Donnerstag, April 3, 2025
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Review: MSI Claw A1M – Der erste Handheld mit Intel Arc-Grafik

Die MSI Claw A1M ist MSIs erster Vorstoß in den wachsenden Markt der Gaming-Handhelds. Während Valve mit dem Steam Deck und ASUS mit dem ROG Ally bereits starke Konkurrenzprodukte etabliert haben, setzt MSI auf eine gänzlich andere Herangehensweise: Erstmals kommt eine Intel Arc GPU in einem Handheld zum Einsatz. Das ist sowohl eine Chance als auch ein Risiko.

In diesem ausführlichen Test nehmen wir die Claw A1M unter die Lupe: Design, Verarbeitung, Hardware, Software, Performance und Gaming-Tests. Zudem gehen wir auf spezifische Probleme ein, wie die Inkompatibilität mit gewissen Spielen und die Herausforderungen durch Intel Arc-Treiber. Am Ende bewerten wir, ob die Claw A1M eine lohnenswerte Anschaffung ist oder ob man besser zu bewährten Alternativen greifen sollte.

Vielen Dank an das Vertrauen und der Bereitstellung der Leihgabe durch MSI.


Design & Verarbeitung

Beim Auspacken macht die Claw A1M direkt einen hochwertigen Eindruck. MSI hat sich offensichtlich viel Mühe bei der Konstruktion des Geräts gegeben. Die Materialien fühlen sich robust an, und das gesamte Design wirkt modern mit einer gewissen Gaming-Ästhetik, die durch die RGB-beleuchteten Joysticks unterstrichen wird.

Ergonomie & Handhabung

Die Claw A1M ist ergonomisch gut durchdacht, auch wenn sie nicht die gleiche Griffigkeit wie das Steam Deck bietet. Die Griffe sind nicht so stark ausgeprägt, sodass das Halten über längere Zeit anstrengend sein kann. Zudem fällt das Gewicht mit etwa 675g spürbar aus, was insbesondere für mobile Gamer relevant ist.

Die Joysticks sind präzise und gut verarbeitet. Leider sind die ABXY-Tasten sowie das D-Pad eher klein geraten, was Spielern mit großen Händen auffallen dürfte. Die Schultertasten haben einen guten Druckpunkt, jedoch fühlt sich der Federmechanismus nicht ganz so hochwertig an wie bei Konkurrenzmodellen.

Anschlüsse & Konnektivität

Die Claw A1M bietet die üblichen Anschlüsse, die man in dieser Geräteklasse erwartet:

  • 1x USB-C mit Ladefunktion
  • 1x 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
  • 1x microSD-Kartensteckplatz zur Speichererweiterung

Ein HDMI- oder DisplayPort-Anschluss fehlt, was bedeutet, dass man für den Betrieb an einem externen Monitor einen Adapter benötigt. Drahtlos werden WLAN und Bluetooth unterstützt, wobei sich in unserem Test die Bluetooth-Verbindung als stabil erwiesen hat.


Technische Daten & Hardware

Hier ein Überblick über die technischen Spezifikationen:

KomponenteSpezifikation
ModellMSI Claw A1M-059
Display7″ FHD, IPS-Level, 120Hz
ProzessorIntel Core Ultra 7 155H
GrafikIntel Arc Graphics
RAM16GB LPDDR5
Speicher1TB SSD
Akku54,5Wh
BetriebssystemWindows 11 Home

Die Kombination aus Intel Core Ultra 7 und Intel Arc GPU ist spannend, da es sich um eine neue Architektur handelt. Doch genau hier zeigt sich auch die größte Schwäche des Geräts: Die Treiberoptimierung von Intel Arc ist aktuell noch nicht auf dem Niveau von AMD oder Nvidia.


Benchmarks & Leistung

Um die Performance der Claw A1M zu beurteilen, haben wir verschiedene Benchmarks durchgeführt:

3DMark Time Spy

  • Gesamtpunktzahl: 3.537
  • Grafik-Punkte: 3.222
  • CPU-Punkte: 7.939

Vergleich:

  • Steam Deck: ca. 3.800 Punkte
  • ASUS ROG Ally (Z1 Extreme): ca. 5.000 Punkte

Die CPU-Werte sind beeindruckend, aber die GPU hinkt hinter AMDs Lösungen her. Intel Arc ist hier klar im Nachteil.

Time Spy Extreme

  • Gesamtpunktzahl: 1.475
  • Grafik-Punkte: 1.351
  • CPU-Punkte: 3.081

PugentBench für DaVinci Resolve

  • Test abgebrochen: Mangelnder Videospeicher verhindert eine erfolgreiche Durchführung.
  • Analyse: Wer Content Creation plant, stößt hier an klare Grenzen.

Gaming-Performance

Die Gaming-Performance ist entscheidend für einen Handheld. Hier einige Testergebnisse:

Ark Survival Ascended

  • Ergebnis: Läuft mit Lily’s Tweaker und den Parametern r.VolumetricCloud 0, r.VolumetricFog 0 instabil mit häufigen Abstürzen. Die FPS schwanken zwischen 15 und 30 FPS.
  • Vergleich Steam Deck: 30–40 FPS, deutlich stabilere Performance, kaum Abstürze.

Indiana Jones und der Große Kreis

  • Ergebnis: Keine Verbesserung trotz neuer Treiber. Weiterhin starke Ruckler selbst auf niedrigen Einstellungen.
  • Vergleich Steam Deck: 25–30 FPS, leicht bessere Performance.

Fortnite

  • Ergebnis: Läuft mit 30 FPS.
  • Analyse: Auf externen Bildschirmen gibt es eine minimale Verbesserung, aber insgesamt bleibt die Performance unter den Erwartungen.

Medieval Dynasty

  • Ergebnis: Läuft, aber mit Framedrops.

Software & Benutzererfahrung

Die Claw A1M läuft mit Windows 11. Das hat Vor- und Nachteile:

Vorteile: ✔ Kompatibilität mit PC-Spielen und Software ✔ Flexibilität durch externe Peripherie

Nachteile: ❌ Windows ist nicht ideal für Handhelds ❌ Keine angepasste Oberfläche wie bei Steam Deck ❌ Intel Arc Treiber sind problematisch


Akkulaufzeit & Kühlung

Die Akkulaufzeit ist eher durchschnittlich:

  • Gaming: 1,5 – 2 Stunden
  • Streaming: 5 Stunden
  • Leerlauf: bis zu 7 Stunden

Die Kühlung arbeitet effizient, aber die Lüfter sind unter Last laut.


Fazit & Bewertung

Stärken:

✔ Hochwertige Verarbeitung mit stabilem Gehäuse
✔ Gute CPU-Leistung dank Intel Core Ultra 7
✔ RGB-beleuchtete Joysticks für ein modernes Gaming-Gefühl
✔ Externe Displays profitieren von der Leistung
✔ Volle Windows-11-Kompatibilität für Anwendungen außerhalb des Gamings
✔ Speichererweiterung über microSD möglich
✔ Gute Konnektivität über USB-C und Bluetooth

Schwächen:

❌ Intel Arc-Grafik leidet unter Treiberproblemen, die viele Spiele unspielbar machen
❌ Zahlreiche Titel starten nicht oder laufen mit starken Rucklern
❌ Die Akkulaufzeit von nur 1,5 bis 2 Stunden unter Last ist enttäuschend
❌ Windows 11 ist nicht optimal für Handheld-Bedienung
❌ Kein direkter HDMI- oder DisplayPort-Anschluss

Endwertung:

Die MSI Claw A1M ist ein mutiges Experiment, das in einigen Bereichen überzeugt, aber in anderen gravierende Schwächen aufweist. Die Verarbeitung, das moderne Design und die leistungsfähige CPU sind klare Stärken. Doch die Wahl einer Intel Arc-GPU bringt erhebliche Kompatibilitätsprobleme mit sich, die in der Praxis oft frustrierend sind.

Das Gerät richtet sich vor allem an Technik-Enthusiasten, die experimentierfreudig sind und bereit sind, mit Treiberproblemen zu leben. Wer auf zukünftige Software-Optimierungen von Intel setzt, könnte in den kommenden Monaten eine verbesserte Performance erleben. Dennoch bleibt das aktuelle Nutzererlebnis hinter der Konkurrenz zurück.

Besonders problematisch ist die geringe Unterstützung für viele moderne Spiele. Während Klassiker und einige populäre Titel wie Fortnite oder ältere Spiele passabel laufen, sind viele aktuelle AAA-Games nur eingeschränkt spielbar oder starten gar nicht. Das schränkt den Anwendungsbereich erheblich ein.

Nutzer, die das Gerät primär für Streaming oder Retro-Gaming verwenden möchten, können allerdings von der leistungsfähigen CPU und den guten Anschlussmöglichkeiten profitieren. Externe Displays liefern eine verbesserte Performance, und wer bereit ist, niedrigere Grafiksettings in Kauf zu nehmen, kann mit der Claw A1M ein solides Handheld-Erlebnis haben.

Dennoch bleibt das Steam Deck für den Großteil der Gamer die bessere Wahl. Die ausgereifteren Treiber, die bessere Optimierung für Windows (im Falle des ROG Ally) oder das spezialisierte Linux-Betriebssystem des Steam Decks bieten ein runderes Gesamtpaket.

Daher vergeben wir den Dataholic Gold Award (unter Vorbehalt), da das Gerät Potenzial hat, aber momentan noch nicht ausgereift ist. Sollte Intel in den kommenden Monaten seine Arc-Treiber verbessern und MSI Software-Updates bereitstellen, könnte die Claw A1M eine ernsthafte Alternative werden. Zum aktuellen Zeitpunkt ist es jedoch eine Wahl für experimentierfreudige Nutzer, die bereit sind, Kompromisse einzugehen. Ebenso fehlt der direkte Vergleich zum Nachfolger – dem MSI Claw 8 AI+.

DataHolic