Dienstag, September 22, 2026
EingabegeräteHardware

EPOMAKER TH26 im Test: Wenn der Nummernblock plötzlich mehr kann als die Tastatur

Ein separater Nummernblock gehört zu jener Kategorie Computerzubehör, die zunächst ungefähr so aufregend wirkt wie ein USB-Hub oder eine Packung Kabelbinder. Zahlen stehen darauf, Zahlen kommen nach einem Tastendruck heraus, fertig. Zumindest galt diese Beschreibung für jene grauen USB-Blöcke, die jahrzehntelang neben Kassensystemen, Buchhaltungsrechnern und kompakten Tastaturen lagen. EPOMAKER betrachtet diese Gerätekategorie etwas anders. Der TH26 besitzt zwar einen vollständigen Ziffernblock, doch eigentlich ist das fast die langweiligste Eigenschaft des kleinen weißen Kastens. 26 Tasten, fünf separate Makrotasten, Drehregler, mechanische Hot-Swap-Switches, Gasket-Mount, mehrere Dämpfungsschichten, PBT-Keycaps, RGB, Bluetooth, 2,4-GHz-Funk, USB-C und VIA-Programmierung lesen sich eher wie die Ausstattung einer ausgewachsenen mechanischen Tastatur, die versehentlich auf 121,05 × 146,9 Millimeter geschrumpft wurde.
Genau darin liegt nach längerer Nutzung auch der Reiz des TH26. Das Gerät ist weniger ein ausgelagerter Nummernblock als eine kleine programmierbare Eingabekonsole. Neben einer 60-, 65- oder 75-Prozent-Tastatur ergänzt es fehlende Tasten. Bei Bildbearbeitung, Videoschnitt, CAD, Tabellen oder Entwicklungswerkzeugen kann es dagegen völlig andere Aufgaben übernehmen. Und wer Zahlen nur ungefähr so häufig eingibt wie die eigene Steuernummer aus dem Gedächtnis, kann den gesamten Block trotzdem sinnvoll nutzen. VIA erlaubt schließlich, fast jede Taste mit einer anderen Aufgabe zu versehen.
Der TH26 stellt damit eine interessante Frage: Weshalb sollte ein Nummernblock eigentlich ausschließlich ein Nummernblock sein?

20 Prozent Tastatur, aber deutlich mehr als 20 Prozent Funktion

EPOMAKER bezeichnet den TH26 als mechanisches 20-Prozent-Numpad. Das klingt zunächst nach einer abgesägten Tastatur, trifft das Konzept jedoch nur teilweise. Der klassische Zahlenbereich sitzt in der Mitte und bietet Num, Division, Multiplikation, Minus, Plus, Enter, die Ziffern sowie Dezimalpunkt. Zusätzlich liegen oben Esc, Fn, Tab und eine weitere Taste. Links befindet sich eine separate Reihe aus M1 bis M5. In der linken oberen Ecke thront schließlich ein Drehregler.
Damit besitzt der TH26 insgesamt 26 Tasten plus Encoder. Gerade die fünf Makrotasten verändern den Charakter erheblich. Ein herkömmlicher Nummernblock bildet lediglich einen ausgelagerten Bestandteil einer Fullsize-Tastatur nach. Der TH26 erweitert dieses Prinzip um frei belegbare Bedienelemente und mehrere Ebenen. Plötzlich können M1 bis M5 beispielsweise Kopieren, Einfügen, Ausschneiden, Screenshot und Speichern übernehmen. In einer Bildbearbeitung sind Werkzeugwechsel denkbar, in einer Entwicklungsumgebung Build-, Debug- oder Terminal-Funktionen, bei Medienanwendungen Transportsteuerungen.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, bis solche Abläufe einige hundert Mal am Tag stattfinden. Donald Knuth brachte einen für Software gedachten Grundsatz auf die schöne Formulierung: „Premature optimization is the root of all evil.“ Beim TH26 gilt fast die umgekehrte Variante. Fünf Sekunden bei einer einmal täglich ausgeführten Aufgabe einzusparen, bleibt akademisch. Ein Handgriff, der täglich mehrere hundert Mal stattfindet, darf dagegen ruhig optimiert werden.
Genau dort ergibt ein frei programmierbares Eingabegerät plötzlich Sinn.
Interessant ist außerdem die räumliche Freiheit. Ein fest integrierter Nummernblock einer Fullsize-Tastatur befindet sich immer rechts. Der TH26 liegt dort, wo er gebraucht wird. Rechts neben der Tastatur funktioniert er klassisch. Links kann die rechte Hand auf der Maus bleiben, während die linke Hand Zahlen, Makros oder Shortcuts bedient. Bei bestimmten Anwendungen ist diese Konfiguration erheblich angenehmer als eine große 100-Prozent-Tastatur.
Das klingt banal, verändert einen Arbeitsplatz aber stärker als erwartet. Eine kompakte Haupttastatur und ein separater TH26 trennen Schreiben und Spezialfunktionen räumlich voneinander. Der Nummernblock darf verschwinden, wenn er nicht gebraucht wird. Eine Fullsize-Tastatur kann das naturgemäß nicht.

Das Gehäuse: Kunststoff ohne Entschuldigung

Mit rund 450 Gramm ist der TH26 für seine Abmessungen überraschend schwer. Ein Aluminiumgehäuse steckt trotzdem nicht dahinter. EPOMAKER verwendet ABS-Kunststoff, und genau das ist angesichts der Preisklasse eine nachvollziehbare Entscheidung.
Kunststoff besitzt bei Tastaturen einen ungerechtfertigt schlechten Ruf. Ein massiver CNC-gefräster Aluminiumblock fühlt sich hochwertig an, erhöht allerdings Gewicht und Preis und verändert die Akustik. Gute Kunststoffgehäuse können mechanisch vollkommen ausreichend sein, sofern Wandstärken, Verschraubung und innere Konstruktion stimmen.
Beim TH26 wirkt nichts wie ein dünner Taschenrechner. Das Gehäuse bleibt bei kräftigeren Eingaben stabil, die kompakte Grundfläche verhindert ohnehin größere Verwindungen. Vier große Gummiflächen an der Unterseite halten den Block zuverlässig auf dem Tisch. Das Gewicht erledigt den Rest. Gerade bei einem separaten Numpad ist das wichtig: Ein Gerät dieser Größe darf bei schnellen Eingaben nicht langsam Richtung Monitor wandern.
Die Unterseite zeigt außerdem eine angenehm pragmatische Konstruktion. Keine dekorative Metallplatte, kein überflüssiges Sichtfenster und kein Versuch, aus einem Arbeitsgerät ein Schmuckstück zu machen. Schrauben bleiben erreichbar. Das passt zu einem Produkt mit austauschbaren Switches. Wartbarkeit endet schließlich nicht an der Oberseite.
Etwas ungewöhnlich fällt die Höhe aus. EPOMAKER nennt rund 21,6 Millimeter an der Front und etwa 35,34 Millimeter hinten, daraus ergibt sich ein Tippwinkel von sieben Grad. Zusammen mit Cherry-Profile-Keycaps entsteht eine natürliche Neigung, die ohne ausklappbare Füße auskommt. Der TH26 steht also immer in derselben Position.
Das ist konstruktiv sauber, nimmt allerdings eine individuelle Einstellmöglichkeit weg. Unterschiedliche Höhenstufen wären für ein Arbeitsgerät durchaus willkommen gewesen. Besonders dann, wenn der TH26 direkt neben einer Haupttastatur mit deutlich anderer Gehäusehöhe steht. Zwei Eingabegeräte nebeneinander funktionieren ergonomisch am angenehmsten, wenn Handposition und Tastenhöhe nicht bei jedem Wechsel einen kleinen Sprung verlangen.

Unter den Tasten steckt überraschend viel Tastatur

Der technisch interessantere Teil beginnt unter den Keycaps. EPOMAKER verbaut eine 1,2 Millimeter starke Platine, eine Polycarbonat-Platte und eine Gasket-Mount-Konstruktion. Dazu kommen mehrere akustisch wirksame Schichten: Latex-Schaum zwischen den relevanten Baugruppen, ein IXPE-Switch-Pad, eine PET-Schicht zur Klangbeeinflussung sowie zusätzliche Dämpfung unterhalb der Platine.
Für einen Nummernblock ist das bemerkenswert aufwendig.
Gasket Mount bedeutet vereinfacht, dass die Platte mit den Switches nicht starr und unmittelbar mit dem Gehäuse verschraubt wird. Elastische Elemente entkoppeln die Baugruppe teilweise vom Chassis. Bei einer großen Tastatur lässt sich der daraus resultierende Flex oft deutlich sehen und fühlen. Beim TH26 bleibt dieser Effekt aufgrund der kleinen Fläche naturgemäß begrenzt. Eine knapp 12 Zentimeter breite Platte biegt sich eben weniger spektakulär als die Konstruktion einer 75-Prozent-Tastatur.
Der wichtigere Effekt liegt hier in der Entkopplung. Anschläge übertragen weniger harte Vibrationen auf das Gehäuse. Zusammen mit den Dämpfungsschichten reduziert das den typischen hohlen Klang günstiger Kunststofftastaturen.
Und genau hier überrascht der TH26.
Ein Nummernblock müsste technisch betrachtet überhaupt nicht besonders gut klingen. Für Excel wäre selbst das akustische Temperament einer alten Registrierkasse ausreichend. EPOMAKER behandelt die 26 Tasten trotzdem wie eine richtige mechanische Tastatur. Dadurch klingt der TH26 kontrolliert, relativ satt und wesentlich weniger hohl, als das ABS-Gehäuse vermuten lässt.
Die langen Plus- und Enter-Tasten werden über plate-mounted Stabilizers geführt. Perfekte Enthusiasten-Stabilisatoren sind es nicht, doch störendes Klappern oder ein völlig anderes Klangbild gegenüber den normalen Tasten drängt sich nicht in den Vordergrund. Gerade bei einem Numpad ist das wichtig, weil Enter und Plus vergleichsweise häufig benutzt werden und schlechte Stabilisatoren dort akustisch sofort auffallen.

Creamy Jade: Der Name klingt nach Dessert, der Switch funktioniert

Ab Werk sitzen EPOMAKER Creamy Jade im TH26. Dahinter steckt ein linearer mechanischer 5-Pin-Switch mit werkseitiger Schmierung. Die Auslösung erfolgt laut Spezifikation mit ungefähr 45 ± 5 Gramm, beim vollständigen Durchdrücken werden etwa 50 ± 5 Gramm erreicht. Der Vorlauf liegt bei rund 2,0 ± 0,4 Millimetern, der gesamte Hub bei 3,6 ± 0,4 Millimetern.
Übersetzt aus der Sprache mechanischer Tastaturen: Der Creamy Jade besitzt keinen fühlbaren Widerstandspunkt wie ein taktiler Switch und keinen künstlich erzeugten Klick. Der Tastenweg läuft gleichmäßig nach unten.
Das passt hervorragend zu einem Numpad. Zahlenkolonnen profitieren von gleichmäßigen, schnellen Bewegungen. Ein ausgeprägter taktiler Widerstand ist hier nicht zwingend hilfreich. Die 45 Gramm liegen zudem in einem Bereich, der leicht genug für schnelle Eingaben bleibt, ohne dass bereits das Ablegen eines Fingers zuverlässig die nächste Steuererklärung ruiniert.
Die Schmierung trägt zum weichen Eindruck bei. Kratzige Bewegungen, wie sie bei einfachen trockenen Switches auftreten können, sind kaum ein Thema. Zusammen mit dem gedämpften Gehäuse ergibt sich ein erstaunlich erwachsenes Tippgefühl.
Der wichtigere Punkt steckt allerdings im Begriff „Hot-Swap“. Die Switches sind nicht verlötet und lassen sich herausziehen. Unterstützt werden mechanische 5-Pin-Switches. Damit bleibt der TH26 nicht dauerhaft an die Creamy Jade gebunden.
Das ist mehr als Enthusiasten-Spielerei. Defekte einzelne Switches lassen sich ersetzen, ohne Lötkolben und Platinenoperation. Wer mehr Widerstand bevorzugt, kann schwerere lineare Modelle einsetzen. Taktile Switches sind ebenso möglich. Selbst unterschiedliche Schalter für verschiedene Funktionsgruppen ergeben Sinn: beispielsweise taktile Modelle für M1 bis M5 und lineare Switches für die Zahlen.
Ein kleiner Beutel mit Ersatzschaltern sowie ein kombinierter Keycap- und Switch-Puller gehören deshalb sinnvollerweise zum Lieferumfang.

PBT-Keycaps und ein Design mit Persönlichkeit

Optisch nimmt sich der TH26 nicht ganz so ernst wie klassische Büroperipherie. Die weißen PBT-Keycaps tragen neben den Beschriftungen kleine geometrische Symbole in Blau, Rot und Gelb. Das erinnert entfernt an Bauhaus-Grafik, mathematische Lehrmittel und jene abstrakten Poster, die irgendwann beschlossen haben, dass Kreis, Quadrat und Linie für eine vollständige Designsprache reichen.
Das funktioniert erstaunlich gut.
Die Symbole machen aus dem TH26 kein Spielzeug und verhindern gleichzeitig die sterile Erscheinung eines komplett weißen Nummernblocks. EPOMAKER nennt das Design „Original Theory“. Die Keycaps bestehen aus PBT und werden einseitig per Dye-Sublimation bedruckt.
PBT ist hier eine gute Wahl. Das Material ist vergleichsweise widerstandsfähig gegen jene glatten, glänzenden Stellen, die sich auf einfachen ABS-Keycaps nach intensiver Nutzung entwickeln können. Dye-Sublimation bringt die Farbe nicht lediglich als oberflächliche Schicht auf. Der Farbstoff dringt unter Hitze in das Material ein, wodurch die Legenden langlebig ausfallen.
Das Cherry-Profil wiederum sorgt für eine vertraute, relativ niedrige Form. Gerade bei einem separat positionierten Eingabegerät ist das angenehm, weil keine exotisch hohen Tastenkappen überwunden werden müssen.
Ein kleiner praktischer Nebeneffekt des Designs zeigt sich bei den Makrotasten: M1 bis M5 sind sofort von der eigentlichen Zahlenmatrix getrennt. Die Hand findet die Reihe nach kurzer Eingewöhnung fast blind. Ein Makropad verliert schließlich einen großen Teil seines Nutzens, sobald vor jedem Tastendruck erst nach der richtigen Taste gesucht werden muss.

Der Drehregler ist klein, aber schwer wieder wegzudenken

Links oben sitzt ein metallisch wirkender Encoder. Solche Drehregler gehören inzwischen fast zum Pflichtprogramm mechanischer Tastaturen, doch auf einem Numpad ist seine Position besonders sinnvoll.
Die naheliegendste Verwendung ist die Lautstärke. Drehen verändert den Pegel, Drücken schaltet stumm. Damit wird aus dem TH26 gleichzeitig eine kleine Mediensteuerung. Interessanter wird es mit individueller Belegung. Scrollen, Zoomen oder andere Funktionen können abhängig von der Konfiguration ebenfalls sinnvoll sein.
VIA behandelt einen Encoder anders als normale Tasten. Die Programmierung kann deshalb etwas weniger intuitiv wirken, sobald spezielle QMK-Keycodes zum Einsatz kommen. Genau hier zeigt sich die Kehrseite der Offenheit: Ein proprietäres Konfigurationsprogramm könnte eine hübsche grafische Auswahl mit drei großen Symbolen anbieten. VIA bietet stattdessen deutlich mehr Möglichkeiten, verlangt dafür gelegentlich Kenntnisse über Keycodes und Layer.
Das erinnert an das alte Unix-Prinzip: Ein Werkzeug soll eine Aufgabe beherrschen und sich mit anderen Werkzeugen kombinieren lassen. Der TH26 folgt dieser Idee erstaunlich konsequent. Seine Hardware gibt nur vor, wo Eingaben stattfinden. Was diese Eingaben anschließend bedeuten, bleibt weitgehend der Konfiguration überlassen.

VIA macht aus dem Nummernblock ein Werkzeug

Der entscheidende Unterschied zwischen dem TH26 und einem gewöhnlichen USB-Numpad steckt letztlich in VIA.
VIA ist keine typische Herstellersoftware mit Benutzerkonto, Hintergrunddienst, Autostart-Eintrag und dem unvermeidlichen Updatefenster genau dann, wenn eigentlich gearbeitet werden soll. Die Konfiguration basiert auf der QMK-Welt und erlaubt unter anderem das Umbelegen von Tasten, Makros, Layer, Medienfunktionen, Beleuchtungssteuerung und spezielle Keycodes.
Beim TH26 stehen vier Ebenen zur Verfügung. Layer 0 bildet die Windows-Grundbelegung, Layer 1 die macOS-Grundbelegung, Layer 2 dient als Windows-Fn-Ebene und Layer 3 als entsprechendes macOS-Pendant.
Eine Taste kann damit mehrere Aufgaben übernehmen. Fn funktioniert beispielsweise als temporärer Ebenenwechsel. Solange die Taste gehalten wird, erhält der restliche Block eine alternative Belegung. Nach dem Loslassen kehrt er zur Ausgangsebene zurück.
Aus 26 physischen Tasten entsteht dadurch ein deutlich größeres virtuelles Bedienfeld.
Ein Beispiel macht das greifbarer. Die normale Ebene bleibt ein vollständiger Nummernblock. M1 bis M5 übernehmen häufige Bearbeitungsbefehle. Mit gedrücktem Fn werden dieselben Zahlentasten zu Mediensteuerung, Navigation oder Programmshortcuts. Ein weiteres Profil kann Funktionen einer bestimmten Anwendung abbilden.
Die Einschränkung: VIA funktioniert beim TH26 kabelgebunden. Für die Einrichtung wird der Block per USB angeschlossen. Außerdem kann die JSON-Definition des TH26 erforderlich sein, damit VIA das Layout korrekt erkennt. Das ist technisch kein großes Problem, aber eben nicht ganz jene Erfahrung, bei der ein Gerät angeschlossen wird und zehn Sekunden später jede Spezialfunktion selbsterklärend bereitsteht.
EPOMAKER bietet zusätzlich den browserbasierten Hub an. Trotzdem bleibt VIA gerade für fortgeschrittene Konfigurationen interessant. Wer ausschließlich fünf Makrotasten neu belegen möchte, findet den Einstieg schnell. Layer-Taps, Momentary Layers und spezielle QMK-Kommandos führen dagegen ziemlich tief in den Kaninchenbau.
Aus „M2 soll Copy sein“ kann erstaunlich schnell ein Abend mit Keycodes werden.
Das gehört ein wenig zum Charme programmierbarer Tastaturen. Irgendwann existiert eine Taste für eine Aufgabe, deren bisherige Tastenkombination schon längst vergessen wurde. Genau dann hat ein Makropad seinen Zweck erfüllt.

Drei Verbindungen statt Kabelpflicht

Bei der Verbindung bietet der TH26 USB-C, 2,4-GHz-Funk und Bluetooth. Auf der Rückseite sitzt der entsprechende Umschalter neben dem USB-C-Anschluss. Der kleine 2,4-GHz-Empfänger kann ebenfalls direkt am Gerät verstaut werden. Das ist eine unscheinbare, aber ausgesprochen sinnvolle Kleinigkeit. Lose Dongles besitzen schließlich eine bemerkenswerte Fähigkeit, exakt zwischen zwei Einsätzen in irgendeiner Schublade zu verschwinden.
Für einen festen Arbeitsplatz ist 2,4 GHz die interessanteste drahtlose Betriebsart. EPOMAKER gibt hier wie über Kabel eine Polling-Rate von 1.000 Hz an. Bluetooth arbeitet mit 125 Hz. Bei der angegebenen Latenz nennt der Hersteller etwa drei Millisekunden kabelgebunden, fünf Millisekunden über 2,4 GHz und 15 Millisekunden per Bluetooth.
Bei einem Numpad ist diese Differenz in normalen Anwendungen praktisch bedeutungslos. Niemand verliert eine Tabellenkalkulation aufgrund zwölf zusätzlicher Millisekunden. Relevant wird sie eher, sobald der TH26 als Makropad für zeitkritische Anwendungen oder Spiele eingesetzt wird.
Bluetooth besitzt dafür einen anderen Vorteil: Es braucht keinen USB-Dongle. Bei Notebooks oder Tablets mit wenigen Anschlüssen kann das wichtiger sein als eine möglichst hohe Abfragerate.
USB-C wiederum bleibt die unkomplizierteste Variante. Kabel hinein, Verbindung steht, Akku wird geladen und VIA kann auf das Gerät zugreifen.
Diese Flexibilität passt hervorragend zum modularen Konzept. Der TH26 kann dauerhaft neben einem Desktop-PC liegen, gelegentlich an einem Notebook arbeiten und anschließend per Bluetooth an einem anderen System genutzt werden. Ein fest angebundener Nummernblock wäre erheblich weniger interessant.

2.000 mAh Akku: Für 26 Tasten erstaunlich ordentlich

Im Gehäuse steckt ein 2.000-mAh-Akku mit 3,7 Volt beziehungsweise 7,4 Wh. Für ein Gerät mit lediglich 26 Tasten ist das eine respektable Kapazität.
Die tatsächliche Laufzeit hängt stark von RGB-Helligkeit, Verbindungsmethode und Nutzung ab. Eine belastbare allgemeine Stundenangabe wäre deshalb wenig sinnvoll. Klar ist dagegen die physikalische Richtung: Dauerhaft helle RGB-Beleuchtung kostet Energie, ausgeschaltete oder reduzierte Beleuchtung verlängert die Laufzeit erheblich.
Gerade bei einem Numpad spricht wenig dafür, den Akku für eine permanente Lichtshow zu opfern. Das Gerät steht normalerweise an einem festen Platz und seine Tasten lassen sich aufgrund der übersichtlichen Anordnung schnell ertasten.
Positiv fällt auf, dass EPOMAKER keinen exotischen Ladeanschluss verwendet. USB-C gehört 2026 schlicht an ein solches Gerät. Alles andere wäre inzwischen eine archäologische Entscheidung.

RGB: völlig unnötig und deshalb natürlich vorhanden

Selbstverständlich leuchtet der TH26.
Die RGB-Beleuchtung sitzt südlich der Switches. Diese South-Facing-Anordnung ist bei mechanischen Tastaturen interessant, weil sie eine bessere Kompatibilität mit verschiedenen Cherry-Profile-Keycaps ermöglicht und potenzielle mechanische Konflikte zwischen Switch-Gehäuse und bestimmten Tastenkappen reduziert.
Beim weißen TH26 verteilt sich das Licht sichtbar zwischen den Tasten. In heller Umgebung bleibt der Effekt zurückhaltend, bei Dunkelheit verwandelt sich der kleine Nummernblock dagegen in ein ziemlich farbenfrohes Stück Schreibtisch.
Notwendig ist davon nichts.
Das ist allerdings ein etwas unfairer Maßstab. Ein Sportwagen braucht auch keine Ambientebeleuchtung, eine mechanische Uhr keine sichtbare Unruh und ein PC keine Glasscheibe. Technik darf neben Funktion gelegentlich einfach Spaß machen.
Die Beleuchtung kann über entsprechende Funktionen angepasst werden. Helligkeit und Effekte lassen sich steuern, und wer mit RGB ungefähr so viel anfangen kann wie mit blinkenden Routern im Schlafzimmer, schaltet es schlicht ab.
Gerade zusammen mit den weißen Keycaps und den farbigen geometrischen Symbolen besitzt das Licht jedoch einen gewissen Charme. Der TH26 sieht nicht nach Gaming-Zubehör aus, obwohl technisch sämtliche Zutaten vorhanden wären.

Im Alltag entscheidet nicht Excel allein

Der offensichtlichste Einsatzbereich bleibt Tabellenarbeit. Zahlen lassen sich über einen echten Nummernblock erheblich angenehmer eingeben als über die obere Zahlenreihe einer kompakten Tastatur. Das ist keine neue Erkenntnis. Buchhaltungen wussten das vermutlich bereits, als Computer noch beige waren und Drucker klangen, als würde im Nebenzimmer ein Moped gestartet.
Interessanter sind die weniger offensichtlichen Anwendungen.
Neben einer kompakten Tastatur ersetzt der TH26 nur dann den fehlenden Nummernblock, wenn dieser tatsächlich gebraucht wird. Danach wandert er zur Seite und schafft Platz für die Maus. Das kann ergonomisch angenehmer sein als eine Fullsize-Tastatur, deren rechter Zahlenblock den Mausbereich dauerhaft nach außen verschiebt.
Als Makropad lässt sich das Gerät links von der Haupttastatur positionieren. Fünf dedizierte Makrotasten, vier zusätzliche obere Tasten, ein Encoder und die komplette Zahlenmatrix bieten genügend Eingaben für komplexe Arbeitsabläufe. Bildbearbeitung ist ein gutes Beispiel: Zoom auf dem Encoder, Werkzeuggruppen auf M1 bis M5 und häufige Befehle auf den Zifferntasten. Ähnliche Konzepte funktionieren bei Videoschnitt, Musiksoftware, CAD oder Programmierumgebungen.
Selbst für Streaming wäre der TH26 als eine Art mechanisches Steuerdeck interessant, solange keine Display-Icons benötigt werden. Gegenüber spezialisierten Stream-Controllern fehlt die visuelle Beschriftung wechselnder Funktionen. Dafür bleiben echte mechanische Tasten ertastbar und geben physisches Feedback.
Die Hardware legt den Einsatzzweck also weniger fest, als der Begriff „Numpad“ vermuten lässt.

Wo der TH26 nicht perfekt ist

So sympathisch das Konzept ausfällt, einige Entscheidungen bleiben diskutabel.
Das ABS-Gehäuse erfüllt seinen Zweck, wirkt jedoch nicht so hochwertig wie Aluminium. Wer bereits eine schwere Premium-Tastatur aus Metall besitzt und daneben ein exakt gleichwertig verarbeitetes Numpad erwartet, wird den Materialunterschied bemerken.
Die feste Neigung ohne ausklappbare Füße begrenzt die ergonomische Anpassung. Gerade weil ein separates Numpad häufig mit Tastaturen unterschiedlicher Bauhöhe kombiniert wird, wären zwei zusätzliche Winkeloptionen sinnvoll gewesen.
Auch die VIA-Einrichtung könnte zugänglicher sein. Kabelmodus, Browserkompatibilität, JSON-Datei und Layerlogik sind für Tastaturenthusiasten keine Hürde. Einsteiger können anfangs trotzdem vor einem interessanten Paradoxon stehen: Ein Gerät wurde gekauft, um Tastenkombinationen einfacher zu machen, und die erste Aufgabe besteht darin, die Funktionsweise programmierbarer Layer zu verstehen.
Dazu kommt der 2.000-mAh-Akku. Er ist für diese Gerätegröße ordentlich dimensioniert, doch RGB und Funk bleiben Verbraucher. Wer möglichst selten laden möchte, sollte die Beleuchtung entsprechend zurücknehmen.
Keiner dieser Punkte zerstört das Konzept. Sie zeigen eher, wo die Preisklasse sichtbar wird und wo ein theoretischer TH26 Pro noch Raum hätte: Metallgehäuse, verstellbarer Winkel, noch komfortablere Konfiguration und vielleicht ein größerer Akku.

Ein Nummernblock für Menschen, die eigentlich keinen Nummernblock wollten

Der vielleicht interessanteste Aspekt des EPOMAKER TH26 liegt darin, dass seine klassische Kernfunktion fast zur Nebensache wird. Natürlich ist er ein guter mechanischer Nummernblock. Dafür sorgen Creamy Jade Switches, PBT-Keycaps, die gedämpfte Gasket-Konstruktion und eine vollständige Zahlenmatrix.
Doch allein dafür wäre der technische Aufwand fast übertrieben.
Spannend wird das Gerät durch die Kombination aus Modularität und Programmierbarkeit. Fünf Makrotasten, Encoder, Hot-Swap, vier VIA-Layer und drei Verbindungsmöglichkeiten machen aus dem kleinen Block ein eigenständiges Eingabegerät. Neben einer kompakten Tastatur ergänzt er genau jene Funktionen, die gerade fehlen, ohne dauerhaft den Platz einer Fullsize-Tastatur einzufordern.
Auch die Konstruktion verdient Anerkennung. Eine Polycarbonat-Platte, 1,2-Millimeter-PCB, Gasket Mount und mehrere Dämpfungsschichten wären bei einem billigen Nummernblock völlig verzichtbar gewesen. EPOMAKER hätte 26 Schalter auf eine starre Platine setzen, alles in ein Kunststoffgehäuse schrauben und Feierabend machen können. Genau das ist nicht passiert. Der TH26 fühlt und hört sich deshalb eher nach einer kleinen mechanischen Tastatur als nach einem Zubehörteil an.
Hot-Swap verlängert zusätzlich die praktische Lebensdauer. Ein defekter Switch bedeutet nicht das Ende des Geräts. Andere Schalter verändern Tippgefühl und Akustik. VIA verhindert gleichzeitig, dass die Beschriftung der Keycaps dauerhaft über die Funktion entscheidet.
Damit entsteht eine interessante Form digitaler Zweckentfremdung. Eine Taste mit der Aufschrift „7“ muss keine Sieben schreiben. Sie kann ein Programm starten, eine Medienfunktion auslösen oder Teil einer zweiten Bedienebene sein. M3 kann heute Copy und morgen eine Funktion in einer Bildbearbeitung ausführen. Der TH26 bleibt physisch derselbe, während sein Einsatzzweck mit der Konfiguration wechselt.
Das ist vermutlich die treffendste Beschreibung dieses kleinen Geräts: Der EPOMAKER TH26 ist kein Nummernblock, der zusätzlich Makros beherrscht. Er ist ein programmierbares Makropad, das zufällig bereits als sehr guter Nummernblock beschriftet wurde.
Und ausgerechnet damit löst EPOMAKER ein Problem kompakter Tastaturen ziemlich elegant. Die Entscheidung zwischen kleinem Keyboard und vollständigem Nummernblock muss nicht mehr dauerhaft getroffen werden. Der benötigte Teil kommt einfach auf den Tisch, wenn er gebraucht wird.
Der alte Ingenieursgrundsatz „Form follows function“ bekommt dabei eine kleine Ergänzung: Beim TH26 bleibt die Form gleich. Nur die Funktion darf sich ständig ändern.

Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:

Die in diesem Testbericht vorgestellte EPOMAKER TH26 wurde uns von EPOMAKER als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
EPOMAKER hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei EPOMAKER für die Bereitstellung des EPOMAKER TH26 und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.

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