reMarkable Paper Pro Move im technischen Unboxing: Wenn digitales Papier plötzlich wirklich mobil wird
- Weniger Tablet, mehr Notizbuch
- Ein Format, das eher an einen Reporterblock erinnert
- Aluminium, Glas und eine interessante Rückseite
- 7,3 Zoll Canvas Color: Gallery 3 wird schmal
- Der Startbildschirm sagt erstaunlich viel
- Marker Plus: Der Stift ist Teil des Displaysystems
- Unter der Oberfläche steckt überraschend klassische Hardware
- Das Book Folio in Basalt: Schutz ohne Hartschalenpanzer
- Ein kleines Paper Pro, aber keine bloße Schrumpfkopie
- Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:
Weniger Tablet, mehr Notizbuch
Beim reMarkable Paper Pro Move beginnt die technische Einordnung bereits mit der Verpackung. Nicht deshalb, weil dort irgendein spektakulärer Mechanismus wartet, sondern weil reMarkable erneut auffällig wenig Aufwand betreibt, ein digitales Gerät wie Unterhaltungselektronik aussehen zu lassen. Die weiße Schachtel trägt eine reduzierte Zeichnung des Tablets, den Produktnamen und einen stilisierten Strich, der eher nach Bleistift als nach Touchscreen aussieht. Kein Prozessorlogo, keine Ansammlung von Leistungsversprechen, keine Rückseite voller bunter Piktogramme. Dieter Rams’ oft zitierter Satz „Less, but better“ passt hier beinahe verdächtig gut. Diese Zurückhaltung ist allerdings keine bloße Verpackungsästhetik, sondern spiegelt ziemlich genau wider, wie das Paper Pro Move konstruiert wurde: als digitales Schreibgerät, nicht als verkleinertes Multimedia-Tablet.
Die Rückseite verrät deutlich nüchterner, was tatsächlich im Karton steckt. Zum Paper Pro Move gehören je nach Konfiguration Marker oder Marker Plus, sechs Ersatzspitzen und ein USB-C-Kabel. Das vorliegende Paket enthält den Marker Plus. Damit ist bereits beim Öffnen alles vorhanden, was für den Betrieb nötig ist; ein Netzteil gehört nicht dazu. ReMarkable setzt außerdem auf vollständig recycelbare Verpackungen und gibt für das Gerät einen Anteil von mehr als 20 Prozent recycelter Materialien an. Der nüchterne Karton ist damit weniger Lifestyle-Übung als Teil eines ziemlich konsequent durchgezogenen Materialkonzepts.


Ein Format, das eher an einen Reporterblock erinnert
Aus der Verpackung genommen wirkt das Paper Pro Move zunächst ungewöhnlich lang. Mit 195,6 × 107,8 Millimetern besitzt das Gehäuse beinahe die Proportionen eines klassischen schmalen Notizblocks. Die Bauhöhe liegt bei 6,5 Millimetern. Genau dieses Format trennt das Move optisch und konstruktiv vom großen Paper Pro. Dort breitet sich die Arbeitsfläche nahezu quadratisch vor dem Schreibtisch aus, hier entsteht ein Gerät, das eindeutig für Tasche, Besprechungsraum und kurze Notizen unterwegs gedacht ist. Das 16:9-Seitenverhältnis des Displays verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.


Auf der Waage landet das Testgerät bei 228,8 Gramm. ReMarkable nennt rund 230 Gramm, womit die Herstellerangabe nahezu punktgenau getroffen wird. Interessanter als die kleine Abweichung von 1,2 Gramm ist das Verhältnis zwischen Größe und Masse. Das Move fühlt sich nicht wie ein ausgehöhltes Kunststoffgehäuse an. Das Gewicht sitzt gleichmäßig über die Fläche verteilt und vermittelt bereits beim ersten Anheben einen überraschend soliden Eindruck. Zur Erinnerung: Das große Paper Pro kommt auf etwa 525 Gramm. Das Move trägt damit weniger als die Hälfte dieser Masse mit sich herum, ohne den technischen Kern des Farbsystems grundsätzlich aufzugeben.


Aluminium, Glas und eine interessante Rückseite
Der umlaufende Rahmen besteht aus eloxiertem Aluminium. ReMarkable setzt beim Mittelrahmen und beim Power-Button vollständig auf recyceltes Aluminium; selbst für die Magneten kommen laut Hersteller recycelte Seltene-Erden-Metalle zum Einsatz. Auf der Vorderseite sitzt strukturiertes Glas über dem Display. Die Oberfläche ist nicht glatt wie bei einem typischen Smartphone, sondern besitzt bewusst Reibung. Genau diese Reibung ist technisch wichtig, weil die Stiftspitze nicht über eine vollkommen glatte Glasscheibe rutschen soll. Digitales Papier entsteht hier also nicht ausschließlich durch E Ink, sondern durch den gesamten mechanischen Kontakt zwischen Spitze, Glasoberfläche und darunterliegendem Displaystack.
Besonders interessant wird es auf der Rückseite. Während das große Paper Pro eine weitgehend geschlossene Aluminiumkonstruktion besitzt, verwendet das Move eine separate Rückplatte. Vier runde Auflageflächen sitzen nahe den Ecken, mittig bleibt lediglich ein sehr zurückhaltendes reMarkable-Logo. Die Konstruktion wirkt unspektakulär, erfüllt aber einen technischen Zweck: Die separate Rückplatte erleichtert laut Hersteller Reparaturen und den Austausch interner Komponenten wie Akku oder Hauptplatine. Gerade bei einem so dünnen Gerät ist das erwähnenswert. Reparierbarkeit und sechs Millimeter Gehäusehöhe sind normalerweise keine besonders engen Freunde.


7,3 Zoll Canvas Color: Gallery 3 wird schmal
Der eigentliche technische Mittelpunkt ist das 7,3 Zoll große Canvas-Color-Display auf Basis von E Ink Gallery 3. Die Auflösung beträgt 1696 × 954 Pixel, daraus ergeben sich 264 Pixel pro Zoll. Das ist sogar eine höhere Pixeldichte als beim großen Paper Pro mit seinen 229 ppi. Texte und feine Linien profitieren von dieser Dichte sichtbar stärker als große Farbflächen. Das Display kann bis zu 20.000 Farben darstellen und besitzt eine integrierte, regelbare Lesebeleuchtung. Anders als ein LCD oder OLED erzeugt das Panel seine sichtbare Information nicht durch permanent leuchtende Pixel. Das Bild bleibt im Grundprinzip auch ohne kontinuierliche Energiezufuhr bestehen; Energie wird vor allem beim Ändern des Bildinhalts benötigt.
Gallery 3 ist dabei technisch deutlich aufwendiger als ein klassisches Schwarz-Weiß-E-Ink-Panel. Farben entstehen über farbige Pigmente innerhalb der Mikrokapselstruktur und nicht über einen aufgesetzten Farbfilter. Das hilft der Farbdarstellung, verlangt allerdings komplexere Aktualisierungsvorgänge. Genau deshalb ist ein Paper Pro Move kein Tablet, das zufällig E Ink verwendet. Display, Stift und Rendering müssen als zusammenhängendes System betrachtet werden.
ReMarkable nennt für das Move eine Schreiblatenz von 12 Millisekunden und einen Abstand von lediglich 0,92 Millimetern zwischen Stiftspitze und digitaler Tinte. Letzterer Wert klingt zunächst nach Datenblattakrobatik, ist für das Schreibgefühl jedoch entscheidend. Je größer der optische Abstand zwischen Spitze und dargestellter Linie, desto stärker entsteht das bekannte Gefühl, auf Glas über einem darunterliegenden Bild zu schreiben. 0,92 Millimeter bringen die digitale Linie deutlich näher an die reale Kontaktfläche.


Der Startbildschirm sagt erstaunlich viel
Nach dem ersten Einschalten erscheint ein Satz, der fast schon zu gut zur Hardware passt: „Better paper. Better thinking.“ Darunter liegt eine grob gezeichnete Linie, die eher nach Kreide oder Bleistift aussieht als nach klassischem Tablet-Interface. Technisch ist bereits dieser erste Bildschirm interessant, weil das Panel seine Stärke genau dort zeigt, wo herkömmliche Displays oft steril wirken. Die Farbflächen sind matter, zurückhaltender und weniger leuchtend. Wer OLED-Farben erwartet, würde vermutlich kurz den Karton nach einem versteckten Sättigungsregler absuchen. Genau das wäre allerdings die falsche Messlatte.
E Ink versucht nicht, ein OLED schlecht nachzuahmen. Das Material soll Papier darstellen. Deshalb wirken Farben eher gedruckt als emittiert. In direktem Licht wird diese Eigenschaft sogar zum Vorteil, weil das Display nicht gegen seine Umgebung anleuchten muss. Die strukturierte Glasoberfläche reduziert Reflexionen zusätzlich. Das integrierte Leselicht übernimmt erst dann, wenn die Umgebung selbst nicht mehr genug Licht liefert.

Marker Plus: Der Stift ist Teil des Displaysystems
Der Marker Plus wirkt neben dem schmalen Move fast überdimensioniert, technisch gehört er jedoch zwingend zum Konzept. Er verwendet aktive Stifttechnologie, besitzt einen eigenen 80-mAh-Akku und erkennt 4.096 Druckstufen sowie Neigungen bis 60 Grad. Am oberen Ende sitzt ein zweiter Drucksensor, der als digitaler Radierer dient. Der Stift wiegt laut aktuellem Datenblatt etwa 18,4 Gramm; das Benutzerhandbuch nennt rund 19 Gramm. Solche Rundungsunterschiede sind deutlich weniger spannend als die Art der Energieversorgung: Der Marker wird magnetisch am Gehäuserand befestigt und dort drahtlos geladen. Fünf Minuten am Gerät sollen bereits für rund eine Stunde Nutzung reichen.
Die sechs beigelegten Ersatzspitzen bestehen aus einem kohlenstoffhaltigen Material und sind absichtlich Verschleißteile. Das klingt zunächst weniger elegant als eine dauerhaft harte Kunststoffspitze, ist aber Teil des Reibungskonzepts. Eine leicht nachgebende Spitze auf strukturiertem Glas erzeugt beim Schreiben einen kontrollierten Widerstand. Eine harte Spitze auf glattem Glas wäre haltbarer, würde sich dafür eher wie ein Kugelschreiber auf einer Fensterscheibe anfühlen. Technische Eleganz besteht gelegentlich darin, ein Bauteil bewusst verschleißen zu lassen.

Unter der Oberfläche steckt überraschend klassische Hardware
Obwohl beim Unboxing zunächst fast ausschließlich Display, Glas und Aluminium auffallen, sitzt darunter ein vollständiges Computersystem. Ein 1,7 GHz schneller Dual-Core-Prozessor auf Cortex-A55-Basis arbeitet mit 2 GB LPDDR4X-RAM und 64 GB internem Speicher zusammen. Ein 2.334-mAh-Lithium-Ionen-Akku versorgt das Gerät. ReMarkable nennt bis zu zwei Wochen Laufzeit und eine Ladung von null auf 90 Prozent in weniger als 45 Minuten. Die geringe Akkukapazität wirkt im direkten Vergleich mit Smartphones fast kurios, passt aber zur völlig anderen Leistungsaufnahme eines E-Ink-Systems. Ein Display, das nicht 120-mal pro Sekunde neu gezeichnet werden muss, verändert die gesamte Energiebilanz.
Geladen wird über USB-C. Drahtlos kommuniziert das Move über WLAN mit 2,4 und 5 GHz. Mehr Anschlüsse gibt es nicht. Kein Kopfhörerport, kein Kartenleser, kein zweiter USB-Anschluss und auch kein dekoratives Lautsprechergitter. Das wirkt beinahe provokant in einer Produktwelt, in der selbst Kühlschränke inzwischen mehr Schnittstellen besitzen als frühere Workstations. Für die vorgesehene Funktion ist diese Reduktion allerdings konstruktiv logisch.
Das Book Folio in Basalt: Schutz ohne Hartschalenpanzer
Das separate Book Folio folgt derselben Idee wie das Tablet. Die hier vorliegende Basalt-Variante besteht außen aus rezykliertem Mosaic-Weave-Gewebe, innen schützt eine weiche Mikrofaseroberfläche das strukturierte Displayglas. Das Tablet wird magnetisch gehalten. Ein zusätzlicher magnetischer Streifen sichert den Marker beziehungsweise Marker Plus an der Seite. Wird der Streifen nicht benötigt, rastet er auf der Rückseite des Folios ein. Kleine Details, aber genau solche Details entscheiden darüber, ob ein Stift nach drei Wochen noch am Gerät hängt oder inzwischen irgendwo zwischen Rucksackboden und einem alten Ladekabel lebt.
Die Hülle integriert außerdem Magneten und Sensoren für die automatische Aktivierung beim Öffnen beziehungsweise Sperrung beim Schließen. Mechanischer Schutz und Gerätefunktion greifen damit ineinander. Das Folio ist keine lose Tasche, sondern konstruktiv als Erweiterung des Tablets gedacht. Zusammen mit dem Paper Pro Move zeigt die Waage 346,1 Gramm. Ausgehend von den gemessenen 228,8 Gramm des Tablets erhöht das Folio die Gesamtmasse damit um rund 117 Gramm. Das ist deutlich spürbar, bleibt für ein vollständiges Schreibsystem mit geschütztem Glas und sicher verstautem Marker jedoch weiterhin weit unter einem klassischen Tablet samt Schutzhülle.




Ein kleines Paper Pro, aber keine bloße Schrumpfkopie
Der erste technische Eindruck des Paper Pro Move wird letztlich weniger durch einzelne Spezifikationen bestimmt als durch die Konsequenz der Konstruktion. Das 7,3-Zoll-Format verändert das gesamte Gerät. Display, Gehäuse, Akku und Folio sind nicht einfach geschrumpft worden, sondern auf Mobilität neu ausbalanciert. Die höhere Pixeldichte, das ungewöhnlich schmale Format, der separate Rückdeckel und das vergleichsweise geringe Gewicht zeigen recht deutlich, dass hier kein Paper Pro mit abgesägtem Rand vorliegt.
TechRadar bezeichnete das Gerät knapp als „A perfect writing tablet.“ Das ist für ein technisches Unboxing noch keine belastbare Bewertung und genau deshalb bleibt dieser Satz zunächst dort, wo er hingehört: als interessante Außenstimme. Festhalten lässt sich nach dem Öffnen lediglich, dass reMarkable ungewöhnlich viel Aufwand betreibt, damit möglichst wenig nach klassischer Unterhaltungselektronik aussieht. Aluminium, strukturiertes Glas, Gallery-3-Display, aktiver Marker und Mosaic-Weave-Folio ergeben ein System, das eher an hochwertiges Schreibmaterial erinnert als an ein weiteres Tablet mit Stift.
Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:
Die in diesem Testbericht vorgestellte reMarkable Paper Pro Move wurde uns von reMarkable als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
reMarkable hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei reMarkable für die Bereitstellung des reMarkable Paper Pro Move und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.
