Freitag, Februar 20, 2026
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MoErgo Go60: Technisches Unboxing einer reisefähigen Split Tastatur

Schon die äußere Verpackung setzt den Ton: kein bunter Marketing Karton, kein Overprint, kein „Gaming“-Pathos. Stattdessen eine sachliche, flache Schachtel, dominiert von einem großen „Go60“-Schriftzug und einer technischen Linienzeichnung, die die Split-Geometrie skizziert. Dieses Design wirkt wie eine Einladung, das Produkt als Werkzeug zu betrachten, nicht als Lifestyle-Objekt. „Form follows function“ – Louis Sullivan hat den Satz im Architekturkontext geprägt, hier passt er erstaunlich gut.

Die Haptik der Box ist steif und sauber verklebt, die Ecken wirken stabil genug, um Transportstress in Paketzentren zu überleben. Auffällig: Die Verpackung bleibt flach. Das ist nicht nur Versandökonomie, sondern deutet bereits an, dass das Produkt in Richtung Mobilität gedacht ist. Das Label an der Unterseite bestätigt die Identität: Go60 Ergonomic Keyboard von MoErgo, inklusive SKU und Herkunftsangaben. Neben dem Strichcode sitzt ein QR Code, der das klassische Papierhandbuch ersetzt. Das wirkt modern, ist aber auch eine klare Designentscheidung: weniger Druckbeilagen, weniger Variablen, weniger „Beipackzettel“, die ohnehin selten gelesen werden.


Deckel auf, erste Ebene: Informationsfläche statt Papierflut

Nach dem Öffnen des Deckels erscheint keine Schaumstofflandschaft und kein unübersichtliches Zubehörchaos, sondern eine bedruckte Innenseite als Einstiegspunkt. Links ein kurzer Begrüßungstext, rechts zwei prominent platzierte QR Codes. Einer führt zur Support und Getting Started Seite, der andere in Richtung Community (Discord). Das ist mehr als ein nettes Detail: Es zeigt, dass MoErgo die ersten Schritte als Teil des Produkterlebnisses versteht und die Dokumentation als lebendes System behandelt, nicht als gedruckte Momentaufnahme.

Die Formulierung „Ergonomics, designed for life on the go“ trifft den Kern: Ein ergonomisches Split Keyboard, das nicht so tut, als wäre Mobilität ein nachträgliches Feature. Der innere Deckel wirkt wie ein „Control Panel“ für den Start, ohne den Ablauf zu unterbrechen.

Gleichzeitig entsteht ein Kontrast, der bei vielen technischen Produkten heute typisch ist: Die Hardware wirkt „fertig“, während das Wissen drum herum bewusst dynamisch gehalten wird. „The devil is in the details“ – und genau in diesen Details zeigt sich, ob ein Produkt im Alltag funktioniert, oder nur im Produktfoto.


Schutzkonzept: Stoff statt Kunststoff, Transport statt Vitrine

Die nächste Ebene offenbart eine schwarze Filz Tasche mit MoErgo Branding. Dieses Element ist mehr als Verpackungsdekoration. Es ist Teil des Transportkonzepts, also Teil des Systems. Filz hat in diesem Kontext mehrere Vorteile: leicht, kratzarm, taktil angenehm, und in der Praxis unauffällig im Rucksack. Dazu kommt: Filz kaschiert kleine Staubspuren und Druckstellen, die bei glatten Kunststoffen sofort sichtbar wären.

In der MoErgo Dokumentation wird der Lieferumfang der Go60 Einheit als Set aus zwei Tastaturhälften, einem Hard Case, zwei Filztaschen (groß und klein) sowie Kabeln aufgeführt. Dazu zählen USB A auf USB C, USB C auf USB C sowie ein TRRS Kabel, das optional die beiden Hälften verbinden kann. Genau diese Struktur taucht hier in der physischen Realität wieder auf: Nicht einfach „Zubehör“, sondern eine klare Trennung zwischen Kernhardware, Transporthülle und Verbindungskomponenten. Das ist ein subtiler Hinweis auf die Flexibilität des Gesamtsystems: drahtlos, kabelgebunden, oder gemischt, abhängig vom Umfeld.


Der Hard Case: Transportbehälter als Bauteil

Der Hard Case ist der erste Gegenstand, der beim Herausnehmen die Perspektive verändert. Während viele Split Tastaturen in Schaumstoff oder einfachem Karton kommen, wirkt dieser Koffer wie ein Bestandteil der Produktidee: Go60 soll nicht nur auf dem Schreibtisch existieren, sondern regelmäßig verpackt und wieder ausgepackt werden. Das setzt voraus, dass das Verstauen schnell geht und die Oberfläche nicht nach zwei Wochen aussieht wie ein Testgerät aus dem Labor.

Das Case selbst ist kompakt und flach, passend zur 60 Prozent Klasse, aber durch die Split Architektur in der Breite verteilt. Der Innenraum ist so ausgelegt, dass beide Hälften ohne Druckpunkte sitzen. Das ist wichtig, weil bei kompakten Low Profile Tastaturen die Bauteilhöhe gering ist, die empfindlichen Stellen aber oft an der Oberseite liegen: Keycaps, Trackpad Flächen, Schalteraufnahme.

Ein interessantes Detail: Der Case Gedanke schützt nicht nur die Tastatur, sondern stabilisiert das gesamte Unboxing. Sobald dieser Koffer existiert, hat jedes Teil „seinen Ort“. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass später Kabel in Schubladen verschwinden und bei Bedarf fehlen. In der Praxis sind genau solche Dinge die Ursache für Frust, nicht die Hauptkomponenten.


Inhaltsteilung: zwei Hälften, symmetrische Logik, asymmetrische Realität

Beim Herausnehmen der Tastaturhälften fällt sofort die Geometrie auf. Go60 ist nicht einfach ein normales 60 Prozent Keyboard, das in zwei Teile gesägt wurde. Die Fingersektionen sind ortholinear und spaltenbasiert, mit einem markanten Stagger im Bereich der kleinen Finger. Das entspricht den technischen Angaben: sechs Spalten, vier bis fünf Reihen, dazu eine aggressivere Pinky Staffelung. Außerdem gibt es einen dreitastigen Daumencluster, gebogen und in einer Reihe angeordnet.

Diese Form ist nicht nur ergonomisch motiviert, sondern auch mechanisch. Die Kanten und Radien sind so gestaltet, dass beide Hälften nebeneinander eine klare Innenkante bilden. Die Außenkante bleibt relativ ruhig, was für Tasche und Case relevant ist. Bei Produkten, die oft transportiert werden, entstehen Schäden meist an Außenkanten, nicht an Innenflächen.


Integrierte Zeigegeräte: zwei runde Trackpads als Design Statement

Das auffälligste Element: die zwei großen, runden Flächen auf jeder Hälfte. Laut technischer Spezifikation sind hier zwei integrierte 40 mm Trackpads verbaut. Das ist ein zentraler Bestandteil des Go60 Konzepts. Statt separater Maus oder Trackball soll das Zeigegerät in Griffweite sitzen, symmetrisch links und rechts. Dieses Setup wirkt im ersten Moment ungewohnt, ist aber konsequent: Eine mobile, ergonomische Arbeitsstation ist nur dann wirklich mobil, wenn nicht zusätzlich ein externes Zeigegerät eingepackt werden muss.

Die Trackpad Flächen sitzen eingelassen in einer rechteckigen Zone, die zugleich als ruhige Auflagefläche dient. Das deutet darauf hin, dass diese Bereiche nicht nur für Bewegung, sondern auch für „Handruhe“ gedacht sind. Eine solche Doppelfunktion stellt höhere Anforderungen an Material und Oberfläche: Fingerfett, Mikrokratzer, Druckspuren. Dass MoErgo hier großflächig arbeitet, zeigt Selbstbewusstsein. Kleine Trackpads verstecken Abnutzung, große Flächen nicht.

Im Unboxing Kontext heißt das: Schon beim ersten Anfassen wird klar, dass Go60 mehr ist als eine Tastatur. Es ist ein Eingabesystem, bei dem Tastatur und Zeigersteuerung gleichberechtigt sind.


Low Profile Architektur: Schalter, Keycaps, Bauhöhe

Go60 nutzt Low Profile mechanische Schalter aus der Kailh Choc v1 Familie. Diese sind auf eine sehr hohe Lebensdauer ausgelegt, MoErgo nennt hier 50 Millionen plus Betätigungen. Gleichzeitig setzt Go60 auf Hot Swap, also austauschbare Schalter ohne Löten. Das ist ein technisches Feature, das im Unboxing zwar unsichtbar bleibt, aber am Produkt spürbar ist: Die Konstruktion muss dafür stabil sein, die Toleranzen müssen passen, und die Platte muss den Wechsel ohne Verzug überstehen.

Die Keycaps wirken als transluzente POM Caps im MCC Profil. POM ist ein technischer Kunststoff, der für glatte Oberfläche und hohe Abriebfestigkeit bekannt ist. Transluzent kann mehrere Gründe haben: optische Ruhe, eventuell Lichtdurchlässigkeit, oder einfach Materialwahl, weil POM transluzent in bestimmten Mischungen gut funktioniert. In jedem Fall wirkt das Set nicht wie ein Standard OEM Cap Satz, sondern wie eine bewusst gewählte Form, passend zur niedrigen Bauhöhe und zum Reisecharakter.

Die Spezifikation nennt außerdem eine geringe Gesamthöhe: etwa 17,5 mm von Tisch bis Oberkante Keycaps. Das ist der Bereich, in dem Handgelenkwinkel und Auflagekonzept stark davon profitieren, dass keine hohen Stufen entstehen. Im Unboxing zeigt sich das indirekt: Die Tastatur wirkt flach, fast wie ein „Instrument“ statt wie ein klobiges Eingabegerät.


Anschluss und Bedienelemente: USB C, TRRS, Taste, Status

Eine Nahaufnahme der Vorderkanten zeigt pro Hälfte einen USB C Port, einen runden Button sowie einen 3,5 mm Anschluss, der als TRRS Schnittstelle dient. Dieses Trio ist technisch interessant, weil es mehrere Betriebsmodi ermöglicht: rein kabellos, rein kabelgebunden, oder eine hybride Form. MoErgo beschreibt ausdrücklich, dass Go60 sich durch USB und TRRS als vollständig kabelgebundene Split Tastatur nutzen lässt, inklusive Option, drahtlose Funktion komplett zu deaktivieren.

Der runde Button sitzt unmittelbar neben dem Anschlussfeld. Solche Buttons sind in der Praxis oft Multi Funktion: Pairing, Wake, Reset oder Mode Switch. Ohne Software und ohne Betrieb bleibt das hier bewusst auf Hardwareebene. Trotzdem: Die Positionierung ist sinnvoll. Der Button ist erreichbar, ohne die Tastatur umdrehen zu müssen. Gerade unterwegs, in wechselnden Setups, spart das Zeit.

Kleine Statusöffnungen oder LEDs sind ebenfalls sichtbar. In einem mobilen Gerät sind Statusanzeigen nicht Dekoration, sondern Diagnose. Eine LED sagt mehr als eine App, wenn gerade keine App zur Hand ist. Das ist der Unterschied zwischen „Consumer Gadget“ und „Werkzeug“.


Zubehör: Kabelsatz und Verbindungskonzept

Im Zubehör finden sich zwei weiße USB Kabel, eines als USB A auf USB C, eines als USB C auf USB C. Dazu kommt ein kurzes schwarzes Kabel, das als TRRS Verbindung dient. Diese Auswahl ist pragmatisch: USB A ist noch immer häufig, USB C ist Standard an modernen Laptops und Tablets. Die 1 Meter Länge wirkt wie ein Mittelweg zwischen Desktop und Reise.

Das TRRS Kabel ist dabei der Schlüssel für den „Full Wired Split“ Modus. Ein TRRS Kabel ist mechanisch simpel, aber konzeptionell stark: Es trennt Strom und Datenpfade sauber, je nach interner Architektur. Und es ist ein Signal, dass MoErgo nicht dogmatisch „nur kabellos“ denkt. Gerade in Umgebungen mit restriktiver IT Policy oder Funkstörungen ist Kabelbetrieb nicht Nostalgie, sondern Compliance.

„In theory, there is no difference between theory and practice. In practice, there is.“ – dieser Satz wird oft Edsger Dijkstra zugeschrieben. Bei Eingabegeräten trifft er besonders. Kabel, die beiliegen, sind nicht nur ein Bonus. Sie sind die Absicherung gegen Praxis.


Tenting Hardware: Bars, Pucks und Schrauben als System

Neben den Kabeln liegt eine Reihe von Bauteilen, die auf den ersten Blick wie Montagezubehör wirkt: lange Kunststoffleisten, Schrauben, und zylindrische Elemente. Diese Teile sind kein „Bastelset“, sondern Teil der Tenting Lösung. Go60 nutzt eine magnetisch abnehmbare Tenting Konstruktion mit mehreren festen Winkeln. In der Spezifikation werden sechs Einstellungen genannt, von etwa 6,2 bis 17 Grad. Das ist der Bereich, der bei vielen Ergonomie Setups als sinnvoll gilt, ohne die Stabilität auf dem Tisch zu verlieren.

Die zylindrischen Elemente passen zum Konzept „Tenting Puck“, der auf einem separaten Label als „MoErgo Tenting Puck“ ausgewiesen ist. Dieser Puck ist als Zubehör gedacht, um die Tastatur auf Foto oder Kamera Zubehör mit 1/4”-20 Stativgewinde zu montieren oder hohe Winkel zu realisieren. Der Mounting Puck existiert ebenfalls als offizielles Zubehör, das eine Standardisierung mit fotografischem Equipment ermöglicht. Das ist ein cleverer Ansatz: Statt proprietäre Arme zu bauen, wird ein Industriestandard genutzt.

Das Unboxing zeigt hier eine modulare Philosophie. MoErgo liefert nicht nur Tastatur und Kabel, sondern ein mechanisches Ökosystem: Winkel, Montage, Transport. Ergonomie endet nicht bei Keycaps. Sie fängt dort erst an.


Go60 Palm Rest: separate Box, separate Aufgabe

Zusätzlich zur Haupttastatur liegt eine zweite Verpackung bei: „Go60 Palm Rest“. Auch hier wieder das reduzierte Layout, Linienzeichnung, klare Typografie. Das Palm Rest Set ist ein eigenes Produkt innerhalb des Go60 Systems und wird als optionales Upgrade geführt. Die technische Dokumentation nennt dafür magnetische Befestigung, natürliches Walnussholz, eine Standardneigung von 6 Grad und zusätzliche modulare Tenting Stufen.

Schon beim Öffnen dieser Box fällt die Struktur auf: Wieder Filzbeutel, wieder Transportgedanke. Das ist nicht nur Konsistenz, sondern konsequent. Ein Palm Rest aus Walnussholz ist ein Materialkontrast zur Tastatur, aber zugleich empfindlicher gegenüber Kratzern. Filz als Schutz ist hier besonders sinnvoll.

Im Lieferumfang tauchen zwei Kunststoffbasen auf, dazu die eigentlichen Holzauflagen. Die Basen wirken wie die „Interface Ebene“ zwischen Keyboard und Holz, also mechanische Kopplung, Magnetaufnahme, und Tenting Mechanik. Das Holz selbst ist sauber verarbeitet, die Kanten sind angenehm gerundet, die Oberfläche wirkt geölt oder fein versiegelt. Walnussholz ist nicht nur „Luxus“, sondern funktional: Es fühlt sich warm an, klebt nicht wie manche Soft Touch Kunststoffe und nimmt Hautkontakt gut an.

Ein kurzer Einschub als Anmerkung: Luxusmaterialien in technischen Produkten sind oft riskant, weil sie Erwartungen wecken. Plastik darf nach Werkzeug aussehen, Holz nicht. Holz muss sauber sein, sonst wirkt es schnell wie Deko. In diesem Unboxing wirkt es wie ein ernst gemeintes Bauteil, nicht wie ein Accessoire.


Verstecktes Detail: Die Tenting-Bar im Palm-Rest-Fach

Im unteren Bereich der Go60-Palm-Rest-Verpackung befindet sich ein separates Fach, das auf den ersten Blick leicht übersehen werden kann. In diesem Kompartment liegt die sogenannte Tenting-Bar samt Befestigungselementen. Dieses Bauteil ist integraler Bestandteil des modularen Palm-Rest-Systems und erweitert die ergonomischen Einstellmöglichkeiten deutlich.

Die Tenting-Bar ist eine stabile Kunststoffleiste mit definierten Aufnahmebohrungen. Zusammen mit den beiliegenden Schrauben und Abstandselementen ermöglicht sie eine mechanisch fixierte Neigungsverstellung der Handballenauflage. Während die Standardposition des Palm Rests eine moderate Grundneigung bietet, erlaubt die zusätzliche Bar eine gezielte Erhöhung des Winkels.

Technische Funktion

Durch die Montage der Tenting-Bar an der Unterseite des Palm Rests entsteht eine veränderte Auflagegeometrie:

  • Die Innenkante der Handballenauflage wird angehoben
  • Der Winkel zwischen Tischfläche und Handposition vergrößert sich
  • Die Unterarme können stärker nach innen rotiert werden
  • Der Druck auf die Handgelenke reduziert sich

Diese Anpassung ist besonders relevant bei Split-Keyboards mit ausgeprägtem Tenting-Winkel der Tastaturhälften. Wird die Tastatur steiler aufgestellt, sollte die Handballenauflage entsprechend angepasst werden, um eine konsistente Handgelenksachse zu gewährleisten. Die Tenting-Bar sorgt dafür, dass Palm Rest und Tastatur geometrisch harmonieren.

Mechanische Umsetzung

Die Konstruktion ist bewusst simpel gehalten. Keine stufenlose Mechanik, keine komplexen Scharniere. Stattdessen definierte, reproduzierbare Winkel. Die Schraubverbindung gewährleistet Stabilität auch bei höherem Druck durch die Handballen. Gleichzeitig bleibt das System modular: Die Tenting-Bar kann jederzeit demontiert oder gegen eine andere Konfiguration getauscht werden.

Gerade im Kontext eines mobilen Systems ist diese Lösung sinnvoll. Komplexe Mechanismen erhöhen Gewicht und Fehleranfälligkeit. Eine feste Bar mit klar definiertem Winkel ist robust, leicht und transportfreundlich.

Ergonomischer Mehrwert

Die Möglichkeit, den Winkel der Handballenauflage unabhängig von der Tastaturbasis zu verändern, erweitert den ergonomischen Spielraum erheblich. Unterschiedliche Sitzpositionen, Tischhöhen oder individuelle anatomische Voraussetzungen lassen sich dadurch besser ausgleichen.

Das zusätzliche Fach im Karton wirkt zunächst unscheinbar, erfüllt jedoch eine zentrale Funktion im Gesamtsystem. Die Tenting-Bar ist kein optionales Gimmick, sondern ein strukturelles Element zur Feinjustierung der Handposition.

In der Summe unterstreicht dieses Detail erneut den modularen Ansatz der Go60-Architektur: Anpassbarkeit wird nicht softwareseitig simuliert, sondern mechanisch realisiert.

Magnetische Kopplung: Werkzeuglos, schnell, mobil

Die Palm Rest Einheit ist so gedacht, dass sie magnetisch an der Go60 anliegt, schnell abnehmbar und wieder ansetzbar. Das ist entscheidend für das Reiseprofil. Eine feste Verschraubung wäre stabil, aber nicht mobil. Magnete sind die bessere Wahl, wenn das Produkt regelmäßig in ein Case wandert. Gleichzeitig müssen Magnete stark genug sein, um seitliche Kräfte beim Tippen abzufangen.

Die Dokumentation beschreibt außerdem, dass das Palm Rest selbst eine integrierte Tenting Lösung mit mehreren Stufen besitzt, bis etwa 21,5 Grad. Das erweitert die Go60 Basiswinkel nach oben, ohne dass zusätzliche Arme nötig sind. Im Unboxing zeigen die zylindrischen Teile, dass hier modulare Schritte vorgesehen sind: feste Positionen, reproduzierbar, nicht „irgendwie“.

„Perfection is achieved, not when there is nothing more to add, but when there is nothing left to take away.“ – Antoine de Saint Exupéry. Das Zitat passt als Leitmotiv, weil bei modularem Zubehör genau diese Balance schwierig ist: Zu wenig Zubehör wirkt unfertig, zu viel wirkt überladen. Hier wirkt es strukturiert.


Low-Profile-Schalter im Detail: Plum Blossom 45gf Silent Linear

Bei den verbauten und zusätzlich beiliegenden Schaltern handelt es sich um Plum Blossom 45gf Silent Linear. Diese Low-Profile-Switches gehören zur Kailh-Choc-v1-Kompatibilitätsfamilie und sind speziell auf flache, transportorientierte mechanische Tastaturen ausgelegt.

Bereits optisch lassen sich die Schalter klar identifizieren: transparentes Gehäuse, pinkfarbener Stem, kompakte Bauform. Das transparente Housing erlaubt eine direkte Sicht auf die interne Mechanik – Feder, Stem-Führung und Kontaktstruktur sind klar erkennbar. Der pinke Stem steht hier nicht für Taktileigenschaften, sondern kennzeichnet die lineare Charakteristik mit integriertem Dämpfungsmechanismus.

Technische Charakteristik

  • Linearer Verlauf ohne taktilen Widerstand
  • Auslösekraft: 45 Gramm
  • Silent-Dämpfung integriert
  • Low-Profile-Bauhöhe (Choc v1 Format)
  • Hot-Swap-fähig

Die 45gf Auslösekraft positioniert den Schalter im leichten bis mittleren Bereich. Für mobile und längere Schreibsessions bedeutet das eine reduzierte Ermüdung der Finger bei gleichzeitig kontrollierbarer Rückmeldung.

Die lineare Charakteristik sorgt für einen gleichmäßigen Hub ohne fühlbaren Schaltpunkt. Gerade bei ortholinearen Layouts mit Daumenclustern entsteht dadurch ein sehr flüssiger Bewegungsablauf, da keine Kraftspitzen überwunden werden müssen.

Silent-Mechanik: Warum das relevant ist

Der Zusatz „Silent“ ist kein Marketingbegriff, sondern konstruktiv umgesetzt. In der Regel erfolgt die Geräuschdämpfung über integrierte Silikon- oder Elastomer-Elemente am Stem, die sowohl den Bottom-Out als auch den Top-Out abdämpfen.

Das Resultat ist ein deutlich reduziertes Anschlagsgeräusch. Gerade bei einem mobilen Split-Keyboard ist das entscheidend:

  • Nutzung im Coworking-Space
  • Arbeiten in Meetings
  • Schreiben in Zug oder Flugzeug
  • Einsatz in geteilten Büroräumen

Ein lauter Klick- oder Tactile-Switch wäre hier kontraproduktiv. Die Plum Blossom 45gf Silent Linear sind auf diskrete Akustik optimiert, ohne das mechanische Feedback vollständig zu eliminieren.


Ersatzschalter als funktionale Absicherung

Dass exakt die verbauten Switches als Ersatz beiliegen, ist technisch sinnvoll. Ein einzelner defekter Schalter kann punktuell ersetzt werden, ohne das Tippgefühl zu verändern. Unterschiedliche Federgewichte oder andere Charakteristiken würden die Konsistenz des Layouts stören – insbesondere bei einem ergonomischen Split-System, bei dem Muskelgedächtnis eine große Rolle spielt.

Mobile Geräte sind mechanisch exponierter als stationäre Setups. Ein seitlicher Stoß, ein Druckpunkt im Rucksack oder ein verkantetes Keycap können im ungünstigsten Fall einen Switch beschädigen. Dank Hot-Swap-Sockeln lässt sich ein Plum Blossom 45gf Silent Linear innerhalb weniger Minuten austauschen – ohne Löten, ohne Spezialwerkzeug.

Die beiliegenden Schalter sind daher keine kosmetische Beigabe, sondern eine durchdachte Redundanzmaßnahme.


Spezifische Keycaps: gezielte Redundanz statt vollständiges Zweitset

Auch bei den zusätzlichen Keycaps zeigt sich Systemlogik. Es handelt sich nicht um ein komplettes Ersatzset, sondern um ausgewählte Sonderformen. Besonders betroffen sind Tasten aus dem Daumencluster sowie spezifische Modifier-Positionen.

Das MCC-Profil in transluzentem POM ist nicht universell kompatibel mit klassischen MX-Keycap-Sets. Low-Profile-Choc-v1-Stems besitzen eine eigene Geometrie. Ein Verlust einer Sondertaste unterwegs wäre ohne Ersatz schwierig zu kompensieren.

Die Entscheidung, gezielt kritische Formate beizulegen, statt redundante Standard-1u-Caps zu vervielfachen, ist effizient und praxisnah.

Nicht alles muss doppelt vorhanden sein. Nur das, was funktional schwer ersetzbar wäre.


Systemgedanke: Wartbarkeit als Teil des Konzepts

Die Kombination aus:

  • Hot-Swap-Sockeln
  • identischen Ersatzswitches
  • spezifischen Ersatz-Keycaps
  • kompakter Transportdose

zeigt klar, dass Wartbarkeit in die Produktarchitektur integriert wurde.

Die Go60 ist kein statisches Gerät, sondern ein modulares Werkzeug. Und Werkzeuge benötigen Servicefähigkeit – besonders dann, wenn sie unterwegs eingesetzt werden.

Die Plum Blossom 45gf Silent Linear fügen sich exakt in dieses Konzept ein: leise, leichtgängig, konsistent und austauschbar.


Material und Verarbeitung: technische Nüchternheit, produktive Absicht

Die Tastaturhälften wirken solide, ohne schwer zu sein. Die Gehäuseoberfläche ist matt und gleichmäßig, Fingerabdrücke fallen wenig auf. Schrauben auf der Unterseite sind sauber versenkt, die Gummifüße sitzen großzügig verteilt. Das sorgt für Standfestigkeit, auch ohne Palm Rest.

Auf der Unterseite sind außerdem Label und Zertifizierungskennzeichen sichtbar. Das ist kein Glamour, aber es zeigt Serienidentität und Compliance. Bei Hardware, die auch in Unternehmen eingesetzt wird, sind solche Dinge entscheidend. Ein Produkt, das „nur hübsch“ ist, wird schnell aussortiert. Ein Produkt, das identifizierbar und standardkonform ist, wird integriert.


Verpackungslogik als Qualitätsindikator

Ein Unboxing ist nicht nur „Schachtel auf und fertig“. Es ist ein Stresstest für Prozessqualität: passt alles, ist alles auffindbar, ist alles geschützt, ist alles logisch gruppiert. Bei Go60 wirkt die Gruppierung auffällig klar:

  • Kernhardware in einem Hard Case, nicht lose in Karton
  • Filzbeutel als Schutz und Organisationshilfe
  • Kabelsatz als universelle Brücke in verschiedene Host Welten
  • TRRS Verbindung als Option für „Full Wired Split“
  • Tenting und Montage als mechanisches System, nicht als Einzelteil Sammlung
  • Palm Rest als eigenes Modul mit eigener Transportlogik

Das ergibt ein Bild: Go60 wird nicht als „Board“ verkauft, sondern als Reiseplattform für Eingabe. Und genau deshalb ist das Unboxing hier mehr als Pflichtprogramm. Es zeigt die Architektur des Produkts.

Nachhaltigkeit und Verpackungskonzept: Bewusst reduziert statt bequem produziert

Ein zusätzlicher Punkt verdient im Kontext des Unboxings besondere Aufmerksamkeit: das Verpackungskonzept selbst. Bereits beim ersten Öffnen fällt auf, dass MoErgo einen klar bewussten Ansatz verfolgt.

Sämtliche Verpackungskomponenten bestehen entweder aus recycelbaren Materialien wie Karton oder gepresstem Papierfaserstoff – oder aus Mehrweg-Kunststoffbehältern, wie etwa den beiliegenden Dosen im Stil klassischer Medikamentenbehälter.

Einwegplastik wurde nahezu vollständig vermieden.

Das ist kein beiläufiges Detail, sondern eine strategische Entscheidung. Viele technische Produkte dieser Kategorie setzen noch immer auf:

  • verschweißte Blisterverpackungen
  • dünne Einweg-Kunststoffhüllen
  • nicht wiederverwendbare Inlays
  • Schaumstoffe ohne Recyclingperspektive

Hier ist das anders. Der Karton ist recyclingfähig. Die Formeinlagen bestehen aus gepresstem Papierpulp statt aus expandiertem Kunststoff. Die kleinen Kunststoffdosen sind nicht als Wegwerfverpackung gedacht, sondern als dauerhaft nutzbare Aufbewahrung für Ersatzschalter oder Keycaps.

Gerade im Segment hochwertiger, langlebiger Hardware entsteht häufig ein Widerspruch: nachhaltige Produktphilosophie trifft auf kurzfristige Verpackungslösungen. Bei der Go60 wirkt dieser Widerspruch bewusst aufgelöst.

Die Reduktion von Einwegkunststoff ist dabei nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein qualitativer Aspekt. Verpackungen aus gepresstem Faserstoff wirken stabiler, strukturierter und weniger beliebig als dünne Kunststoffeinlagen.

Es entsteht der Eindruck, dass nicht nur das Produkt selbst modular und langlebig gedacht wurde, sondern auch dessen erste Hülle.

In einem Markt, in dem Nachhaltigkeit oft kommuniziert, aber selten stringent umgesetzt wird, fällt dieser Ansatz positiv auf.


Randnotizen aus der Praxis der Dinge

Ein kleines, aber wichtiges Detail bleibt oft unerwähnt: Die Entscheidung für einen Hard Case und Filzbeutel wirkt banal, verhindert aber das häufigste mobile Tastaturproblem: Schmutz und Abrieb. In Rucksäcken und Taschen ist Staub allgegenwärtig. Staub findet Spalten. Low Profile Mechanik ist dabei nicht immun. Ein Case ist keine „Schönheit“, es ist Risikominimierung.

Eine zweite Randnotiz: Das Unboxing ohne Papierhandbuch zwingt zur digitalen Dokumentation. Das kann nerven, wenn gerade kein Netz verfügbar ist. Gleichzeitig ist es sinnvoll, weil sich Firmware, Troubleshooting und Supporttexte ändern. MoErgo setzt hier klar auf Aktualität statt Druckromantik. In einer Produktkategorie, in der viele Nutzer ohnehin Community und Guides nutzen, ist das realistisch.

Magnetische Kopplung und Palm Rest (separat erhältlich)

Das magnetische Kopplungssystem sowie das Walnuss-Palm-Rest gehören nicht zum serienmäßigen Lieferumfang der Go60-Tastatur. Beide Komponenten sind optionale Zubehörteile und werden separat verkauft.

Das Palm Rest wird magnetisch an der Go60 befestigt und ermöglicht eine schnelle Montage sowie Demontage ohne Werkzeug. Dieses Design unterstützt die modulare Flexibilität und den mobilen Einsatz. Eine feste Verschraubung würde zwar die strukturelle Steifigkeit erhöhen, jedoch die Portabilität deutlich einschränken. Die magnetische Schnittstelle bietet einen ausgewogenen Kompromiss zwischen sicherem Halt im Betrieb und schneller Abnahme für den Transport.

Laut offizieller Spezifikation integriert das Palm Rest zusätzliche Tenting-Winkel von bis zu etwa 21,5 Grad und erweitert damit den ergonomischen Einstellbereich über die Basiskonfiguration der Tastatur hinaus. Diese Funktionalität steht jedoch ausschließlich in Verbindung mit dem separat erhältlichen Palm-Rest-Modul zur Verfügung.

„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn nichts mehr wegzunehmen ist.“ – Antoine de Saint-Exupéry

Dieses Zitat unterstreicht die modulare Philosophie hinter dem Go60-Ökosystem: Die Basistastatur ist eigenständig vollständig nutzbar, während optionale Erweiterungen wie das magnetische Palm Rest den ergonomischen Spielraum gezielt erweitern.


„Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:

Die in diesem Testbericht vorgestellte MoErgo Go60 wurde uns von MoErgo als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.

MoErgo hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.

Wir bedanken uns herzlich bei MoErgo für die Bereitstellung der Tastatur und des Zubehörs sowie das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.“

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