möchte nicht lauter sein als nötig, nicht mit App-Icons winken und nicht bei jeder Gelegenheit daran erinnern, dass irgendwo noch eine Benachrichtigung wartet. Der Ansatz ist fast altmodisch, aber gerade deshalb spannend: schreiben, lesen, markieren, ordnen. Mehr nicht als Selbstzweck, aber genau diese Reduktion braucht Mut.

Beim Auspacken wirkt das Paper Pro deshalb weniger wie ein weiteres Tablet, sondern eher wie ein technisches Werkzeug für Menschen, die Papier mögen, aber Papierstapel irgendwann satt hatten. Der Vergleich mit einem klassischen iPad oder Android-Tablet greift hier zu kurz. Das Paper Pro besitzt zwar ein großes 11,8-Zoll-Display, USB-C, Zubehörkontakte und eine moderne Gehäusekonstruktion, doch sein eigentlicher Zweck liegt nicht in maximaler Rechenleistung oder grellen Farben. reMarkable setzt auf ein farbfähiges digitales Papierdisplay mit Frontlicht und kombiniert dieses Konzept mit einem Gehäuse aus Aluminium, einem aktiven Marker und zwei sehr unterschiedlichen Hüllenlösungen. Die Book Folio hält das System leicht und notizbuchartig, die Type Folio erweitert es um eine Tastatur und macht daraus beinahe eine digitale Schreibmappe.

Schon vor dem ersten Einschalten wird klar, dass reMarkable seine Produkte sehr bewusst inszeniert. Der Karton drängt sich nicht auf, die Verpackung schreit nicht nach Aufmerksamkeit und selbst das Zubehör wirkt so, als sollte es lieber im Alltag überzeugen als im Regal. Das passt zum Gerät. Ein digitales Notizbuch sollte nicht bereits beim Auspacken wie ein kleines Feuerwerk auftreten. Es darf ruhig wirken, präzise verarbeitet sein und beim ersten Griff dieses angenehme Gefühl auslösen, dass hier nicht nur Elektronik verpackt wurde, sondern ein vollständiges Arbeitskonzept.

Paper Pro und Marker Plus: Der erste Eindruck sitzt

Das Paper Pro liegt sauber eingefasst in seiner Verpackung und vermittelt sofort diesen typischen reMarkable-Eindruck: viel Fläche, wenig Ablenkung, klare Linien. Das Gehäuse wirkt ausgesprochen flach, die Aluminiumrückseite ist sauber ausgeführt und die Kanten sind präzise gefast. Gerade auf den Detailbildern fällt auf, wie gleichmäßig der Übergang zwischen Displayfläche und Rahmen umgesetzt wurde. Keine unnötigen Zierelemente, keine sichtbaren Schrauben, keine Spielerei am Gehäuse. Der Aufbau wirkt nüchtern, aber nicht billig. Eher wie ein gutes Werkzeug, das seine Aufgabe kennt.

Technisch interessant ist vor allem die Kombination aus großem Display und zurückhaltender Bauform. Das 11,8-Zoll-Panel rückt das Paper Pro näher an ein großes Notizbuch als an einen klassischen E-Reader. Für Skizzen, Dokumente und handschriftliche Notizen ergibt diese Fläche deutlich mehr Sinn als die kleineren Formate vieler E-Ink-Geräte. Gleichzeitig bleibt das Gerät mit selbst gemessenen 526,4 Gramm noch angenehm transportabel. Mit dem Marker Plus steigt das Gewicht auf 544,6 Gramm. Der Stift bringt damit rund 18,2 Gramm zusätzlich auf die Waage und fällt im Gesamtpaket praktisch kaum ins Gewicht.

Der Marker Plus selbst passt optisch sauber zum Tablet. Er wird magnetisch an der Seite des Paper Pro befestigt und greift damit eine Lösung auf, die inzwischen bei hochwertigen Tablets fast selbstverständlich wirkt, hier aber besonders gut zum Konzept passt. Kein separates Etui, kein Clip, kein Ladekabel für den Stift im Alltag. Der Marker gehört sichtbar zum Gerät und sitzt dort, wo er gebraucht wird. Die mitgelieferten Ersatzspitzen zeigen außerdem, dass reMarkable die Reibung zwischen Stift und Display nicht nur als Gefühl, sondern als Verschleißteil betrachtet. Genau das ist bei einem Gerät sinnvoll, dessen Kernfunktion nicht Tippen oder Wischen, sondern Schreiben ist.

Anschlüsse, Kontakte und Gehäuse: Reduktion mit System

Am Paper Pro gibt es nicht viel zu entdecken, und genau das ist der Punkt. Der USB-C-Anschluss sitzt sauber im Gehäuserahmen, die Einschalttaste ist unauffällig integriert, auf der Rückseite zeigen sich die Kontaktflächen für das Zubehör. Mehr braucht dieses Gerät nicht. HDMI, Klinke, Speicherkartenslot oder andere klassische Tablet-Anschlüsse würden hier eher wie Fremdkörper wirken. Das Paper Pro ist kein Multimedia-Gerät, sondern ein digitales Arbeitsblatt mit Synchronisation, Stifteingabe und Zubehöranbindung.

Die Rückseite zeigt sehr schön, wie stark reMarkable auf ein geschlossenes System setzt. Die Kontaktflächen für Folios und Tastatur sind bündig integriert, die Standfüße sauber eingesetzt und die gesamte Aluminiumfläche bleibt angenehm ruhig. Gerade bei Geräten, die täglich auf Tischen, in Taschen und auf wechselnden Unterlagen landen, zählt diese konstruktive Klarheit. Jede Kante, jede Aussparung und jeder Materialwechsel kann später stören, knarzen oder verschleißen. Beim Paper Pro wirkt nichts zufällig platziert.

Das Aluminiumgehäuse erfüllt dabei mehr als eine optische Aufgabe. Es sorgt für Verwindungssteifigkeit, schützt die große Displayfläche und verleiht dem Gerät trotz flacher Bauweise eine stabile Grundstruktur. Kunststoff hätte Gewicht sparen können, würde aber nicht dieselbe Wertigkeit und Stabilität vermitteln. Hier zeigt sich einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einem günstigen E-Ink-Tablet und einem hochwertig gebauten digitalen Notizsystem: Das Paper Pro fühlt sich nicht wie ein Bildschirm in einer Plastikschale an, sondern wie ein durchkonstruiertes Schreibgerät.

Book Folio: Die Hülle für den Notizbuch-Charakter

Die Book Folio in Basalt wirkt beim Auspacken zunächst fast unspektakulär. Genau das macht sie gelungen. Außen setzt reMarkable auf eine strukturierte Mosaic-Weave-Oberfläche, die deutlich angenehmer wirkt als glattes Kunstleder oder einfacher Kunststoff. Das Material fühlt sich griffig an, kaschiert Fingerabdrücke gut und passt optisch hervorragend zum Aluminium des Paper Pro. Basalt ist dabei eine treffende Farbbezeichnung: dunkel, ruhig, technisch, aber nicht hart.

Innen zeigt sich die Hülle weicher und funktionaler. Die Aufnahme des Paper Pro erfolgt magnetisch, wodurch das Tablet ohne Halteklammern oder Kunststoffrahmen eingesetzt wird. Das wirkt nicht nur eleganter, sondern schont auch das Gehäuse. Starre Clips können mit der Zeit Druckstellen verursachen oder beim Herausnehmen nerven. Die Magnetlösung macht das deutlich sauberer. Das Tablet findet seine Position fast von allein und sitzt anschließend bündig in der Hülle.

Besonders sinnvoll ist die Marker-Lasche an der Seite. Der Marker Plus hält zwar magnetisch am Tablet, doch in einer vollen Tasche reicht Magnetkraft allein nicht immer aus. Ein kurzer Stoß, ein Kabel, ein Notizbuch oder ein ungünstiger Griff, und der Stift kann sich lösen. Die Lasche sichert ihn zusätzlich und wirkt dabei nicht wie ein nachträglich angenähtes Hilfsmittel, sondern wie ein fester Bestandteil des Designs. Genau solche Details entscheiden im Alltag oft stärker über die Qualität eines Produkts als große technische Versprechen.

Mit Book Folio bringt das Paper Pro laut eigener Messung 789,6 Gramm auf die Waage. Daraus ergibt sich für die Hülle ein Gewicht von rund 263,2 Gramm. Das ist spürbar, aber noch völlig im Rahmen. Das Gerät bleibt mit dieser Kombination klar ein digitales Notizbuch und kein kleiner Rechner. Die Hülle schützt, ergänzt und verändert den Charakter kaum. Sie macht das Paper Pro transportfähiger, ohne es in eine andere Geräteklasse zu schieben.

Type Folio: Die Tastatur, die sich erst versteckt und dann ernst macht

Ganz anders tritt die Type Folio auf. Geschlossen sieht sie zunächst ebenfalls wie eine hochwertige Hülle aus. Die gleiche ruhige Gestaltung, dieselbe Basalt-Anmutung, wieder diese textile Oberfläche. Erst beim Öffnen wird klar, dass hier deutlich mehr passiert. Die Tastatur liegt nicht einfach offen im Cover, sondern verschwindet in einem Faltmechanismus, der fast an eine technische Papierkonstruktion erinnert. Das passt erstaunlich gut zu reMarkable. Ein digitales Papiergerät bekommt eine Tastatur, die sich wie eine gefaltete Mappe entfaltet. Das ist charmant, ohne verspielt zu wirken.

Im Inneren sitzen fünf vergoldete Pogo-Pins, über die die Tastatur mit dem Paper Pro verbunden wird. Damit entfällt ein eigener Akku in der Type Folio ebenso wie Bluetooth-Kopplung oder separates Laden. Das ist technisch sauber gelöst und passt zum Anspruch des Geräts. Eine Tastatur für konzentriertes Schreiben sollte nicht erst verbunden, geladen oder gesucht werden müssen. Tablet einsetzen, Kontakte treffen, schreiben. So schlicht darf gute Technik sein.

Die Tastatur selbst nutzt ein deutsches ISO-Layout mit Umlauten, großer Eingabetaste und einer angenehm vertrauten Anordnung. Laut Hersteller liegt der Tastenhub bei 1,3 Millimetern, das komplette System misst mit eingesetztem Paper Pro geschlossen 14 Millimeter in der Höhe. Eigene Messungen zeigen außerdem: Paper Pro mit Type Folio wiegt 1.032,8 Gramm. Damit bringt die Tastaturhülle rechnerisch rund 506,4 Gramm auf die Waage. Das ist fast doppelt so viel wie die Book Folio, allerdings übernimmt sie auch eine völlig andere Aufgabe. Aus dem digitalen Notizbuch wird ein kompaktes Schreibsystem.

Gerade dieser Unterschied ist wichtig. Die Type Folio ist keine bessere Book Folio, sondern ein anderes Werkzeug. Die normale Hülle schützt und bewahrt den Notizbuchcharakter. Die Tastaturhülle verwandelt das Paper Pro in eine Arbeitsumgebung für längere Texte. Dabei versucht reMarkable nicht, ein Notebook zu kopieren. Es fehlt der klassische Laptop-Anspruch, der sonst viele Tastaturhüllen begleitet. Kein Touchpad, kein schwebendes Display, keine Showmechanik. Stattdessen steht eine klare Frage im Raum: Wie viel Tastatur braucht ein digitales Papiergerät, ohne seinen Charakter zu verlieren? Die Antwort wirkt beim Unboxing erstaunlich überzeugend.

Gewicht, Systemgedanke und der erste technische Eindruck

Die selbst gemessenen Gewichte erzählen am Ende fast mehr als jede Produktbeschreibung. Das Paper Pro allein bleibt mit 526,4 Gramm angenehm leicht. Mit Marker Plus verändert sich daran praktisch nichts. Die Book Folio hebt das System auf 789,6 Gramm und bleibt damit klar im Bereich eines mobilen Notizbuchs. Die Type Folio bringt das Gesamtpaket auf 1.032,8 Gramm und schiebt das Gerät damit in Richtung ultramobiler Schreibarbeitsplatz. Genau diese Abstufung wirkt sinnvoll, weil jedes Zubehör eine klar andere Rolle übernimmt.

Auffällig ist dabei, wie geschlossen das gesamte System wirkt. Paper Pro, Marker Plus, Book Folio und Type Folio sprechen dieselbe Designsprache. Aluminium, Textilgewebe, Magnete und zurückhaltende Farben bilden eine Linie, die nicht nach zufällig kombiniertem Zubehör aussieht. Selbst die Verpackungen folgen diesem Gedanken. Wenig Druck, wenig Erklärung, viel Ruhe. In einer Branche, die Verpackungen gerne mit Funktionssymbolen und Schlagwörtern überzieht, wirkt das fast erholsam.

Der erste technische Eindruck fällt dadurch ungewöhnlich klar aus. Das Paper Pro ist kein Tablet, das nebenbei auch Notizen kann. Es ist ein digitales Schreibgerät, das seine Zubehörteile sehr ernst nimmt. Die Book Folio schützt, ohne aufzutragen. Die Type Folio erweitert, ohne den ursprünglichen Gedanken zu zerstören. Der Marker Plus gehört so selbstverständlich zum Gerät wie ein Füller zum Notizbuch. Genau diese Konsequenz macht das Unboxing spannender, als es bei einem E-Ink-Gerät zunächst zu erwarten wäre.

KomponenteGemessenes Gewicht
reMarkable Paper Pro526,4 g
reMarkable Paper Pro + Marker Plus544,6 g
reMarkable Paper Pro + Book Folio789,6 g
reMarkable Paper Pro + Type Folio1.032,8 g

Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:

Die in diesem Testbericht vorgestellten reMarkable Paper Pro, Book Folio, Type Folio sowie der Marker Plus wurden uns von reMarkable als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
reMarkable hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei reMarkable für die Bereitstellung der Testmuster und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.

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