Beyerdynamic MMX 300 – unsere derzeitige Referenz!

Exklusives Gaming Headset

Das MMX 300 der deutschen Firma Beyerdynamics gehört mit Sicherheit nicht zur Ausstattung für Minesweeperspieler, Solitairveteranen und Gelegenheitsspieler, doch Gamer, die viel Zeit vor ihrem Rechenknecht verbringen, könnten durchaus mit dem Gedanken spielen, sich einen derart luxuriösen Ohrwärmer zuzulegen. Kommen wir direkt zu den Fakten, die selbst die meisten der Enthusiasten nicht sofort zugreifen lassen, allem voran ein stolzer Preis von knapp 240 Euro.
An alle, die nicht schon bereits eine highend Soundlösung verbaut haben, ein Wort der Warnung: Obwohl das MMX 300 mit 32 Ohm, also der Standard Headset Impendanz (Interessierte finden technische Details in unserem Techbereich Link) beworben wird, ist vom Betrieb an einem Standard Mainboard Soundchip abzuraten (das MMX 300 wird über 3,5 mm Klinke angeschlossen und bietet keine eigene Verstärkung oder integrierte Soundkarte, so wie das bei höherpreisigen USB Headsets der Fall ist). Der Grund ist schlicht und einfach, dass das MMX 300 nach viel Leistung verlangt, mehr als die meisten Mainboards liefern können, um wirklich gut zu klingen. Aus meiner eigenen Erfahrung klang das Headset an einem MSI Gaming M3 Mainboard mit ALC 1220 Soundchip flach und leise. Das hat mein technisches Interesse geweckt und ich wollte nicht glauben, dass der Sound alles war, was aus diesem 240 Euro Headset herauskommen sollte. Kurzum: Ich habe mir einen Kopfhörerverstärker bestellt. Nach kurzer Recherche wurde es der FiiO Olympus 2 für ca. 80 Euro. Eine andere Möglichkeit wäre die Anschaffung einer dedizierten externen oder intern verbauten Soundkarte gewesen.

Kopfhörerverstärker vs. Soundkarte

Seit jeher ist meiner Meinung nach die Achillesferse aller Soundkarten der mäßige bis unterirdische Treibersupport. Wer sich ein wenig mit den einschlägigen Forenbeiträgen beschäftigt oder selbst Erfahrungen gesammelt hat, wird zustimmen, dass die Lage hier nicht rosig ist. Es mag mitunter daran liegen, dass Soundkarten ein Nischenprodukt sind und Treiber aktuell zu halten und zu pflegen eine brotlose Kunst ist, was aber reine Spekulation meinerseits ist. Kopfhörerverstärker haben diese Problematik meist nicht. Sie verwenden je nach Preissegment mehr oder weniger hochwertige DA Wandler (Digital-Analog Wandler) und eine Verstärkerschaltung. Ein gewisser Charme an dieser Umsetzung liegt darin, dass der Sound nicht durch Software verfälscht wird. Der Kopfhörerverstärker (wie auch externe Soundkarten) wird per USB an den PC angeschlossen und benötigt lediglich den entsprechenden USB Treiber. Beim FiiO Olympus 2 kann direkt am Gerät die gewünschte Verstärkung über ein Drehrad eingestellt und ein optionaler „Bassboost“ hinzugeschaltet werden für alle, die gerne einen ordentlich Tiefton im Ohr haben. Das Gerät ist etwas größer als eine handelsübliche Streichholzschachtel. Zusätzlich gibt es einen lineout, der das Signal unverstärkt (Pass-Through) weiterleitet. Daran kann man beispielsweise ein Soundsystem anschließen (allerdings sollte das einen eigenen Lautstärkeregler/Powerschalter haben, da bei diesem Gerät der lineout nicht still geschaltet werden kann). Doch egal, ob Kopfhörerverstärker oder Soundkarte, eines von beiden sollte der Interessierte besitzen oder bereit sein anzuschaffen, bevor er sich das Beyerdynamics MMX 300 zulegt.

Features und Herstellerangaben
Kopfhörer:

  • Gewicht ohne Kabel 294 g
  • Nominale Impendanz 32 Ohm
  • 2,5 m langes 3,5 mm Klinkenkabel (PC Anschluss 1x Sound, 1x Mikrofon) zum Anschluss an einen PC mit einer Kabelfernsteuerung (Lautstärke, Muteschieber und Muteknopf für länger- und kurzfristige Abschaltung des Mikrofons)
  • 1,2 m Kabel zum Anschluss an Konsolen mit Kabelfernsteuerung (Lautstärke, Muteschieber und Muteknopf für länger- und kurzfristige Abschaltung des Mikrofons)
  • max. Schalldruckpegel laut Hersteller 96 dB
  • Frequenzbereich 5 – 35’000 Hz
  • geschlossene Bauform
  • Kopfbanddruck ca. 3,5 Newton
    Mikrofon:
  • Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik an einem frei verbiegbaren Arm (ca. 150 mm lang), der Arm lässt sich auch wegklappen
  • Aufnahmefrequenz 30 – 18’000 Hz
    Sonstiges:
  • Softcase für Transport und Aufbewahrung
  • Adapter 1/4“ (6,35 mm Klinkensteckeradapter)

Verpackung:

Das MMX 300 wird in einer eher schlichten Verpackung geliefert. Das Headset befindet in dem beiliegenden Softcase, das wiederum im Karton so fixiert wird, dass beim Transport keine Probleme auftreten sollten. Es liegen Garantiebedingungen sowie eine Schnellanleitung bei.

Bewertung:

Preis:
Der Preis für das Headset liegt im Einzelhandel bei ca. 240 Euro. Das ist auch für ein Gaming Headset ein sehr stolzer Preis. Aus diesem Grund kann man hier in jeder Hinsicht nur das Beste vom Besten erwarten.

Soundwiedergabe:

Mit der entsprechenden Verstärkung könnte der Unterschied nicht größer sein – vorher flach und leise kommen die Bässe, Mitten und Höhen jetzt richtig zur Geltung. Der Bass ist tief und unaufgeregt, es gibt kein Dröhnen oder Rauschen, die Höhen sind klar und differenziert und trotz der geschlossenen Bauform des MMX 300 ist die Klangkulisse weit und teilweise nahezu luftig. Das ist der Sound, den ich mir von diesem Headset erhofft habe. Natürlich ist der Sound immer ein subjektiver Höreindruck, aber auch in diversen anderen Testberichten wurden hier kaum oder keine Schwächen attestiert. Die Gegnerortung in Spielen wie PUBG und Counter Strike oder ähnlichen ist hervorragend, teilweise lassen sich die Gegner auf Grund der Schrittgeräusche sehr genau orten, was wiederum etwas von der Umsetzung der Sounds in den jeweiligen Spielen abhängt. Das Headset wird von Beyerdynamics als „Turnierheadset“ beworben. Diese Ambition wurde auch umgesetzt und es gibt hier nichts zu kritiseren.

Soundaufnahme:

Auch am Mikrofon wurde nicht gespart, das Klangbild ist ausgewogen und natürlich. Das ist bei den diversen Headsets nicht der Standard, hier wurde aber alles richtig gemacht. Es eignet sich hervorragend für Voice Chats wie Teamspeak oder Discord sowie für Internettelefonie über Skype oder ähnliche Dienste. Damit erfüllt es den Anwendungszweck eines Gamingheadsets. Wer professionelle Musikaufnahmen macht, sollte allerdings lieber auf ein entsprechendes Studiomikrofon zurückgreifen. Für Game-Streaming kann das Mikrofon zur Sprachaufnahme auf Grund der zuvor genannten Punkte empfohlen werden.

Optik, Haptik und Tragekomfort:

Das MMX 300 lässt sich meiner Meinung nach am besten mit dem Wort „hochwertig“ beschreiben. Die Bügel sind aus Metall gefertigt und mattschwarz gehalten wie auch die Ohrmuscheln. Die Auflagefläche für den Kopf ist ordentlich gepolstert und mit Kunstleder überzogen. Die Ohrmuscheln sind ebenfall sehr gut gepolstert und mit weichem Polyesterstoff überzogen. Am Anfang saß der Kopfhörer etwas stramm, was sich aber nach wenigen Wochen gelegt hat. Mit dieser Ausstattung kann man das Headset auch über mehrere Stunden bequem tragen. Der geschlossenen Bauform ist es jedoch geschuldet, dass es insbesondere im Sommer an den Lauschern schon mal ziemlich warm werden kann. Hier hilft nur, gelegentlich eine kleine Pause einzulegen und den Kopfhörer abzusetzen. Negativ möchte ich diesen Punkt hier nicht bewerten, da er als allgemeine Schwäche von geschlossen Kopfhörersystemen gesehen wird. Obwohl das Beyerdynamics MMX 300 kein ANC (Active Noise Canceling) besitzt, werden Außengeräusche durch die geschlossene Bauform natürlich gut abgedämpft (meine bessere Hälfte musste mich schon teilweise sehr laut ansprechen, wenn gerade Sound lief, damit ich das auch mitbekomme; und das lag in diesem Fall nicht daran, dass ich sie gelegentlich auch mal so überhöre).
Das Headset hat keine Beleuchtung oder auffällige optische Eigenheiten, der Stil ist hier klar, schlicht und funktional, was meiner Vorstellung von einem Headset sehr entgegenkommt. Die allgemeine Verarbeitung ist von hoher Qualität. Die Bezüge der Ohrmuschelpolster können abgenommen und gewaschen oder, wenn sie sich nach langem Einsatz abgenutzt haben, ersetzt werden.

Haltbarkeit und Garantie:

Man muss betonen, dass auf Grund der Materialien und Verarbeitung durchaus von einer sehr langen Haltbarkeit ausgegangen werden kann. Bei entsprechender Pflege und bestimmungsgemäßem Gebrauch kann dieses Headset durchaus über 5 – 10 Jahre oder noch länger verwendet werden. Der Hersteller gibt zwei Jahre Garantie auf die Technik, ausgeschlossen sind Ohrpolster und Zubehörteile. Ersatzteile wie Ohrpolster und Ähnliches können über den Hersteller aus Deutschland bezogen werden.

Zubehör:

Beim Zubehör wurde nicht gespart, alles Nötige ist enthalten und wie auch das Headset selbst von hoher Qualität. Softcase und verschiedene Kabel sowie Adapter beugen für fast jeden Einsatzzweck vor. Die Kabel sind mit wertiger dicker Gummierung versehen und trotzdem sehr flexibel. Das Konsolenkabel ist mit 1,2 m wohl für das Einstecken am Controller vorgesehen. Allerdings ist zu bezweifeln, ob dieser eine ausreichende Ausgangsleistung bringen kann, um den davon abhängigen Sound des MMX 300 zu befeuern.

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass das MMX 300 durchaus zu Recht als Referenz in der Gaming Headsetklasse angesehen wird. Soundausgabe, -aufnahme und Verarbeitung liegen auf Spitzenniveau. Das Headset von Beyerdynamics zeigt in keiner Kategorie Schwächen. Zu beachten ist jedoch, dass eine ausreichend leistungsstarke Soundquelle benötigt wird. Der Anschluss an einem Mainboard kann hier eindeutig nicht empfohlen werden. Erst mit Kopfhörerverstärker oder Soundkarte kann das MMX 300 seine Trümpfe voll ausspielen. Dadurch ergibt sich in Summe ein Gesamtpreis für die Soundlösung von ca. 300 – 400 Euro. Wer wirklich viel Wert auf den Sound beim Spielen legt und auch gerne Musik über das Headset hört, macht hier nichts falsch, doch sollte vor dem Kauf überlegt werden, ob und wie oft das Headset tatsächlich benutzt wird. Ich selbst nutze das Headset täglich mehrere Stunden und möchte es nicht mehr missen. Für Gelegenheitsspieler dürfte allein der Preis das MMX 300 schon unattraktiv machen. Alles in allem gibt es hier wirklich nur Abzüge in der B Note, die durch den hohen Preis und die Notwendigkeit eines leistungsstarken Zuspielers begründet sind. Beim Kauf sollte zudem der Nutzungszeitraum nicht außer Acht gelassen werden. Wer vor hat, für viele Jahre eine hochklassige Soundlösung zu besitzen und häufig zu verwenden, ist hier gut beraten.

Pro:

  • abschirmend (kein ANC)
  • leicht
  • sehr gute Audioqualität
  • sehr gutes Mic
  • Ersatzteile sind lange verfügbar
  • Transportbox
  • keine Treiber erforderlich

Neutral:

  • Modifikationen nur über Webseite des Herstellers
  • geschlossene Bauform
  • 600 Ohm verfügbar (Herstellerseite)

Contra:

  • Preis
  • interne/externe Soundkarte (z.B. Sound Blaster AE-9) oder Kopfhörerverstärker wird benötigt

Preis: 233 Euro bei Amazon
Herstellerseite: https://www.beyerdynamic.de/mmx-300.html

DataHolic