Freitag, Mai 24, 2024
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Die Magie der Goldenen Stunde: 

Mit diesen 5 Profi-Tipps gelingt das perfekte Landschaftsfoto

Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang und die erste Stunde nach Sonnenaufgang, auch als Goldene Stunde (oder Golden Hour) bekannt, bieten eine faszinierende Kulisse für Urlauber:innen und Fotograf:innen, die besondere Erinnerungen festhalten möchten. Die rasche Veränderung von Schatten und Farbnuancen während dieser Tageszeit verleiht ihr eine besondere Magie. Doch um die Golden Hour bestmöglich mit der Kamera einzufangen, braucht es technisches Know-how, Fingerspitzengefühl und eine sorgfältige Vorbereitung. Auch Skylum-Botschafter Raffaele Cabras Keller – kurz: Raffa – hat während seiner Foto-Touren die Goldene Stunde stets im Blick. Seine Erfahrungen als mehrfach preisgekrönter Landschafts- und Drohnenfotograf hat er in fünf wertvolle Tipps für deine nächste Reise zusammengefasst.

Foto 1 

1. Vor dem Auslösen: Warum eine Generalprobe entscheidend ist
Wie immer, die richtige Vorbereitung ist entscheidend für deinen perfekten Schnappschuss zur Goldenen Stunde: Um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, musst du den Lauf der Sonne an der Foto-Location kennen. Tools wie PhotoPills oder The Photographer’s Ephemeris ermöglichen es dir, den Stand der Sonne genau zu verfolgen. Auf der Suche nach dem idealen Standort, empfehle ich die 3D-Ansicht von Google Earth. Sie ist vor allem für die Drohnenfotografie hilfreich, um mögliche Flugstrecken und Blickwinkel der Drohne im Vorhinein zu finden. Auf der Suche nach Inspirationen und besonderen Orten kannst du außerdem auf Instagram und Location-Scout-Apps fündig werden. 

Wenn du dich am Meer befindest, ist es wichtig, den Stand der Gezeiten zu kennen und diesen mit der Goldenen Stunde abzustimmen. Denn das Wissen über Ebbe und Flut ist entscheidend für die Wahl des optimalen Fotospots, da sich die Meeresströmungen an jedem Ort unterschiedlich auswirken. Während meines letzten Besuchs am Walakiri Beach in Sumba, Indonesien, gab es zum Beispiel nur einen einzigen Tag, an dem die Gezeiten perfekt mit der Goldenen Stunde zusammenfielen. Aus meiner Erfahrung heraus ist der beste Zeitpunkt zum Fotografieren während einer mäßigen Ebbe, da du dann einzigartige und faszinierende Reflexionen auf dem Wasser einfangen kannst.

Foto 2 (Walakiri Beach)

2. Das richtige Objektiv für Landschaftsfotos
Für beeindruckende Landschaftsaufnahmen während der Goldenen Stunde empfehle ich ein Weitwinkelobjektiv im Bereich von 15mm. Diese Brennweite verbindet Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund so geschickt miteinander, dass ein eindrucksvolles Gefühl von Tiefe und Dimension entsteht. Dennoch ist es ratsam, nicht ausschließlich auf ein Weitwinkelobjektiv zu setzen, da dies gewisse Einschränkungen mit sich bringt. Daher empfehle ich, zusätzlich ein Zweitobjektiv mit einem vielseitigen Zoombereich mitzuführen. Persönlich nutze ich gerne das leichte Tamron 28-200mm f2,8-5,6, insbesondere für Blendenöffnungen bis zu f11.

3. Dein Motiv gekonnt in Szene setzen
Die richtige Komposition – also das Zusammenspiel der einzelnen Ebenen und Objekte im Bild – ist das A und O in der Fotografie. Durch geschickte und durchdachte Anordnung kannst du deine Fotos zur goldenen Stunde gut zur Geltung bringen,vorausgesetzt du hast das richtige Objektiv dabei. Wie du schon weißt, kannst du mit einem 15mm-Objektiv sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund sehr detailliert erfassen und den Aufnahmen dadurch besondere Tiefe verleihen.

In diesem Bild, das ich letzten Sommer in Island aufgenommen habe, sieht man gut, wie Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund im Zusammenspiel das räumliche Gefühl verstärken. Vorn verankern die glatten Felsen die gesamte Szene. Dann wird der Blick durch die natürliche Kurve der Uferlinie – wie mit einer Führungslinie – in den Mittelgrund gelenkt, der als Brücke zwischen den nahen Felsen und den Klippen im Hintergrund dient. Jede Ebene, die für sich allein steht, verstärkt das Gefühl von Tiefe und Dimension. Das Spiel von Licht und Schatten verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
 
Foto 3 (Island)

4. Die richtige Balance zwischen Hell und Dunkel
Es erfordert Fingerspitzengefühl und Know-how, um während der Goldenen Stunde die richtige Belichtung zu erhalten. Mit den heutigen Kameras ist es jedoch viel einfacher, diesen Balanceakt zwischen den hellen und dunklen Bereichen eines Bildes zu meistern als mit älteren Spiegelreflexkameras. Moderne Sensoren verfügen über einen großen dynamischen Bereich, sodass du nicht mehrere Belichtungsreihen aufnehmen und später zusammenführen musst. Stattdessen kannst du die Belichtung reduzieren und Glanzlichter vermeiden, beispielsweise bauschige Wolken. Zusätzlich verwende ich ND-Filter, um die Belichtungszeit zu verlängern. Dadurch erziele ich einen seidigen Wassereffekt und kann bewegte Wolken darstellen. Versuche doch einmal den Vergleich zwischen einer 1/60-Sekunden-Aufnahme und einer 30-Sekunden-Aufnahme mit einem 10-Stop-Filter – der Unterschied ist beeindruckend.

Foto 4 (Belichtungsvergleich) 

5. Die Kunst des Color-Gradings
In der Goldenen Stunde dreht sich alles um glühende Farbtöne – und eine Nachbearbeitung kann hierbei beeindruckende Effekte erzielen. Mit Temperatur- und Farbtonreglern kannst du die warmen  Farbtöne hervorheben oder aber die Aufmerksamkeit auf die subtileren Farben im Licht lenken. Ich habe beispielsweise eine Schwäche für rosa Himmel. Wenn ich einen Sonnenuntergang fotografiere, will ich die entsprechenden Farbtöne in der Nachbearbeitung betonen. Meist fange ich damit an, die Belichtung meiner RAW-Dateien in Luminar Neo anzupassen, Schatten aufzuhellen, Highlights abzumildern und mit Vibration und Weißabgleich zu spielen. Das Pro Contrast Tool ist oft mein letzter Schliff. Manchmal gehe ich auch in die HSL-Einstellungen (Farbton, Sättigung, Luminanz), um die Farben so zu optimieren, wie ich sie will.

Foto 5 (Zürich)
 
Fazit: Die goldene Stunde ist mehr als eine Tageszeit
Für Reisefotografen ist die Goldene Stunde wie ein Zaubertrick, der natürliche Szenen in pure Magie transformiert. Um das Beste aus diesem Moment herauszuholen ist es essentiell, sich am richtigen Ort zu positionieren, die passende Ausrüstung dabei zu haben und die richtigen Kameraeinstellungen zu verwenden. Mit der richtigen Nachbearbeitung kannst du mit Farben spielen und die Gegebenheiten der natürlichen Kulisse nochmals betonen, um den Aufnahmen maximale Tiefe und einen starken Ausdruck zu verleihen. 

Bildmaterial können Sie hier herunterladen. 


Über Raffaele Cabras Keller: 
Raffaele (Raffa) Cabras Keller, auch bekannt als @mixyourshot, ist ein preisgekrönter Landschafts- und Drohnenfotograf, der zwischen der sardinischen Küste und den Schweizer Bergen aufgewachsen ist. Der Skylum-Ambassador und Markenbotschafter von Luminar Neo ist auch Mitbegründer der Swiss School of Photography in Zürich, Schweiz. Raffa reist für seine Fotografie um die Welt und bietet als Guide Landschaftsfototouren an, bei denen Interessierte ihre Fotografie-Skills weiter vertiefen können. Impressionen gibt es auf seinem Blog MixYourShot. Mehr über Raffaele (Raffa) Cabras Keller kann auch hier nachgelesen werden. 

Über Skylum: 
Skylum (www.skylum.com/de) ist ein weltweit führendes Unternehmen für Bildbearbeitungs-Technologie, das visuelle Kreative dabei unterstützt, komplexe Ergebnisse mit innovativen KI-Technologien und einem flexiblen Workflow zu erzielen. Diese Lösungen vereinfachen die Arbeit von Fotograf:innen in allen Bereichen. Skylum wurde unter anderem mit dem Red Dot Award, dem Apple Best of Year, dem TIPA- und dem EISA-Award für die beste Bildbearbeitungssoftware ausgezeichnet.

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