Samstag, Januar 17, 2026
GehäuseHardware

Inter-Tech 3U-30765: Technisches Unboxing eines 19-Zoll-3HE-Servergehäuses

    Ein 19-Zoll-Gehäuse ist selten „mal eben“ ein Paket, das man mit zwei Fingern vom Paketboten übernimmt. Eher so: Tür auf, kurzer Blick auf den Karton, und im Kopf läuft sofort die Checkliste an. Ist die Umreifung heil? Sind die Kanten gequetscht? Gibt es Stauchungen, die auf einen Sturz hindeuten? Bei einem Servergehäuse ist die Verpackung nicht nur Schutzhülle, sie ist der erste Indikator dafür, ob innen später alles gerade sitzt: Rack-Ohren plan, Schienenaufnahme nicht verzogen, Front nicht verzerrt.

    Der Karton vor mir trägt die nüchterne Aufschrift „Professional 19’’ Server Case“, dazu die Modellkennung „30765“ und die Einordnung „3HE Server Gehäuse – 65cm“. Das ist exakt die Sorte Produkt, die im Alltag nicht glänzen muss, sondern funktionieren. Ein Gehäuse ist Infrastruktur, kein Lifestyle-Objekt. Und trotzdem entscheidet gerade hier die mechanische Qualität darüber, ob man später in der Praxis entspannt arbeitet oder bei jeder Montage flucht.

    Der Kontext ist auch interessant, weil 19-Zoll längst nicht mehr nur „klassisches Serverzimmer“ bedeutet. Rechenleistung wird heute viel stärker als Standortfaktor diskutiert. WELT beschreibt diesen Wandel sehr plastisch, etwa wenn es heißt: „Anschaulicher kann man technologischen Wandel kaum machen“ – bezogen auf den Umbau eines früheren Kraftwerksgeländes in ein modernes Datacenter.  Das ist genau die Linie: Hardware ist nicht nur Bastelkram, sondern Teil einer größeren Infrastrukturgeschichte. Und genau deshalb lohnt ein technisches Unboxing, das mehr ist als „Karton auf, Teil raus“.

    Lieferumfang und Verpackung: Was der Karton schon verrät

    Auf den ersten Blick wirkt die Umverpackung klassisch zweckorientiert: brauner Karton, große Modellnummer, Produktgrafik. Keine Marketing-Sprüche, kein Hochglanz. Das ist gut, denn bei Rack-Hardware will ich vor allem eins: klare Identifikation, damit im Wareneingang niemand rätselt, ob 2HE oder 3HE, ob 55 cm oder 65 cm Tiefe.

    Die Kartonage selbst ist voluminös, was nicht nur am Gehäuse liegt, sondern an der Luft, die man für Stoßzonen braucht. Gerade bei langen 19-Zoll-Chassis sind die Hebelkräfte fies: Ein Schlag an einer Ecke kann sich innen als minimaler Verzug bemerkbar machen, der später dafür sorgt, dass Schienen klemmen oder Frontblenden nicht sauber schließen. Also: Kanten abtasten, auf weiche Stellen achten, Blick auf die Ecken. Hier wirkt alles unauffällig, keine eingedrückten Bereiche, keine durchgeriebenen Stellen, die auf Ziehen über rauen Boden hindeuten.

    Beim Öffnen des Kartons fällt als erstes das, was man bei vielen Servergehäusen inzwischen fast erwartet: Schutzfolie, Folienbeutel, Polster. Das Chassis steckt zusätzlich in einer transparenten Tüte, die Staub und Abrieb vom Lack fernhält. Oben liegt eine dicke Schutzlage, darunter das Gehäuse, flankiert von formstabilen Polstern. Das ist keine „Premium-Experience“, sondern schlicht sinnvoll: Ein Rack-Gehäuse hat viele Kanten, viele Schraubpunkte, und jedes Reiben erzeugt Mikrokratzer, die später unschön aussehen oder im worst case Korrosion begünstigen.

    Interessant ist auch die sichtbare blaue Schutzfolie auf den Außenflächen. Das sieht im ersten Moment fast nach „Industrie-Style“ aus, ist aber vor allem praktisch: Die Folie schützt vor Fingerabdrücken, Montagekratzern und dem typischen „einmal kurz auf dem Werkbankboden abgesetzt“. Wer schon mal ein frisch ausgepacktes Gehäuse direkt beim ersten Umdrehen mit einer Schraube geküsst hat, weiß: Schutzfolie ist kein Gimmick, sondern eine kleine Versicherung gegen den eigenen Alltag.

    Erster Kontakt mit dem Chassis: Gewicht, Steifigkeit, Kanten

    Sobald das Gehäuse frei liegt, kommt der Moment, den man schwer in Datenblätter pressen kann: Wie fühlt es sich an? Ein Rack-Chassis muss steif sein. Nicht, weil man es gern herumwirft, sondern weil es im Rack über Ohren, Schienen und Auflagepunkte Kräfte aufnimmt. Ein dünnes, nachgebendes Blech rächt sich später. Wenn man beim Tragen merkt, dass sich die Seitenwände „arbeiten“, wird’s unerquicklich.

    Hier wirkt das Chassis sehr nach „Serverwelt“: keine unnötigen Kurven, klare Linien, saubere Kanten. Die Frontgriffe sind massiv und geben sofort den Eindruck, dass das Ding in einem Rack nicht nur hängt, sondern auch gezogen werden will, ohne dass man Angst um die Front haben muss. Gerade bei 3HE ist die Bedienrealität häufig: Rack auf, Gehäuse herausziehen, Kabel prüfen, wieder rein. Das ist mechanische Routine, und Griffe sind dabei nicht Deko, sondern Werkzeug.

    Auch die Tiefe ist ein Punkt: Die 65 cm, die auf dem Karton stehen, sind in vielen Umgebungen ein Sweet Spot. Nicht so kurz, dass man beim Kabelmanagement Tetris spielen muss, aber auch nicht so lang, dass jedes Rack gleich 1000 mm tief sein muss. In der Praxis entscheidet das über die Einsatzbreite.

    Außencheck: Front, Deckel, Folie, Schraubenpunkte

    Die Außenhaut ist großflächig foliert, und zwar nicht nur teilweise, sondern wirklich so, dass man beim Handling kaum direkten Kontakt mit dem Lack hat. Das sieht im Foto erst mal sehr „blau“ aus, aber genau das ist der Punkt: Man soll die Folie erst abziehen, wenn das Gehäuse dort ist, wo es hingehört.

    Wichtig: Bei Rack-Gehäusen schaue ich mir früh die Schraubenpunkte an. Nicht, weil ich sofort alles demontieren will, sondern weil man an Schraubköpfen, Gewinden und Passungen schnell erkennt, wie sauber die Fertigung ist. Ausgeleierte Kreuzschlitze ab Werk sind ein schlechtes Zeichen. Hier wirkt alles ordentlich, die Schrauben sitzen bündig, keine schiefen Köpfe, keine bereits angegriffenen Kanten.

    Die Front ist perforiert und auf Airflow ausgelegt. Das passt auch zum Konzept dieses Modells: Es ist nicht nur „ein Kasten“, sondern ein Gehäuse, das Storage und Komponenten aktiv kühlen will. Der Hersteller beschreibt das 3U-30765 als „vielseitiges 3U-Servergehäuse mit herausnehmbaren Festplattenkäfigen“. 

    Technische Einordnung: Was das 3U-30765 konzeptionell sein will

    Schon bevor der Deckel runtergeht, ist klar: Das ist ein Chassis für klassische Server- und Storage-Aufgaben, nicht für „Gaming im Rack“. Das zeigt sich an mehreren Punkten, die auch in den Spezifikationen auftauchen:

    • Herausnehmbare HDD-Käfige, die auf 3,5-Zoll-Laufwerke zielen. 
    • Ein Lüfterkonzept, bei dem pro HDD-Käfig ein 120-mm-Lüfter vorgesehen ist und der Tausch von außen möglich sein soll, ohne das Gehäuse zu öffnen. 
    • Eine zusätzliche Lüfterreihe im Gehäuseinneren zur Erhöhung des Luftdurchsatzes. 
    • Mainboard-Kompatibilität bis E-ATX sowie SSI-Formfaktoren, die man in Workstations und Servern häufig sieht. 
    • Platzlimits, die typisch für 3HE sind, etwa bei Kühlerhöhe und Kartenlänge, was im Rack-Kontext normal ist. 

    Diese Eckdaten sind wichtig, weil sie beim Unboxing die Erwartungshaltung prägen: Ich suche nicht nach RGB-Kabeln, sondern nach sauberer Mechanik, sinnvollen Luftwegen, brauchbaren Befestigungspunkten, und einem Lieferumfang, der die Montage nicht zur Schnitzeljagd macht.

    Deckel ab: Der Moment, in dem das Innenleben „spricht“

    Der Deckel ist schnell gelöst, klassisch über Schraubenpunkte entlang der Kanten. Beim Abnehmen merkt man sofort, wie das Gehäuse intern strukturiert ist: Es gibt klare Zonen. Vorne Storage und Luftansaugung, in der Mitte Luftführung und Fanbar, hinten der Bereich für I/O, PSU und Slots.

    Innen wirkt alles aufgeräumt. Keine herumfliegenden Kabel, keine scharfkantig offenen Blechnasen, an denen man sich beim Arbeiten die Hand aufschlitzt. Das klingt banal, ist aber im Alltag Gold wert: Rack-Hardware wird nicht einmal gebaut und dann nie wieder angefasst. Man geht da rein. Regelmäßig.

    Die HDD-Käfige: Werkzeuglos gedacht, aber nicht verspielt

    Die beiden HDD-Käfige sind als Module ausgeführt. Laut Hersteller passen in jeden Käfig bis zu fünf 3,5-Zoll-Festplatten, „schraub- und werkzeuglos“.  Das ist die Sorte Feature, die in einem Homelab genauso Sinn ergibt wie in kleineren Business-Setups: Wer häufiger Platten wechselt, will nicht jedes Mal schrauben und fummeln. Tool-less bedeutet nicht „wackelig“, es bedeutet: Mechanik übernimmt den Job, den sonst Schrauben machen.

    Spannend ist der Luftgedanke dahinter. Pro Käfig ist ein 120-mm-Lüfter vorgesehen, der direkt durch den Cage zieht und die Laufwerke anbläst. Der Hersteller betont dabei ausdrücklich, dass der Lüfter bei Bedarf von außen wechselbar ist, ohne das Gehäuse zu öffnen.  Genau das ist Serverlogik: Wartung im Betrieb oder zumindest ohne Komplettausbau. Und es ist ein deutlicher Unterschied zu vielen Consumer-Gehäusen, wo „Lüftertausch“ eher Bastelarbeit ist.

    Im Unboxing selbst sieht man die entsprechenden Kabelstränge: mehrere klassische Lüfteranschlüsse, sauber gebündelt. Das ist nicht spektakulär, aber es ist gut, wenn es nicht chaotisch ist. Ein typischer Serverbauer will beim Verkabeln nicht erst Kabel entwirren, sondern Wege planen: Welche Lüfter an welches Header-Board, welche an ein Fan-Hub, welche über PWM, welche fix.

    Die mittlere Lüfterbrücke: Luft als Transportmedium

    Im Innenraum sitzt eine Querstrebe mit mehreren großen Lüftern. Das passt zum Hinweis aus den technischen Beschreibungen, dass zusätzliche 120-mm-Lüfter im Zentrum den Airflow erhöhen und Komponenten vor Überhitzung schützen.  Der Aufbau wirkt so, als würde hier ein definierter Luftkanal entstehen: vorne rein, durch Storage, dann über die Mitte in Richtung Mainboard und Erweiterungskarten.

    Das ist für 3HE entscheidend, weil 3HE zwar mehr Höhe als 2HE bietet, aber thermisch trotzdem anspruchsvoll bleibt. Viele CPU-Kühler sind in der Höhe limitiert, und die Luft muss schneller, gerichteter, „servermäßiger“ geführt werden. Ein luftiger Tower mit riesigem Heatpipe-Kühler ist hier nicht das Ziel.

    Heckbereich: Slotblenden, I/O und PSU-Zone

    Der Blick nach hinten zeigt den typischen Mix: ein Bereich für die Erweiterungsslots und daneben die PSU-Aufnahme. Laut Daten (z. B. Händlerangaben) ist das Gehäuse auf ATX-Netzteile ausgelegt.  Das ist praktisch, weil ATX in vielen Umgebungen verfügbar ist, vom effizienteren Consumer-PSU bis zum servernahen ATX-Block. Gleichzeitig sollte man in Rack-Setups die Luftführung des Netzteils im Auge behalten, weil sich sonst thermische Kurzschlüsse ergeben: PSU saugt warme Luft aus dem Gehäuse statt frische von außen oder umgekehrt.

    Die Slotsektion wirkt solide, die Blenden sitzen in einem Rahmen, der nicht nach „einmal festziehen und dann ist’s krumm“ aussieht. Und das ist der Kern: In einem Rack wird häufig mit schweren Karten gearbeitet (HBAs, RAID-Controller, NICs). Die mechanische Stabilität entscheidet hier über Kontaktprobleme und Stress auf dem PCIe-Slot.

    Frontanschlüsse und Bedienung: Praktikabilität statt Show

    Servergehäuse sind oft sparsam bei Front-I/O, aber hier ist das Nötige vorgesehen. In den technischen Angaben tauchen typischerweise ein USB-A 2.0 und ein USB-A 3.x (Gen1/5 Gbit/s) als Frontanschlüsse auf.  Das reicht für Wartungssticks, Installer, Dongles oder einfach mal „Tastatur kurz ran“, wenn man am offenen Rack arbeitet.

    Was ich beim Unboxing besonders mag: Nichts wirkt überladen. Front ist Luft, Griffe sind Griffe, I/O ist I/O. So soll es sein.

    Montagepunkte und Innenboden: Das Raster für den späteren Aufbau

    Der Innenboden zeigt zahlreiche Standoff-Punkte und Markierungen. Das ist die unsichtbare Komfortzone beim Aufbau: Wenn die Bohrungen sauber gesetzt sind, sitzt das Board später spannungsfrei. Wenn nicht, schraubt man gegen den Verzug. Hier sieht es nach einem breiten Formfaktor-Support aus, was auch zu den angegebenen Boardgrößen passt, inklusive E-ATX und servernahen SSI-Formaten. 

    Auch relevant: Platzgrenzen. Händlerangaben nennen zum Beispiel eine maximale Steckkartenlänge von 350 mm und eine maximale CPU-Kühlerhöhe von 105 mm.  Das sind Werte, die man beim Unboxing nicht „sieht“, aber im Kopf mitlaufen lassen sollte. Denn bei 3HE ist 105 mm für Luftkühler schon ein spürbares Limit, das man in der Komponentenwahl ernst nehmen muss. Und 350 mm Kartenlänge deckt vieles ab, aber nicht jede Spezialkarte plus Stecker plus Kabelstress.

    Drive-Optionen jenseits von 3,5 Zoll: Flexibilität durch Umbau

    Ein Punkt, der beim 3U-30765 konzeptionell spannend ist: Die HDD-Käfige sind nicht nur „drin“, sie sind optional. Wenn man weniger 3,5-Zoll-Laufwerke braucht, lassen sich die Käfige entfernen und durch 5,25-Zoll-Einschübe ersetzen. Der Hersteller spricht davon, dass sich dann „drei 5.25’’ drives“ anstelle jedes HDD-Käfigs installieren lassen. 

    Das ist ein klassischer Servergehäuse-Trick, der in der Praxis richtig nützlich sein kann:

    • 5,25 Zoll kann heißen: zusätzliche Backplanes, Hot-Swap-Module, Tape, optische Laufwerke (selten, aber im Enterprise-Kontext nicht tot), oder auch Einbaurahmen für 2,5-Zoll-SSDs.
    • Flexibilität ist hier nicht „für Bastler“, sondern für unterschiedliche Rollen: Storage-heavy NAS vs. compute-lastiger Node.

    Beim Unboxing selbst sieht man diese Möglichkeit als „Platz“ und als modulare Struktur. Das Gehäuse ist nicht als monolithische Box gebaut, sondern als System mit austauschbaren Segmenten.

    Schrauben, Abstandshalter, Kleinteile: Der unterschätzte Teil des Unboxings

    In der Verpackung liegt Zubehör in Tüten: Schrauben, Abstandshalter und Montagekleinteile. Das ist einer dieser Momente, in denen man still hofft, dass der Hersteller an Standards gedacht hat. Nicht „irgendwelche Schrauben“, sondern eine Auswahl, mit der man den Aufbau wirklich durchführen kann: Mainboard, Laufwerke, eventuell Schienen, Blenden, Erdungspunkte.

    Das Zubehör wirkt umfangreich, und das ist auch sinnvoll, weil Rack-Gehäuse mehr Montagepunkte haben als viele Desktop-Cases. Gerade die Kombination aus Storage-Cages, Lüfterbrücken und möglichen 5,25-Zoll-Konfigurationen braucht Schraubenvielfalt. Es liegt außerdem eine Art Montageschiene bzw. Halterung bei, die auf den Fotos als separate Metallteile auffällt. Zusammen mit den seitlichen Griffen und den Rack-Ohren ergibt sich das Gesamtbild: Dieses Gehäuse ist für den Rack-Alltag gedacht, nicht für „steht unterm Tisch und bleibt da“.

    Mechanische Details, die man im Unboxing prüfen sollte

    Auch wenn es „nur“ ein Unboxing ist, gibt es ein paar technische Prüfungen, die ich immer in dieser Phase mache, weil sie später viel Zeit sparen:

    1) Planheit der Rack-Ohren und Griffe

    
    Sind die Ohren plan? Sitzen die Griffe fest? Bei Verzug merkt man das oft schon beim leichten Drucktest. Hier wirkt alles solide, die Griffe sind sauber verschraubt, nichts knarzt.
    

    2) Lauf der Module (Cages) und Verriegelungen

    
    Tool-less ist nur gut, wenn es sicher ist. Die Käfige sollen leichtgängig sein, aber nicht labbern. Beim Anfassen merkt man, ob die Mechanik „mit definiertem Widerstand“ arbeitet. Genau so sollte es sein.
    

    3) Kanten und Entgratung

    
    Servergehäuse haben viele Innenkanten. Wenn die nicht entgratet sind, ist das nicht nur unangenehm, sondern kann Kabel beschädigen. Im Inneren wirkt es sauber, keine offensichtlichen „Rasierkanten“.
    

    4) Lüfterkabel-Längen und Bündelung

    Bei mehreren 120-mm-Lüftern plus potenziellen zusätzlichen Einheiten ist Kabellänge schnell ein Thema. Hier sind die Stränge gebündelt, was zumindest den Eindruck macht, dass man nicht sofort Verlängerungen braucht.
    
    

    Warum dieses Unboxing auch „Zeitgeist“ ist

    Ein Servergehäuse auszupacken, fühlt sich im Kleinen an wie Mechanik. Im Großen ist es aber ein Stück Infrastruktur. Und gerade Infrastruktur wird gerade wieder politischer und ökonomischer. WELT zitiert etwa Bundesdigitalminister Karsten Wildberger mit den Worten: „Nur mit leistungsfähigen Rechenzentren können wir KI-Anwendungen im großen Stile einsetzen und unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken“. 

    Das klingt groß, aber im Alltag endet es oft bei sehr konkreten Dingen: Luftdurchsatz, Wartbarkeit, modulare Storage-Zonen, stabile Tragegriffe. Genau deshalb ist ein Gehäuse wie das Inter-Tech 3U-30765 so eine Art „Bodenplatte“ für alles, was darüber kommt. Der Hersteller beschreibt die Kerneigenschaften recht klar: herausnehmbare HDD-Käfige, bis zu fünf 3,5-Zoll-Laufwerke pro Käfig ohne Werkzeug, und 120-mm-Lüfter je Käfig, die im Idealfall ohne Öffnen des Gehäuses tauschbar sind.  Das ist nicht romantisch, aber es ist genau die Sorte Detail, die später in Betrieb und Wartung entscheidet, ob man zufrieden ist.

    Die Schutzfolie: Ein kleines Ritual mit großem Nutzen

    Ein eigener Moment im Unboxing ist das Thema Schutzfolie. Viele ziehen sie sofort ab, weil man das „Endprodukt“ sehen will. Bei Rack-Hardware mache ich es oft anders: Folie bleibt drauf, bis das Chassis final im Rack sitzt oder zumindest bis die groben Montagearbeiten erledigt sind. Gerade die Oberseite bekommt beim Aufbau schnell Kontakt mit Werkzeug, Schrauben, Kanten von Mainboards oder Schienen. Und die blaue Folie ist hier so großflächig, dass sie wirklich hilft, das Gehäuse bis zum Schluss sauber zu halten.

    Das Schöne: Wenn am Ende die Folie abzieht, hat man nicht nur „blau weg“, sondern einen finalen Check. Wenn darunter alles makellos ist, weiß man: Handling war sauber, Verpackung war gut, keine versteckten Scheuerstellen.

    Unboxing-Fokus: Was bewusst nicht passiert

    Wichtig, damit das hier sauber bleibt: Das ist ein Unboxing, kein Aufbaubericht. Ich gehe also nicht in BIOS, nicht in Software, nicht in Thermaltuning unter Last, nicht in Benchmarks. Auch kein Fazit, keine Bewertungsschlussfolgerung. Der Fokus ist rein auf dem, was das Produkt physisch liefert, wie es verpackt ist, wie es intern aufgebaut wirkt, und welche technischen Funktionen sich im Auspackmoment bereits nachvollziehen lassen.

    Und in dieser Disziplin macht das Inter-Tech 3U-30765 genau das, was es soll: Es tritt als modularer 3HE-Rack-Körper auf, klar storage-orientiert, mit aktivem Luftkonzept, und einer Mechanik, die auf Wartbarkeit zielt. Die Kombination aus herausnehmbaren HDD-Käfigen, jeweils eigener 120-mm-Belüftung und zusätzlicher zentraler Lüfterreihe ist konzeptionell eindeutig. 

    Der Zubehörbeutel: Kleine Teile, große Wirkung

    Die beiliegenden Schrauben und Abstandshalter sind am Ende das, was zwischen „ich will heute noch fertig werden“ und „ich muss morgen erst mal zum Baumarkt“ steht. Im Beutel sieht man eine Mischung aus Schrauben (unterschiedliche Köpfe und Längen), dazu messingfarbene Abstandshalter, und zusätzliche Kleinteile. Allein die Präsenz von Abstandshaltern ist ein gutes Zeichen, weil sie signalisiert: Das Gehäuse ist für unterschiedliche Boards gedacht, und man soll es sauber distanzieren können.

    Die zusätzlichen Metallteile wirken wie Montageschienen oder Haltebleche. In Kombination mit dem Rack-Konzept ist das plausibel, weil 19-Zoll-Setups häufig individuelle Rack-Schienen erfordern oder zumindest Halterungen, die die Tiefe und den Auszug unterstützen.

    Ein letzter Blick in die Kiste: Verpackungslogik statt Marketing

    Bevor der Karton in die Ecke wandert, lohnt ein letzter Blick: Liegt irgendwo noch Zubehör in einer Falte? Ist unter dem Polster noch eine kleine Tüte? Gerade bei großen Kartons verstecken sich Kleinteile gern in Randtaschen. Hier wirkt die Verpackung übersichtlich. Das Gehäuse ist zentral geschützt, Zubehör separat.

    Diese Verpackungslogik ist im Profi-Umfeld wichtiger als man denkt: Wer mehrere Systeme aufbaut, arbeitet oft nach Wareneingangsschema. Karton auf, Inhalt prüfen, Teile sortieren, Karton entsorgen. Wenn die Verpackung so gestaltet ist, dass man nichts übersieht, spart das Zeit und Nerven.


    Fazit: Ein Rack-Gehäuse, das seine Prioritäten sehr klar setzt

    Wenn man das Inter-Tech 3U-30765 auspackt, merkt man ziemlich schnell, dass hier nicht „Show“ verkauft werden soll, sondern ein Werkzeug. Die Verpackung ist zweckmäßig, das Gehäuse selbst wirkt robust und auf den Rack-Alltag getrimmt: Griffe, Frontperforation, klar getrennte Zonen für Storage, Airflow und Mainboard, dazu ein Innenlayout, das nicht nach „irgendwie passt schon“ aussieht, sondern nach „dafür ist es gebaut“.

    Der größte Pluspunkt, der bereits im Unboxing greifbar wird, ist das modulare Storage-Konzept. Zwei herausnehmbare HDD-Käfige, in die jeweils bis zu fünf 3,5-Zoll-Festplatten schraub- und werkzeuglos passen, sind in dieser Klasse ein starkes Argument. Inter-Tech betont genau diesen Punkt und koppelt ihn direkt an einen praxisnahen Wartungsgedanken: Pro HDD-Käfig sitzt ein 120-mm-Lüfter, der sich bei Bedarf von außen tauschen lassen soll, ohne dass man das Gehäuse öffnen muss.  Das ist genau die Art Detail, die man im Betrieb zu schätzen lernt. Denn nichts ist nerviger als ein Lüfter, der zwar schnell gewechselt werden könnte, aber nur, wenn man vorher das halbe Rack auseinanderbaut.

    Dazu kommt die Flexibilität, die man zwar beim Auspacken noch nicht „ausnutzt“, aber sofort versteht: Wenn man nicht so viele 3,5-Zoll-Laufwerke braucht, lassen sich die HDD-Käfige entfernen und der Bereich kann stattdessen für 5,25-Zoll-Einbauten genutzt werden. Inter-Tech spricht davon, dass sich dann „drei 5.25’’ drives“ anstelle jedes HDD-Käfigs installieren lassen.  Das klingt erst mal nach Nische, ist in der Praxis aber ein echter Vorteil. Je nach Einsatz kann das bedeuten: zusätzliche Backplane-Lösungen, Hot-Swap-Module, Einbaurahmen oder schlicht mehr Freiheit für individuelle Storage- oder Frontmodule. Im Homelab kann das der Unterschied zwischen „NAS-Box“ und „Compute-Node mit wenig Storage“ sein, ohne das Grundgehäuse zu wechseln.

    Auch beim Kühllayout macht das 3U-30765 einen sehr „servertypischen“ Eindruck. Neben den 120-mm-Lüftern in den HDD-Käfigen ist im mittleren Bereich eine zusätzliche Lüftersektion vorgesehen, die den Durchsatz erhöht und den Luftstrom über die Hauptkomponenten stabilisiert. Händlerlisten führen das Kühlsystem häufig als insgesamt fünf 120-mm-Lüfter plus Option auf zusätzliche 60-mm-Lüfter (je nach Konfiguration).  Das deckt sich mit dem, was man beim Blick ins Innere erwartet: vorn Luft rein, Mitte Luft „beschleunigen“ und führen, hinten raus. Gerade in 3HE ist das wichtig, weil man zwar mehr Volumen als bei 2HE hat, aber trotzdem stark von definierter Luftführung lebt, wenn da später CPUs, HBAs, NICs und ein Storage-Setup sitzen.

    Ein weiterer Pluspunkt ist die Formfaktor- und Plattformbreite. Das Gehäuse ist auf klassische Server- und Workstation-Boards ausgelegt, bis hin zu E-ATX sowie SSI-Formfaktoren (je nach Quelle SSI CEB/EEB).  Im Unboxing sieht man das als „Bohrungslandschaft“ und als großzügige Layoutfläche. Für viele Builds ist das angenehm, weil man nicht auf exotische Spezialboards angewiesen ist, sondern auch verbreitete ATX- oder E-ATX-Plattformen sinnvoll ins Rack bringt.

    Natürlich gibt es auch Einschränkungen, die man als Fazit klar benennen sollte, weil sie die spätere Komponentenwahl unmittelbar beeinflussen. Das ist weniger Kritik als schlicht Physik eines 3HE-Chassis: Händlerdaten nennen eine maximale CPU-Kühlerhöhe von 105 mm und eine maximale Steckkartenlänge von 350 mm.  Das bedeutet: Riesige Tower-Kühler sind raus, und bei besonders langen Karten oder Karten mit ungünstigen Stromanschlüssen muss man vorher sauber messen. Wer in Richtung leiser Luftkühlung plant, sollte das Limit ernst nehmen und entweder zu passenden 3HE-Serverkühlern greifen oder (je nach Plattform) über andere Kühlkonzepte nachdenken. Ähnlich bei Erweiterungskarten: 350 mm reicht für vieles, aber eben nicht für alles, und im Rack zählt am Ende nicht nur die Karte, sondern auch der Platz für Stecker, Kabelradius und Airflow.

    Auch beim Netzteilkonzept ist das 3U-30765 eher pragmatisch als „datacenter-puristisch“: Es ist auf ATX-Netzteile ausgelegt.  Das ist ein Vorteil, weil ATX verfügbar, vielfältig und preislich gut erreichbar ist. Gleichzeitig muss man bei Rack-Systemen dann eben noch genauer auf Luftführung und Kabelmanagement achten, weil ATX-PSUs je nach Modell die Luft in unterschiedliche Richtungen bewegen und Kabelstränge im 3HE-Raum schnell „im Weg“ sein können. Das Gehäuse bietet hier die Basis, aber die Disziplin liegt beim Builder.

    Unterm Strich hinterlässt das 3U-30765 schon beim Auspacken den Eindruck eines ehrlichen, sehr zweckorientierten 19-Zoll-Gehäuses: modularer Storage-Fokus, Airflow als zentrales Designkriterium, breite Board-Unterstützung und ausreichend Front-I/O (typisch sind 1× USB-A 2.0 und 1× USB-A 3.x Gen1).  Wer genau so etwas sucht, bekommt hier eine solide Grundlage für NAS-, Storage- und Serverprojekte im Rack, ohne dass das Gehäuse versucht, mehr zu sein als es ist. Und das ist, gerade im Serverbereich, oft das beste Kompliment.


    Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz

    Das in diesem Testbericht vorgestellte Inter-Tech 3U-30765 wurde uns von Inter-Tech als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
    Inter-Tech hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
    Wir bedanken uns herzlich bei Inter-Tech für die Bereitstellung des Gehäuses und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.

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