Dygma Sonsei: Ergonomie wird plötzlich reisetauglich
- Schon die Verpackung verrät den Einsatzzweck
- Der Lieferumfang ist erstaunlich vollständig
- Ein Gehäuse statt zwei Hälften
- Aluminium dort, wo strukturelle Steifigkeit gebraucht wird
- 56 Tasten und eine völlig andere Vorstellung von Platz
- Acht Daumentasten statt einer riesigen Leertaste
- Low Profile bis in den Schalter
- PBT statt dünnem Notebook-Kunststoff
- RGB mit 56 einzeln adressierbaren LEDs
- Zwei Nordic-Controller unter der Oberfläche
- Drei Zustände an einem kleinen Schalter
- 2.000 mAh im flachen Chassis
- Die Unterseite erzählt eine andere Geschichte als die Oberseite
- Keine integrierte Handballenauflage
- Die Sonsei ist klein, aber technisch nicht reduziert
- Transparenzhinweis gemäß EU-Vorgaben:
Ergonomische Tastaturen haben ein grundsätzliches Problem, das mit Ergonomie erstaunlich wenig zu tun hat: Sie neigen dazu, ziemlich groß zu werden. Geteilte Gehäuse, Handballenauflagen, aufwendige Winkelmechanismen und zusätzliche Daumentasten benötigen Platz. Eine Dygma Defy kann deshalb hervorragend auf einem festen Schreibtisch funktionieren, gehört aber nicht unbedingt zu den Dingen, die neben Notebook, Netzteil und Kopfhörern noch beiläufig in eine Tasche wandern. Genau an dieser Stelle setzt die Dygma Sonsei an. Statt zwei vollständig voneinander getrennte Tastaturhälften zu bauen, bringt Dygma das ortholinear beziehungsweise genauer columnar angelegte Layout in einem gemeinsamen, flachen Chassis unter. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick fast wie eine ergonomische Tastatur, die jemand mit dem Schrumpfstrahler erwischt hat. 299 x 140 Millimeter Grundfläche, lediglich 18,4 Millimeter Höhe und rund 393 Gramm Gewicht sind für diese Geräteklasse ungewöhnlich kompakt. Trotzdem stecken 56 mechanische Low-Profile-Schalter, acht Daumentasten, Bluetooth, USB, ein 2.000-mAh-Akku, individuell adressierbare RGB-Beleuchtung und Hot-Swap-Sockel darin.
Beim Auspacken fällt deshalb weniger eine einzelne technische Besonderheit auf als vielmehr die Konsequenz, mit der Dygma versucht, seine bisherige Idee einer ergonomischen Tastatur in ein tatsächlich transportables Format zu übersetzen. Die Sonsei ist keine zweigeteilte Defy und auch keine flachere Raise 2. Konstruktion, Tastengeometrie und Elektronik wurden um ein anderes Nutzungsszenario herum aufgebaut: Die Tastatur soll zusammen mit einem Notebook den Arbeitsplatz wechseln können, ohne dass dabei das ergonomische Grundprinzip verschwindet.

Schon die Verpackung verrät den Einsatzzweck
Der eigentliche Produktkarton bleibt beim Auspacken beinahe Nebensache. Die Sonsei erreicht ihren Arbeitsplatz zunächst in einer schwarzen Luftpolsterhülle mit großem Dygma-Schriftzug. Darunter steckt nicht einfach weiteres Verpackungsmaterial, sondern bereits ein Bestandteil des Lieferumfangs: ein Travel Sleeve. Das ist ein kleines Detail mit ziemlich großer Aussagekraft. Eine Tastatur, deren Transporttasche nicht als Zubehör nachgekauft werden muss, wurde offensichtlich nicht ausschließlich für ein Leben zwischen Monitor und Mauspad entwickelt.
Das Sleeve besteht aus einem vergleichsweise leichten Textilgewebe und ist deutlich weniger massiv als ein klassisches Hardcase. Genau das passt zur Sonsei. Ein mehrere hundert Gramm schwerer Transportkoffer würde den Gewichtsvorteil der Tastatur unterwegs teilweise wieder zunichtemachen. Die Tasche schützt daher primär vor Kratzern, Schmutz und dem üblichen Kontakt mit Notebook-Netzteilen, Kabeln und anderem Gepäck. Für mechanische Belastungen eines vollgestopften Flugkoffers ist diese Konstruktion weniger gedacht.
Interessant ist die Aufteilung. Neben dem Hauptfach für die Tastatur befindet sich ein separates Fach mit Reißverschluss für Zubehör. Dadurch liegen Kabel, Adapter und Werkzeug nicht direkt auf den Keycaps. Eine kleine konstruktive Entscheidung, die im Alltag sinnvoller ist als ein besonders spektakulärer Karton. Transportable Hardware lebt schließlich weniger von ihrer Präsentation beim ersten Öffnen als davon, wie unkompliziert sie beim fünfzigsten Einpacken funktioniert.

Der Lieferumfang ist erstaunlich vollständig
Nach dem Öffnen verteilt sich eine ganze Reihe kleiner Komponenten auf dem Tisch. Neben der Sonsei selbst und dem Travel Sleeve liegen zwei mit Textilgewebe ummantelte USB-C-Kabel, ein gewinkelter USB-C-Adapter, zwei Ersatzschalter, ein kombinierter Keycap- und Switch-Puller sowie die Dokumentation bei. Dazu kommen die für Dygma beinahe obligatorischen Sticker.
Die beiden unterschiedlich langen USB-C-Kabel ergeben bei einer mobilen Tastatur tatsächlich Sinn. Das kürzere Kabel eignet sich für den Betrieb direkt neben einem Notebook, während das längere Kabel an einem stationären Arbeitsplatz mehr Bewegungsfreiheit bietet. Dygma nennt aktuell 50 Zentimeter für das kurze und 120 Zentimeter für das längere Kabel. Interessanterweise tauchte in einer früheren offiziellen Beschreibung auch eine Länge von 150 Zentimetern für das lange Kabel auf. Für das vorliegende Unboxing ist deshalb vor allem relevant, dass zwei klar für unterschiedliche Arbeitsplatzsituationen gedachte Kabel beiliegen.
Noch interessanter ist der kleine 90-Grad-USB-C-Adapter. Der USB-C-Anschluss der Sonsei sitzt seitlich im linken Gehäusebereich. Ein gerade eingestecktes Kabel läuft damit zunächst horizontal aus der Tastatur heraus. Mit dem Winkeladapter lässt sich die Leitung unmittelbar nach hinten beziehungsweise in eine passendere Richtung führen. Das klingt nach Zubehör aus der Kategorie „nett, aber unwichtig“, bis ein kompakter Arbeitsplatz auf einem kleinen Tisch aufgebaut wird und ein störrisches USB-C-Kabel genau dort liegt, wo eigentlich eine Maus oder ein Kaffeebecher stehen sollte.
Dass zusätzlich zwei Ersatzschalter und das passende Werkzeug beiliegen, passt wiederum zur Hot-Swap-Konstruktion. Hier wird kein Feature auf die Produktseite geschrieben, für dessen erste Nutzung anschließend Werkzeug bestellt werden muss.

Ein Gehäuse statt zwei Hälften
Nach dem Herausnehmen aus dem Sleeve wird der entscheidende Unterschied zu vielen ergonomischen Tastaturen sofort sichtbar. Die Sonsei ist zwar optisch klar in zwei Eingabebereiche gegliedert, physisch bleibt sie jedoch ein einziges Gerät. Beide Tastenfelder stehen in einem Winkel zueinander und öffnen sich zur Mitte. Dazwischen befindet sich eine große, unbestückte Fläche, während die Unterkante deutlich nach innen gezogen ist.
Das wirkt zunächst ungewöhnlich, folgt aber einer nachvollziehbaren geometrischen Idee. Bei einer konventionellen Tastatur verlaufen die Buchstabenreihen weitgehend horizontal. Beide Hände werden dadurch stärker nach innen gedreht. Bei der Sonsei zeigen die beiden Tastenfelder dagegen in Richtung der jeweiligen Unterarme. Die Handposition wird also nicht erst durch zwei frei verschiebbare Gehäusehälften erzeugt, sondern bereits durch die feste Geometrie des Chassis vorgegeben.
Damit akzeptiert Dygma bewusst einen Kompromiss. Eine vollständig geteilte Tastatur erlaubt es, Abstand und Winkel zwischen beiden Hälften individuell einzustellen. Die Sonsei kann das konstruktionsbedingt nicht. Dafür verschwindet genau jene Eigenschaft, die Split-Keyboards unterwegs umständlich macht: zwei Gehäuse, zwei Positionen und bei manchen Konstruktionen zusätzliche Verbindungskabel oder separate Funktechnik.
Das Unibody-Konzept wirkt dadurch weniger wie eine abgespeckte Split-Tastatur als wie der Versuch, die wichtigsten geometrischen Eigenschaften einer solchen Konstruktion einzufrieren. Der Winkel ist nicht frei wählbar, dafür steht die Tastatur nach dem Herausnehmen sofort in ihrer vorgesehenen Position.+

Aluminium dort, wo strukturelle Steifigkeit gebraucht wird
Die Oberseite besteht aus einer anodisierten Aluminiumplatte. Bei nur knapp 30 Zentimetern Breite und weniger als 400 Gramm Gewicht ist das keine rein optische Entscheidung. Eine flache Tastatur mit großem Ausschnitt beziehungsweise Freiraum zwischen beiden Tastenfeldern benötigt ausreichend strukturelle Steifigkeit, damit sich das Chassis unter Last nicht unnötig verwindet.
Gerade die Draufsicht zeigt, wie viel Fläche zwischen den beiden Buchstabenblöcken gar nicht mit Tasten belegt ist. Die Aluminiumkonstruktion bildet hier einen zusammenhängenden Rahmen und verbindet beide Seiten miteinander. Das vermittelt beim ersten Umgang einen deutlich stabileren Eindruck, als das niedrige Gewicht zunächst erwarten lässt.
Die Rückseite ist entsprechend funktional gehalten. Mehrere Schrauben machen deutlich, dass das Gehäuse nicht als vollständig verklebte Einheit konzipiert wurde. Dazu kommen eingelassene beziehungsweise flach integrierte Gummielemente, die den Abstand zur Tischoberfläche gering halten. Auffällig ist außerdem der weitgehend ebene Unterboden. Ausklappbare Füße, komplizierte Tenting-Mechanismen oder große konstruktive Aufbauten fehlen.
Gerade dadurch bleibt die Sonsei flach. Die Höhe von 18,4 Millimetern beinhaltet bereits Switches und Keycaps. Für eine mechanische Tastatur ist das bemerkenswert wenig und erklärt zugleich, weshalb Dygma nicht auf normale MX-Schalter zurückgreift.


56 Tasten und eine völlig andere Vorstellung von Platz
Die Sonsei besitzt insgesamt 56 Tasten. Wer von einem klassischen 104-Tasten-Layout kommt, könnte beim ersten Blick kurz prüfen, ob während des Transports ungefähr die Hälfte der Tastatur verloren gegangen ist. Tatsächlich ist die Reduktion zentraler Bestandteil des Konzepts.
Separate Funktionstasten fehlen ebenso wie ein dedizierter Nummernblock, ein klassischer Navigationsblock oder großflächig angelegte Modifier-Gruppen. Stattdessen arbeitet die Sonsei mit Ebenen und vollständig programmierbaren Tasten. Die physische Tastenzahl beschreibt deshalb nur einen Teil der verfügbaren Funktionen.
Besonders auffällig ist die Anordnung der Buchstabentasten. Die Reihen sind nicht wie bei einer klassischen Schreibmaschinentastatur gegeneinander versetzt, sondern folgen den Fingern in Spalten. Dieses Columnar-Layout reduziert die seitlichen Bewegungen innerhalb der einzelnen Fingerbereiche. Dazu werden beide Blöcke gegeneinander angewinkelt.
Schon ohne einen einzigen geschriebenen Satz zeigt die Draufsicht dadurch sehr deutlich, dass hier nicht versucht wurde, ein Standardlayout lediglich optisch ergonomischer aussehen zu lassen. Die Geometrie wurde tatsächlich verändert.
Das hat allerdings eine unmittelbare Konsequenz: Gewohnheiten von klassischen Tastaturen lassen sich nicht vollständig übertragen. Besonders die unteren Reihen und Modifier liegen dort, wo das Muskelgedächtnis zunächst andere Tasten erwartet. Eine Sonsei ist deshalb keine Tastatur, auf der nach dem Auspacken automatisch mit unveränderter Geschwindigkeit weitergeschrieben wird. Das gehört allerdings bereits zum späteren Praxistest. Im Unboxing lässt sich zunächst nur feststellen, wie konsequent das physische Layout von der üblichen Desktop-Tastatur abweicht.
Acht Daumentasten statt einer riesigen Leertaste
Der interessanteste Bereich liegt an der unteren Innenseite. Insgesamt acht Tasten verteilen sich auf zwei Daumencluster mit jeweils vier Positionen. Genau hier zeigt sich ein grundlegender Unterschied zu konventionellen Tastaturen.
Eine normale Tastatur reserviert mehrere Zentimeter Breite für die Leertaste, obwohl beide Daumen anatomisch deutlich mehr leisten könnten. Dygma verteilt wichtige Funktionen stattdessen auf mehrere Tasten. Welche Befehle dort letztlich liegen, lässt sich über die Software konfigurieren. Damit können unter anderem Space, Backspace, Enter, Shift oder Layer-Wechsel in den Bereich der Daumen wandern.
Die Keycaps dieser Cluster besitzen eine speziell angepasste Form und folgen dem Bogen an der Gehäuseunterseite. Gleichzeitig hat Dygma die Konstruktion so ausgelegt, dass alternativ normale 1u-Low-Profile-Keycaps eingesetzt werden können. Das ist technisch relevant, weil proprietär geformte Daumentasten ansonsten schnell zum Problem werden, sobald ein eigenes Keycap-Set verwendet werden soll.
Die farbigen Symbole auf einigen dieser Tasten stehen zudem in Verbindung mit den Layer- und Steuerungsfunktionen. Bereits im eingeschalteten Zustand wird sichtbar, dass die RGB-Beleuchtung nicht ausschließlich dekorativ gedacht ist. Unterschiedliche Farben können Funktionen beziehungsweise Ebenen visuell voneinander abgrenzen.
Low Profile bis in den Schalter
Unter den Keycaps sitzen Gateron-KS-33-2.0-Low-Profile-Schalter. Insgesamt sind 56 Hot-Swap-Sockel vorhanden, sodass jeder Switch ohne Löten gewechselt werden kann. Das vorliegende Gerät zeigt sehr schön, wie kompakt die gesamte Mechanik dadurch bleibt.
Nach dem Abziehen einer Keycap kommt der kreuzförmige MX-kompatible Stem zum Vorschein. Darunter sitzt ein wesentlich flacheres Switch-Gehäuse als bei einem klassischen MX-Schalter. Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Ein Standard-MX-Switch würde allein durch seine Bauhöhe das gesamte Konzept der Sonsei verändern.
Dygma bietet für die Sonsei unterschiedliche KS-33-2.0-Varianten an. Je nach Ausstattung stehen lineare, taktile und clicky Varianten zur Verfügung. Die derzeit angebotenen Schalter arbeiten laut Dygma mit 1,7 Millimetern Auslöseweg und insgesamt 3,0 Millimetern Hub. Die benötigte Betätigungskraft unterscheidet sich je nach Variante.
Hot Swap ist bei Low-Profile-Tastaturen allerdings etwas komplizierter als im klassischen MX-Universum. „Low Profile“ beschreibt keine universelle elektrische oder mechanische Norm. Unterschiedliche Hersteller und Switch-Familien verwenden verschiedene Pin-Anordnungen und Gehäusegeometrien. Die Sonsei ist deshalb für Gateron KS-33 2.0 ausgelegt. Ein beliebiger flacher Switch passt nicht automatisch.
Der mitgelieferte kombinierte Puller trägt diesem Aufbau Rechnung. Eine Seite greift die Keycaps, die andere den Switch. Beim Entfernen eines Low-Profile-Schalters empfiehlt Dygma eine leichte seitliche Bewegung statt eines brutalen Zuges senkrecht nach oben. Gerade bei den kleinen Kontaktpins zahlt sich etwas Geduld aus.

PBT statt dünnem Notebook-Kunststoff
Auf den Switches sitzen Double-Shot-PBT-Keycaps. Das ist bei einer flachen mobilen Tastatur erwähnenswert, weil besonders kompakte Konstruktionen häufig mit dünnen ABS-Kappen arbeiten.
Beim Double-Shot-Verfahren bestehen Beschriftung und eigentlicher Keycap aus getrennten Kunststoffbereichen. Die Legende wird also nicht einfach auf die Oberfläche gedruckt. Dadurch kann sie sich nicht auf dieselbe Weise abreiben wie eine aufgebrachte Beschichtung.
PBT bringt außerdem eine vergleichsweise hohe Beständigkeit gegenüber dem typischen Glanz mit, der sich bei häufig verwendeten ABS-Keycaps nach längerer Nutzung entwickeln kann. Für ein Gerät, das explizit zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen transportiert werden soll, passt die Materialwahl deshalb gut zum restlichen konstruktiven Ansatz.
Die Oberfläche der vorliegenden schwarzen Keycaps ist fein strukturiert und wirkt unter direktem Blitz deutlich körniger als bei normaler Raumbeleuchtung. Die Beschriftung bleibt durchscheinend, sodass die darunterliegenden RGB-LEDs die Legenden ausleuchten können.
RGB mit 56 einzeln adressierbaren LEDs
Unter jeder Taste sitzt eine eigene RGB-LED. Insgesamt stehen damit 56 individuell adressierbare Lichtquellen zur Verfügung. Die Beleuchtung tritt sowohl durch die Beschriftungen als auch seitlich zwischen Switch und Keycap hervor.
Auf den Fotos ist besonders gut zu erkennen, wie stark die transparenten beziehungsweise transluzenten Bereiche der Switch-Gehäuse das Licht verteilen. Bei abgenommenen Keycaps wird sichtbar, dass die LED unmittelbar im Bereich des Hot-Swap-Sockels beziehungsweise der Switch-Aufnahme sitzt.
Bei einer programmierbaren Layer-Tastatur hat diese Beleuchtung einen praktischeren Nutzen als bei einer konventionellen 104-Tasten-Tastatur. Wird eine Taste auf einer zweiten oder dritten Ebene plötzlich zur Pfeiltaste, zum Medienbefehl oder zum Shortcut, kann eine passende Farbcodierung bei der Orientierung helfen. RGB wird damit vom Schreibtischfeuerwerk zumindest teilweise zum Interface.
Die eigentliche Konfiguration gehört allerdings zur Software und damit nicht mehr zum reinen Unboxing.

Zwei Nordic-Controller unter der Oberfläche
Unter dem Aluminium arbeitet eine für eine Tastatur vergleichsweise interessante Elektronik. Dygma setzt einen Nordic nRF52840 als Hauptcontroller sowie einen nRF52833 für das Key-Scanning ein. Beide Chips stammen aus einer Familie, die stark auf stromsparende Funkanwendungen ausgerichtet ist.
Das passt zur drahtlosen Auslegung der Sonsei. Neben USB unterstützt sie Bluetooth und kann bis zu fünf Geräte speichern. Der Wechsel zwischen diesen Verbindungen erfolgt über entsprechend belegte Tasten beziehungsweise Bluetooth-Kanäle.
NKRO wird ebenfalls unterstützt. Damit soll die Tastatur sämtliche gleichzeitig registrierten Tastendrücke erfassen können, statt bei bestimmten Kombinationen an Matrixgrenzen zu stoßen. Für eine primär produktivitätsorientiert wirkende Tastatur klingt das zunächst nach technischem Luxus, verhindert aber gerade bei komplexen Layer-, Modifier- und Shortcut-Kombinationen unerwünschte Eingabebeschränkungen.
Kompatibel ist die Sonsei mit Windows, macOS und Linux sowie mobilen Plattformen wie iOS und Android. Das passt wiederum zum mobilen Charakter: Eine Tastatur, die sich problemlos mit Notebook, Tablet und Smartphone koppeln lässt, benötigt nicht zwingend einen dauerhaft festen Rechner als Mittelpunkt.
Drei Zustände an einem kleinen Schalter
Seitlich neben dem USB-C-Port befindet sich ein kleiner mechanischer Schiebeschalter. Er wählt zwischen Bluetooth, ausgeschaltetem Zustand und kabelgebundenem USB-Betrieb.
Das ist eine angenehm eindeutige Lösung. Gerade bei drahtlosen Tastaturen können Multifunktionstasten schnell dazu führen, dass nicht unmittelbar erkennbar ist, ob das Gerät ausgeschaltet wurde oder lediglich in einem anderen Funkmodus steckt. Hier gibt die Position des Schalters eine physische Rückmeldung.
Im USB-Modus arbeitet die Sonsei kabelgebunden. Im Bluetooth-Modus übernimmt die Funkverbindung. Die mittlere Stellung schaltet die Tastatur aus. Geladen werden kann der Akku laut Dygma unabhängig von der gewählten Betriebsart über USB-C.
Der Anschluss selbst sitzt tief genug im Gehäuserand, ohne unnötig weit herauszustehen. Zusammen mit dem mitgelieferten Winkeladapter ergibt sich damit ein ungewöhnlich flexibles Kabelmanagement für ein Gerät dieser Größe.

2.000 mAh im flachen Chassis
Im Inneren steckt ein Akku mit 2.000 mAh Kapazität. Dygma gibt bei deaktivierter Beleuchtung eine Laufzeit von mehr als 40 Tagen an. Bei dauerhaft auf 100 Prozent betriebener RGB-Beleuchtung sollen mehr als acht Stunden kontinuierlicher Betrieb möglich sein.
Diese enorme Differenz zeigt ziemlich anschaulich, welcher Verbraucher bei einer modernen Funk-Tastatur einen erheblichen Teil der Energiebilanz bestimmt. 56 dauerhaft leuchtende RGB-LEDs benötigen deutlich mehr Energie als Controller und Bluetooth-Verbindung im normalen Schreibbetrieb.
Interessant ist außerdem, dass Dygma den Akku als austauschbar beschreibt. Bei einem mobilen Gerät ist das langfristig wesentlich relevanter als eine besonders spektakuläre Beleuchtungsanimation. Lithium-Akkus sind Verschleißteile. Wird eine Tastatur konstruktiv auf jahrelange Nutzung ausgelegt, sollte ein alter Akku nicht automatisch das Ende der gesamten Elektronik bedeuten.
Die Unterseite erzählt eine andere Geschichte als die Oberseite
Wird die Sonsei umgedreht, verschwindet nahezu alles Spielerische. Keine RGB-Streifen, keine großen Designelemente, keine aufgesetzten Mechanismen. Stattdessen dominiert eine dunkle Metallfläche mit Dygma-Sonsei-Schriftzug, regulatorischer Kennzeichnung und mehreren sichtbaren Verschraubungen.
Besonders die Gehäusekontur fällt aus dieser Perspektive auf. Die Tastatur ist nicht einfach ein Rechteck mit schräg angeordneten Tasten. Die Außenform folgt tatsächlich der Handposition. An der Unterkante entsteht dadurch eine breite konkave Linie, die in der Mitte nach vorne läuft. Das Chassis wird damit Teil der Ergonomie und nicht nur Träger einer ungewöhnlichen Key-Matrix.
Mehrere Gummiauflagen verteilen sich über die Rückseite und verhindern direkten Kontakt zwischen Aluminium beziehungsweise Gehäuse und Tisch. Durch ihre flache Integration erhöhen sie die Bauhöhe kaum.
Das Fehlen klassischer ausklappbarer Füße passt ebenfalls zum Gesamtkonzept. Solche Füße erhöhen bei Standardtastaturen meist die hintere Kante und erzeugen damit eine stärkere positive Neigung. Bei einer ohnehin ergonomisch ausgelegten Low-Profile-Konstruktion wäre das nicht zwingend hilfreich. Dygma hält die Sonsei stattdessen möglichst dicht an der Tischoberfläche.
Keine integrierte Handballenauflage
Auffällig ist, was nicht im Lieferumfang liegt: Palm Pads. Dygma bietet passende Handballenauflagen separat an. Das Gehäuse besitzt bereits die dafür vorgesehene Fläche vor den eigentlichen Tastenfeldern, im Basispaket bleibt diese jedoch frei.
Aus Sicht der Mobilität ist das nachvollziehbar. Eine fest integrierte gepolsterte Handballenauflage würde Gewicht, Dicke und Transportvolumen erhöhen. Gleichzeitig gehört die Handposition bei einer ergonomischen Tastatur zu den zentralen Eigenschaften. Wie angenehm die Sonsei über mehrere Stunden ohne zusätzliche Pads bleibt, kann deshalb erst der eigentliche Praxistest klären.
Beim Unboxing fällt zunächst positiv auf, dass die Vorderkante selbst vergleichsweise niedrig bleibt. Durch Low-Profile-Switches und das flache Chassis entsteht keine hohe mechanische Tastatur, vor der die Hände erst mehrere Zentimeter angehoben werden müssen.
Die Sonsei ist klein, aber technisch nicht reduziert
Nach dem vollständigen Auspacken liegt schließlich ein ungewöhnlich dichtes Paket auf dem Tisch: die 393 Gramm leichte Tastatur, das Travel Sleeve, zwei USB-C-Kabel, ein 90-Grad-Adapter, der kombinierte Switch- und Keycap-Puller, zwei Ersatzschalter sowie die Dokumentation. Dabei wirkt kaum etwas wie beiläufig beigelegtes Zubehör. Fast jedes Teil lässt sich direkt aus dem mobilen Konzept erklären.
Noch interessanter ist allerdings die Tastatur selbst. 56 Hot-Swap-Sockel, 56 Gateron-KS-33-2.0-Switches, 56 individuell adressierbare RGB-LEDs, Double-Shot-PBT-Keycaps, acht Daumentasten, zwei Nordic-Mikrocontroller, Bluetooth für bis zu fünf Geräte, USB, NKRO und ein 2.000-mAh-Akku stecken in einem Gehäuse, das mit 299 x 140 x 18,4 Millimetern kaum größer als manche kompakte Notebook-Tastatur ausfällt.
Damit ist bereits nach dem Unboxing klar, worin das technische Experiment der Sonsei besteht. Dygma versucht nicht, möglichst viele Tasten in ein möglichst kleines Rechteck zu pressen. Stattdessen wird die klassische Tastaturmatrix auseinandergezogen, angewinkelt und anschließend wieder in einem einzigen mobilen Chassis zusammengeführt. Funktionen, die physisch keinen Platz mehr finden, wandern auf Layer und in die Daumencluster. Bauhöhe wird über Low-Profile-Schalter reduziert, Kabelsalat über Bluetooth vermieden und die Transportfrage mit einem serienmäßigen Sleeve beantwortet.
Ob diese Rechnung beim Schreiben, Programmieren und längeren Arbeiten tatsächlich aufgeht, entscheidet sich nicht beim Öffnen der Verpackung. Konstruktiv zeigt die Dygma Sonsei jedoch bereits auf dem Arbeitstisch ziemlich deutlich, dass „mobil“ hier nicht einfach bedeutet, eine gewöhnliche mechanische Tastatur kleiner zu bauen. Das gesamte System wurde um diese Vorgabe herum organisiert.
Transparenzhinweis gemäß EU-Vorgaben:
Die in diesem Review vorgestellte Dygma Sonsei wurde von Dygma als unverbindliche Dauerleihgabe für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Es handelt sich hierbei nicht um bezahlte Werbung.
Dygma hatte keinen Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle Einschätzungen basieren ausschließlich auf den redaktionellen Praxiserfahrungen.
Unser Dank gilt Dygma für die Bereitstellung der Tastatur und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.
