EPOMAKER GX1 im Test: Wenn ein Tastaturhersteller plötzlich wissen will, wie Gaming klingen soll
- Open Back: Das wichtigste Merkmal steht fast unscheinbar auf dem Datenblatt
- 50 Millimeter sind keine Klangqualitätsgarantie
- Räumlichkeit statt akustischer Abrissbirne
- 25 Millisekunden: Weshalb 2,4 GHz beim Spielen wichtiger als Bluetooth ist
- Kabel ist beim GX1 keine Kapitulation
- Zwei Mikrofone und eine erstaunlich vernünftige Entscheidung
- 320 Gramm: Komfort ist mehr als eine Zahl auf der Waage
- Kunststoff, Metall und ein roter Exoskelett-Look
- RGB: Hübsch, völlig unnötig und erstaunlich teuer für den Akku
- 2.000 mAh und bis zu 70 Stunden: Der Akku ist größer als erwartet
- Software: Funktion vor Schönheit
- Gaming ist nur die halbe Geschichte
- Ein günstiges Headset mit ungewöhnlich wenig Sparzwang
- Fazit: Das erste Headset fühlt sich erstaunlich wenig nach einem ersten Versuch an
- Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:
EPOMAKER gehört zu jenen Herstellern, deren Name bislang ziemlich zuverlässig eine Assoziation ausgelöst hat: Tastaturen. Mechanische Switches, Hall Effect, TMR, ungewöhnliche Layouts, Keycaps und eine Produktfrequenz, bei der gelegentlich der Verdacht entsteht, irgendwo in Shenzhen müsse eine Maschine stehen, die über Nacht aus Aluminium, Kunststoff und Switches neue Tastaturen ausspuckt. Mit dem GX1 verlässt EPOMAKER dieses vertraute Terrain ziemlich deutlich. Ein Gaming-Headset ist schließlich keine Tastatur mit zwei Lautsprechern am Bügel. Akustik, Funktechnik, Mikrofon, Ergonomie, Signalverarbeitung und Stromversorgung müssen gleichzeitig funktionieren. Dazu kommt ein Markt, in dem Logitech, Razer, SteelSeries, HyperX, Corsair und zahlreiche weitere Hersteller seit Jahren um Köpfe und Ohren kämpfen.
Ausgerechnet dort setzt EPOMAKER mit einem Headset an, das aktuell rund 50 US-Dollar kostet und auf dem Papier beinahe verdächtig viel bietet. 50-mm-Treiber, offene Ohrmuscheln, virtueller 7.1-Surround-Sound, 2,4-GHz-Funk, Bluetooth, kabelgebundener Betrieb, zwei Mikrofonlösungen, RGB-Beleuchtung und ein 2.000-mAh-Akku passen eher zu einer Liste, die während einer Produktbesprechung mit dem Satz „Was könnten wir noch hineinpacken?“ entstanden sein könnte.
Die eigentliche Überraschung steckt allerdings nicht in der Länge dieser Liste. EPOMAKER hätte problemlos ein gewöhnliches geschlossenes Gaming-Headset bauen können, etwas RGB daraufsetzen und anschließend Feierabend machen können. Stattdessen besitzt das GX1 eine offene Konstruktion. Genau diese Entscheidung prägt den Charakter des Headsets stärker als Beleuchtung, virtueller Surround-Sound oder die Größe seiner Treiber.
Das GX1 ist deshalb ein interessantes Debüt. Nicht, weil EPOMAKER versucht, die etablierte Konkurrenz mit spektakulärer Technik zu überholen. Interessant wird es dort, wo für vergleichsweise wenig Geld ein ungewöhnlich vollständiges Gesamtsystem entsteht, dessen technische Entscheidungen teilweise erstaunlich sinnvoll ineinandergreifen.
Open Back: Das wichtigste Merkmal steht fast unscheinbar auf dem Datenblatt
Geschlossene Gaming-Headsets dominieren nicht ohne Grund. Eine geschlossene Ohrmuschel schirmt Umgebungsgeräusche zumindest teilweise ab, hält gleichzeitig einen großen Teil des erzeugten Schalls innerhalb der Muschel und erleichtert eine kräftige Bassabstimmung. Der Nachteil liegt in einer häufig enger wirkenden räumlichen Darstellung und einer schlechteren Belüftung.
Das GX1 geht den entgegengesetzten Weg. Hinter dem großflächigen Gitter der Ohrmuscheln sitzen die dynamischen 50-mm-Treiber nicht in einer akustisch weitgehend abgeschlossenen Kammer. Luft und Schall können durch die Rückseite entweichen. Das klingt zunächst nach einer konstruktiven Kleinigkeit, verändert die Wiedergabe aber erheblich.
Ein Lautsprechertreiber bewegt Luft. Seine Membran schwingt nach vorne und hinten, wodurch auf beiden Seiten Druckschwankungen entstehen. In einer geschlossenen Ohrmuschel muss der rückwärtige Anteil innerhalb eines definierten Volumens kontrolliert werden. Bei einer offenen Konstruktion kann sich dieser Druck wesentlich freier ausgleichen. Dadurch entsteht häufig ein luftigeres Klangbild mit einer räumlicher wirkenden Bühne.
Genau dort liegt eine der größten Stärken des GX1.
Spiele wirken nicht so, als würden sämtliche Geräusche wenige Zentimeter neben dem Trommelfell stattfinden. Umgebungsgeräusche bekommen Platz. Stimmen stehen nachvollziehbarer im Raum, Schritte lassen sich voneinander trennen und Musik profitiert von einer Darstellung, die weniger eingeengt wirkt. Das ist kein echter Surround-Sound und schon gar keine physikalische Magie. Zwei Treiber bleiben zwei Treiber. Das Gehirn übernimmt einen erheblichen Teil der räumlichen Interpretation anhand von Pegel-, Laufzeit- und Frequenzunterschieden zwischen beiden Ohren.
Das offene Gehäuse liefert dafür allerdings eine ausgesprochen angenehme Grundlage.
Der Preis dieser Konstruktion ist ebenso physikalisch wie unvermeidbar: Isolation gehört nicht zu den Talenten des GX1. Geräusche aus dem Raum bleiben hörbar und umgekehrt gelangt Musik nach außen. Für eine nächtliche Gaming-Session im selben Zimmer wie eine schlafende Person ist ein Open-Back-Headset ungefähr so diplomatisch wie eine mechanische Tastatur mit Clicky-Switches.
Dafür besitzt die Offenheit im Alltag einen Vorteil, der bei Gaming-Produkten erstaunlich selten diskutiert wird. Die akustische Außenwelt verschwindet nicht vollständig. Türklingel, Telefon, Stimmen oder andere Geräusche der Umgebung bleiben wahrnehmbar. In einem ruhigen Arbeitszimmer kann genau das angenehmer sein als die künstliche Abgeschiedenheit eines stark isolierenden Headsets.

50 Millimeter sind keine Klangqualitätsgarantie
„50-mm-Treiber“ liest sich auf Verpackungen hervorragend. Eine größere Zahl sieht schließlich beeindruckender aus als eine kleinere. Akustik besitzt allerdings die unangenehme Eigenschaft, Marketingabteilungen nicht automatisch recht zu geben.
Der Durchmesser eines Treibers allein sagt wenig über dessen tatsächliche Qualität aus. Membranmaterial, Masse, Magnetantrieb, Schwingspule, Dämpfung, Gehäusevolumen und Abstimmung spielen mindestens ebenso große Rollen. Ein hervorragend entwickelter 40-mm-Treiber kann einem schlecht abgestimmten 50-mm-Modell problemlos zeigen, wo der akustische Hammer hängt.
Beim GX1 sind die 50-mm-Treiber trotzdem sinnvoll gewählt. Der angegebene Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz entspricht ziemlich genau dem klassischen hörbaren Bereich und ist erfreulich unspektakulär. Keine Fantasiewerte bis 40 oder 50 kHz, die auf einer Verpackung großartig aussehen, für menschliche Ohren aber kaum praktische Relevanz besitzen.
Klanglich verfolgt das GX1 keine extreme Badewannenabstimmung mit gewaltigem Bass und aggressiv angehobenen Höhen. Gerade das ist positiv. Tiefe Frequenzen besitzen Substanz, werden durch die offene Bauweise jedoch nicht mit dem Druck eines geschlossenen Bassmonsters präsentiert. Explosionen haben Körper, elektronische Musik besitzt Fundament und Motorengeräusche klingen nicht dünn. Der Bass versucht allerdings nicht permanent, sämtliche anderen Frequenzen unter einem akustischen Teppich zu begraben.
Mitten profitieren davon. Stimmen bleiben präsent, Dialoge verständlich und Instrumente nachvollziehbar getrennt. Besonders Spiele mit dichter Geräuschkulisse profitieren von dieser Zurückhaltung. Sobald Musik, Umgebung, Dialoge und Effekte gleichzeitig auftreten, entscheidet weniger der maximale Basspegel als die Fähigkeit eines Headsets, diese Informationen auseinanderzuhalten.
Das GX1 beherrscht genau das erstaunlich ordentlich.
In den Höhen bleibt genügend Energie erhalten, damit Schritte, metallische Geräusche und kleinere Details nicht verschwinden. Gleichzeitig kippt die Abstimmung nicht permanent ins Scharfe. Bei hohen Lautstärken verliert das Headset etwas von seiner Gelassenheit. Das ist in dieser Preisklasse weder überraschend noch dramatisch. Interessanter ist ohnehin der Bereich normaler Hörlautstärken, und dort entsteht ein ausgewogenes Klangbild, das deutlich erwachsener wirkt, als Preis und Gaming-Optik zunächst vermuten lassen.

Räumlichkeit statt akustischer Abrissbirne
Ein gutes Gaming-Headset muss keine Explosion so reproduzieren, dass anschließend der Schreibtisch nach einem Statiker verlangt. Entscheidender ist häufig, ob verschiedene Schallereignisse räumlich auseinandergehalten werden können.
Hier zahlt sich die offene Konstruktion erneut aus.
In Shootern entstehen nachvollziehbare Richtungsinformationen. Ein Geräusch links hinten fühlt sich nicht lediglich leiser rechts an, sondern besitzt tatsächlich eine erkennbare Position innerhalb der virtuellen Bühne. Spiele mit hochwertiger eigener Audioengine profitieren davon besonders.
Dabei lohnt ein kritischer Blick auf den beworbenen 7.1-Surround-Sound. Im GX1 sitzen keine acht diskreten Lautsprecher rund um den Kopf. Der Surround-Eindruck entsteht durch digitale Signalverarbeitung. Das Audiosignal wird so verändert, dass Laufzeit- und Frequenzinformationen den Eindruck verschiedener Richtungen erzeugen.
Das kann bei Filmen und atmosphärischen Spielen durchaus Spaß bereiten. Räume erscheinen größer, Effekte breiten sich stärker aus und ein Singleplayer-Spiel kann dadurch cineastischer wirken.
Für kompetitives Gaming ist mehr Verarbeitung allerdings nicht automatisch besser.
Sobald ein Spiel selbst bereits sehr gutes binaurales oder objektbasiertes Audio erzeugt, kann eine zusätzliche Virtualisierung sogar Informationen verwischen. Aus einer sauber berechneten Position wird anschließend eine zweite Interpretation derselben Position. Das erinnert ein wenig daran, einen bereits gewürzten Teller noch einmal vorsorglich zu würzen. Gelegentlich entsteht etwas Großartiges. Gelegentlich schmeckt anschließend nur noch Pfeffer.
Stereo sollte deshalb keinesfalls als minderwertiger Betriebszustand betrachtet werden. Beim GX1 ist gerade die Kombination aus Stereo und offenem Gehäuse ausgesprochen überzeugend.

25 Millisekunden: Weshalb 2,4 GHz beim Spielen wichtiger als Bluetooth ist
Das GX1 unterstützt drei grundlegende Verbindungsarten: 2,4-GHz-Funk, Bluetooth und Kabel. Diese Vielfalt klingt zunächst nach Komfort, hat aber einen technischen Hintergrund.
Bluetooth ist hervorragend für Smartphones, Tablets und Musik geeignet. Für zeitkritische Spiele ist Bluetooth-Audio dagegen problematischer, weil Kodierung, Übertragung, Pufferung und Dekodierung zusätzliche Verzögerungen erzeugen. EPOMAKER gibt für Bluetooth je nach Betriebszustand eine Latenz zwischen 34 und 200 Millisekunden an. Die enorme Spannweite zeigt bereits, weshalb Bluetooth nicht die erste Wahl für schnelle Spiele sein sollte.
Über die proprietäre 2,4-GHz-Verbindung nennt EPOMAKER dagegen 25 Millisekunden.
25 Millisekunden entsprechen 0,025 Sekunden. Auf Papier klingt selbst das nach einer messbaren Verzögerung, praktisch liegt dieser Wert niedrig genug, damit Bild und Ton sehr eng zusammenbleiben. Ein Schuss wird abgefeuert und das Geräusch folgt nicht gefühlt einen Augenblick später. Lippenbewegungen und Sprache driften nicht sichtbar auseinander.
Der mitgelieferte Funkempfänger übernimmt deshalb die wichtigste Verbindung für PC und Konsole. Unterstützt werden unter anderem PC, Mac, PlayStation 4, PlayStation 5 und Nintendo Switch. Bei Xbox-Series-Konsolen bleibt aufgrund der dortigen Funkarchitektur der kabelgebundene Betrieb.
Die physische Umschaltung zwischen 2,4 GHz und Bluetooth gefällt dabei gerade deshalb, weil sie unspektakulär ist. Kein Rätselraten, welche Quelle gerade Priorität besitzt, kein intelligentes Umschalten, das gelegentlich intelligenter sein möchte als sein Besitzer. Ein Schalter bestimmt den Modus. Fertig.
Gelegentlich ist die beste Benutzeroberfläche tatsächlich ein Stück Kunststoff, das zwei Positionen kennt.
Kabel ist beim GX1 keine Kapitulation
Wireless-Headsets haben Kabel über Jahre beinahe zum Symbol eines technischen Rückschritts erklärt. Das GX1 behandelt den kabelgebundenen Betrieb erfreulich pragmatisch.
Zum Lieferumfang gehören sowohl ein USB-A-auf-USB-C-Kabel als auch eine USB-C-auf-3,5-mm-Verbindung. Damit bleibt das Headset auch dann verwendbar, wenn Funk nicht gewünscht wird oder der Akku gerade leer ist. Gleichzeitig lässt es sich während des Betriebs laden.
Das klingt banal, verhindert aber einen Klassiker der drahtlosen Peripherie: Der Akku verabschiedet sich genau während einer Session, worauf ein kabelloses Produkt plötzlich für Stunden zu einem ausgesprochen dekorativen Stück Kunststoff wird.
Beim GX1 führt ein leerer Akku eher zu einer unfreiwilligen Rückkehr ins Jahr 2010: Kabel hinein, weitermachen.
Diese Redundanz gehört zu den sinnvollsten Eigenschaften des Headsets. Bluetooth deckt mobile Geräte ab, 2,4 GHz übernimmt latenzkritisches Gaming und Kabel bleibt als universelle Rückfallebene.

Zwei Mikrofone und eine erstaunlich vernünftige Entscheidung
Beim Mikrofon geht EPOMAKER ebenfalls einen ungewöhnlich vollständigen Weg. Im Headset befindet sich ein integriertes Mikrofon, zusätzlich liegt ein abnehmbares Boom-Mikrofon mit ENC bei.
ENC steht für Environmental Noise Cancellation. Anders als ANC auf der Wiedergabeseite soll ENC nicht den Raum für die Ohren leiser machen, sondern störende Umgebungsgeräusche im Mikrofonsignal reduzieren. Lüfterrauschen, Klimaanlage oder konstante Hintergrundgeräusche können dadurch abgeschwächt werden.
Zauberei findet dabei nicht statt.
Eine Tastatur unmittelbar vor dem Mikrofon bleibt eine Tastatur unmittelbar vor dem Mikrofon. Besonders harte Anschläge und Mausklicks können weiterhin übertragen werden. Die Signalverarbeitung kann Störungen reduzieren, aber keine akustische Realität abschaffen.
Das abnehmbare Boom-Mikrofon besitzt einen entscheidenden konstruktiven Vorteil: Es sitzt näher am Mund. Dadurch kann die Stimme mit höherem Nutzpegel aufgenommen werden, während weiter entfernte Geräusche relativ dazu leiser ausfallen. Das ist ein simpler physikalischer Vorteil, gegen den auch ausgefeilte Algorithmen nur schwer ankommen.
Für Discord, Teamspeak, In-Game-Chat und normale Gespräche liefert die Konstruktion eine brauchbare Sprachverständlichkeit. Ein Studiomikrofon ersetzt sie nicht, und das wäre bei einem Headset dieser Preisklasse eine reichlich absurde Erwartung. Stimmen bleiben ausreichend deutlich, während ENC vor allem gleichmäßige Hintergrundgeräusche reduziert.
Wird das Boom-Mikrofon entfernt, bleibt das integrierte Mikrofon verfügbar. Die Stimme wirkt dadurch entfernter und weniger unmittelbar, doch für spontane Gespräche ist diese Lösung ausgesprochen praktisch. Gleichzeitig verschwindet der Mikrofonarm vollständig, wenn das GX1 ausschließlich zum Musikhören verwendet wird.
Kleine Entscheidung, großer Alltagsnutzen.

320 Gramm: Komfort ist mehr als eine Zahl auf der Waage
Mit rund 320 Gramm gehört das GX1 weder zu den extrem leichten noch zu den schweren Gaming-Headsets. Entscheidend ist ohnehin nicht ausschließlich die Masse, sondern deren Verteilung.
Der gepolsterte Kopfbügel verteilt das Gewicht über eine relativ große Fläche. Die Größenverstellung arbeitet in sieben Stufen, wodurch sich die Position der Ohrmuscheln an unterschiedliche Kopfformen anpassen lässt. Die großen Polster umschließen die Ohren vollständig.
Die Kunst eines guten Over-Ear-Headsets besteht dabei in einem kleinen mechanischen Widerspruch. Zu wenig Anpressdruck lässt es bei jeder stärkeren Kopfbewegung verrutschen. Zu viel Druck verwandelt eine dreistündige Gaming-Session in eine sehr langsame Demonstration darüber, weshalb Schraubstöcke nicht als Kopfbedeckung verkauft werden.
Das GX1 findet einen brauchbaren Mittelweg.
Die Polster sind weich genug, um den seitlichen Druck großflächig zu verteilen. Brillenträger profitieren davon, dass die Bügel nicht brutal zwischen Kopf und Polster eingeklemmt werden. Die offene Konstruktion reduziert gleichzeitig den thermischen Hitzestau etwas.
Ganz kühl bleiben Kunstlederpolster trotzdem nicht. Physik lässt sich auch durch RGB nicht bestechen. Nach mehreren Stunden entsteht Wärme, allerdings weniger eingeschlossen als bei vollständig geschlossenen Ohrmuscheln.
Die siebenstufige Verstellung verdient ebenfalls Erwähnung. Eine definierte Rasterung erleichtert es, nach Transport oder Verstellung wieder zur bevorzugten Position zurückzukehren. Gleichzeitig wirkt die Konstruktion ausreichend stabil, ohne dass der Bügel unnötig massiv ausfällt.
Kunststoff, Metall und ein roter Exoskelett-Look
Beim Design versteckt das GX1 seine Gaming-Abstammung ungefähr so überzeugend wie ein Sportwagen mit Heckflügel auf dem Parkplatz eines Steuerbüros.
Schwarz dominiert die Flächen, rote Metallstreben laufen außen um die Ohrmuscheln und durch die offenen Gitter scheint die RGB-Beleuchtung. Dahinter sitzt das beleuchtete EPOMAKER-Logo. Subtil sieht anders aus.
Interessanter ist die Konstruktion unterhalb der Beleuchtung. EPOMAKER kombiniert Kunststoff mit metallischen Elementen und nutzt eine lackierte beziehungsweise galvanisch behandelte Oberfläche. Bei einem Headset um 50 Dollar wäre eine vollständig aus Metall aufgebaute Konstruktion weder wirtschaftlich noch zwangsläufig sinnvoll. Metall erhöht schließlich auch Masse.
Kunststoff ist deshalb nicht automatisch ein Qualitätsmangel. Entscheidend sind Materialstärke, Geometrie und die Belastung der Gelenkpunkte. Gerade die roten äußeren Streben geben dem GX1 eine zusätzliche visuelle und mechanische Struktur.
Das Ergebnis fühlt sich nicht nach einem Premium-Headset für mehrere hundert Euro an. Es fühlt sich allerdings auch nicht nach einem Produkt an, dessen Lebensplanung bereits beim ersten Knarzen beendet scheint.
Dazu kommt eine erfreulich einfache Bedienung. Tasten für zentrale Funktionen, ein klassisches Lautstärkerad, ein physischer Funkwahlschalter und USB-C benötigen keine Eingewöhnungsphase. Die Tasten könnten sich blind deutlicher voneinander unterscheiden, da ihre ähnliche Form die Orientierung erschwert. Nach etwas Gewöhnung funktioniert die Bedienung trotzdem zuverlässig.

RGB: Hübsch, völlig unnötig und erstaunlich teuer für den Akku
Die RGB-Beleuchtung sitzt hinter den offenen Gittern der Ohrmuscheln und funktioniert optisch hervorragend mit deren Wabenstruktur. Licht scheint nicht einfach durch einen Kunststoffring, sondern erhält durch das Gitter eine gewisse Tiefe.
Der praktische Nutzen beträgt exakt null.
Das ist völlig in Ordnung.
Nicht jede Eigenschaft eines Gaming-Produkts muss einen messbaren Wettbewerbsvorteil erzeugen. Ein beleuchtetes Headset sieht auf dem Schreibtisch oder Headsethalter interessanter aus. Mehr Rechtfertigung braucht Beleuchtung nicht.
Spannend wird RGB erst beim Energieverbrauch.
EPOMAKER nennt bis zu 70 Stunden Laufzeit bei deaktivierter Beleuchtung und rund 30 Stunden mit eingeschaltetem RGB. Das bedeutet eine Differenz von bis zu 40 Stunden. Anders formuliert: Die kleinen Lichtquellen schaffen es gemeinsam mit ihrer Ansteuerung, die theoretische Nutzungsdauer mehr als zu halbieren.
Plötzlich bekommt der Begriff „Gaming-Beleuchtung“ eine unerwartet konkrete Stromrechnung.
Wer das Headset ohnehin trägt, sieht die Beleuchtung selbst nicht. Die ökonomisch sinnvollste RGB-Einstellung lautet deshalb ausgerechnet „Aus“. Für Fotos und den beleuchteten Gaming-Schreibtisch sieht das GX1 mit aktivem RGB allerdings deutlich charakteristischer aus.

2.000 mAh und bis zu 70 Stunden: Der Akku ist größer als erwartet
Ein 2.000-mAh-Akku ist für ein Headset dieser Preisklasse bemerkenswert großzügig dimensioniert. Die daraus resultierenden bis zu 70 Stunden ohne Beleuchtung verändern den Alltag stärker als spektakuläre Klangmodi.
Akkulaufzeit ist bei drahtloser Peripherie vor allem dann gut, wenn sie irgendwann langweilig wird. Ein Headset, dessen Ladestand täglich Aufmerksamkeit verlangt, hat seine kabellose Freiheit nur teilweise verstanden. Mit mehreren Dutzend Stunden zwischen den Ladezyklen rückt das GX1 deutlich näher an dieses Ideal.
Die angegebene Ladezeit von ungefähr drei Stunden und zwanzig Minuten wirkt angesichts der Akkukapazität plausibel, ist allerdings kein Schnellladerekord. Das muss sie auch nicht sein. Laden während des Betriebs entschärft die Situation vollständig.
Interessant ist eher die Entscheidung zwischen 30 und 70 Stunden. Mit RGB bleibt genügend Laufzeit für mehrere lange Sessions. Ohne RGB wird aus regelmäßigem Laden eine gelegentliche Wartungsaufgabe.
Das ist eine Wahl, bei der der technische Verstand und der kleine beleuchtete Gaming-Goblin auf der Schulter vermutlich unterschiedliche Empfehlungen aussprechen.
Software: Funktion vor Schönheit
Hardware dieser Preisklasse wird häufig durch Begleitsoftware ruiniert, die nach Account, Cloud, Updates, Autostart und vermutlich irgendwann noch nach der Blutgruppe fragt. Beim GX1 fällt die Softwareseite wesentlich nüchterner aus.
Für weitergehende Einstellungen kommt Xear ONE beziehungsweise eine auf C-Media-Technik basierende Lösung zum Einsatz. Darüber stehen Equalizer-Funktionen, virtueller 7.1-Sound, Mikrofoneinstellungen und verschiedene Audioeffekte zur Verfügung.
Optisch gehört diese Software nicht zu den Dingen, die später einmal im Museum of Modern Art landen dürften. Funktional erfüllt sie ihren Zweck.
Der Equalizer ist dabei erheblich interessanter als irgendwelche Raumklangeffekte. Unterschiedliche Ohren, Spiele und Musikstile profitieren von unterschiedlichen Abstimmungen. Wer etwas mehr Tiefton möchte, kann nachhelfen. Stimmen lassen sich hervorheben, Höhen reduzieren oder bestimmte Frequenzbereiche für Spiele stärker betonen.
Weniger überzeugend ist, dass die Software nicht dieselbe Integrationstiefe bietet wie die Ökosysteme großer Peripheriehersteller. Eine wirklich elegante Anzeige des Akkustands oder umfassende RGB-Verwaltung wären beispielsweise willkommen.
Bei einem rund 50 Dollar teuren Headset wirkt dieser Kritikpunkt allerdings eher wie der Hinweis auf eine offene Baustelle als ein fundamentaler Mangel.

Gaming ist nur die halbe Geschichte
Das Interessante am GX1 ist, dass seine Eigenschaften außerhalb von Spielen beinahe ebenso sinnvoll zusammenspielen.
Für Musik sorgt die offene Konstruktion für eine breite Darstellung, die besonders bei akustischen Aufnahmen, Rock, Jazz, orchestralen Soundtracks und Live-Aufnahmen angenehm wirkt. Der Bass bleibt kontrollierter als bei vielen geschlossenen Gaming-Headsets. Wer Musik ausschließlich danach bewertet, ob bei jedem Kickbass die Frisur neu sortiert wird, findet andernorts passendere Kandidaten.
Filme profitieren stärker vom räumlichen Charakter. Dialoge bleiben im Zentrum verständlich, während Umgebungsgeräusche Platz bekommen. Der virtuelle Surround-Modus kann hier durchaus zusätzliche Atmosphäre erzeugen.
Im Arbeitsalltag kommen Bluetooth, das integrierte Mikrofon und die lange Akkulaufzeit zum Tragen. Für einen Videocall muss nicht zwangsläufig der Mikrofonarm montiert werden. Für längere Gespräche liefert das Boom-Mikrofon anschließend die bessere Sprachqualität.
Genau diese Vielseitigkeit macht das GX1 interessanter als ein Headset, das ausschließlich auf Gaming optimiert wurde.

Ein günstiges Headset mit ungewöhnlich wenig Sparzwang
Bei einem Produkt dieser Preisklasse beginnt ein Test normalerweise mit der Suche nach den Stellen, an denen gespart wurde. Irgendwo muss der Rotstift schließlich gewohnt haben.
Beim GX1 existieren solche Stellen durchaus. Die Materialanmutung erreicht kein Premium-Niveau. Die Software könnte moderner und tiefer integriert sein. Das virtuelle 7.1 ist eher eine Option als ein zwingender Grund für den Kauf. Die offene Bauweise eignet sich schlecht für laute Umgebungen und verhindert jede ernsthafte passive Isolation. Der Bass besitzt weniger körperlichen Druck als bei einem geschlossenen Headset. Auch die Tasten könnten haptisch eindeutiger voneinander getrennt sein.
Bemerkenswert ist allerdings, was nicht dem Rotstift zum Opfer gefallen ist.
Der Funkbetrieb funktioniert über einen eigenen 2,4-GHz-Empfänger. Bluetooth ist zusätzlich vorhanden. Kabelbetrieb bleibt möglich. USB-C dient zum Laden und zur Verbindung. Das Mikrofon lässt sich entfernen, ohne dass anschließend gar kein Mikrofon mehr vorhanden wäre. Der Akku besitzt mit 2.000 mAh ordentliche Reserven. Die Ohrmuscheln sind tatsächlich offen konstruiert und nicht lediglich mit einem dekorativen Gitter versehen. 50-mm-Treiber liefern ein ausgewogenes, räumliches Klangbild.
EPOMAKER hat beim GX1 also nicht versucht, einen einzelnen spektakulären Wert möglichst groß auf die Verpackung zu schreiben und den Rest irgendwie darumzubauen. Stattdessen wurde eine erstaunlich komplette technische Plattform zusammengestellt.
Fazit: Das erste Headset fühlt sich erstaunlich wenig nach einem ersten Versuch an
Das EPOMAKER GX1 ist ein merkwürdiges Produkt im positiven Sinn. Ein Hersteller, dessen Name fast synonym mit mechanischen Tastaturen geworden ist, betritt einen völlig anderen Produktbereich und entscheidet sich ausgerechnet beim ersten Versuch für eine Open-Back-Konstruktion. Dazu kommen drei Verbindungswege, 50-mm-Treiber, zwei Mikrofonoptionen, ein 2.000-mAh-Akku und RGB.
Das hätte spektakulär schiefgehen können.
Stattdessen ergibt die Kombination überraschend viel Sinn.
Der wichtigste Bestandteil ist nicht der virtuelle 7.1-Sound und auch nicht die RGB-Beleuchtung. Es ist das offene akustische Konzept. Das GX1 klingt dadurch räumlicher und luftiger als viele typische günstige Gaming-Headsets. Stimmen und Effekte besitzen Platz, die Ortung funktioniert überzeugend und längere Sessions profitieren von der weniger abgeschlossenen Konstruktion.
Der 2,4-GHz-Funk mit nominell 25 Millisekunden Latenz übernimmt Gaming, Bluetooth kümmert sich um mobile Geräte und Kabel rettet den Tag, sobald Funk oder Akku keine Rolle spielen sollen. Genau diese technische Redundanz macht das GX1 alltagstauglich.
Auch beim Mikrofon zeigt sich derselbe Ansatz. Der abnehmbare Boom liefert die bessere Sprachaufnahme, während das integrierte Mikrofon als unkomplizierte Alternative erhalten bleibt. Keine revolutionäre Idee, aber eine sehr vernünftige.
Der größte Konflikt entsteht deshalb ausgerechnet durch die Eigenschaft, die das GX1 besonders macht. Open Back ist keine universell bessere Konstruktion. In einem lauten Raum ist sie schlechter als ein geschlossenes Headset. Geräusche gelangen hinein und hinaus. Für Bahn, Flugzeug oder ein gemeinsames Wohnzimmer mit laufendem Fernseher ist das Konzept nur eingeschränkt geeignet.
In einem ruhigen PC-Raum dreht sich dieses Verhältnis um. Dort erzeugt die offene Konstruktion genau jene Weite, wegen der hochwertige offene Kopfhörer seit Jahrzehnten eine treue Anhängerschaft besitzen.
„There is no such thing as a free lunch“ lautet ein gern verwendetes englisches Sprichwort. In der Technik passt es besonders gut. Mehr Offenheit bedeutet weniger Isolation. Mehr RGB bedeutet weniger Akkulaufzeit. Mehr Signalverarbeitung bedeutet nicht automatisch präzisere Ortung.
Das GX1 trifft bei diesen Kompromissen erstaunlich vernünftige Entscheidungen.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Überraschung. Das Headset versucht nicht, seine günstige Preisklasse durch eine einzelne absurde Funktion zu kaschieren. Es akzeptiert seine Grenzen und steckt das verfügbare Budget größtenteils in Dinge, die tatsächlich benutzt werden: ordentliche Treiber, mehrere Verbindungsmöglichkeiten, einen großen Akku, brauchbare Mikrofone und eine komfortable Konstruktion.
Nur die RGB-Beleuchtung bleibt herrlich irrational. Rund 40 Stunden theoretische Akkulaufzeit gegen einen leuchtenden Ring einzutauschen, während das Headset ausgerechnet auf dem eigenen Kopf sitzt und die Beleuchtung dort garantiert nicht gesehen wird, ist technisch schwer zu verteidigen.
Gaming wäre ohne solche Entscheidungen allerdings auch ziemlich langweilig.
Das EPOMAKER GX1 zeigt damit vor allem eines: Ein gutes Gaming-Headset muss nicht versuchen, den Kopf mit Bass zu erschlagen, acht imaginäre Lautsprecher um die Ohren zu verteilen oder für grundlegende Funktionen einen dreistelligen Preis aufzurufen. Eine saubere Stereoabbildung, eine breite Bühne, niedrige Funklatenz und sinnvolle Ergonomie sind im Alltag deutlich wichtiger.
Für einen ersten Ausflug in eine neue Produktkategorie ist das eine bemerkenswert klare Erkenntnis.
Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz:
Das in diesem Testbericht vorgestellte EPOMAKER GX1 wurde uns von EPOMAKER als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
EPOMAKER hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei EPOMAKER für die Bereitstellung des Headsets und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.
