Mittwoch, Februar 25, 2026
GehäuseHardware

Inter-Tech 3U-30765: ein 19-Zoll-3HE-Servergehäuse

Ein 19-Zoll-Gehäuse ist selten „mal eben“ ein Paket, das man mit zwei Fingern vom Paketboten übernimmt. Eher so: Tür auf, kurzer Blick auf den Karton, und im Kopf läuft sofort die Checkliste an. Ist die Umreifung heil? Sind die Kanten gequetscht? Gibt es Stauchungen, die auf einen Sturz hindeuten? Bei einem Servergehäuse ist die Verpackung nicht nur Schutzhülle, sie ist der erste Indikator dafür, ob innen später alles gerade sitzt: Rack-Ohren plan, Schienenaufnahme nicht verzogen, Front nicht verzerrt.

Der Karton vor mir trägt die nüchterne Aufschrift „Professional 19’’ Server Case“, dazu die Modellkennung „30765“ und die Einordnung „3HE Server Gehäuse – 65cm“. Das ist exakt die Sorte Produkt, die im Alltag nicht glänzen muss, sondern funktionieren. Ein Gehäuse ist Infrastruktur, kein Lifestyle-Objekt. Und trotzdem entscheidet gerade hier die mechanische Qualität darüber, ob man später in der Praxis entspannt arbeitet oder bei jeder Montage flucht.

Der Kontext ist auch interessant, weil 19-Zoll längst nicht mehr nur „klassisches Serverzimmer“ bedeutet. Rechenleistung wird heute viel stärker als Standortfaktor diskutiert. WELT beschreibt diesen Wandel sehr plastisch, etwa wenn es heißt: „Anschaulicher kann man technologischen Wandel kaum machen“ – bezogen auf den Umbau eines früheren Kraftwerksgeländes in ein modernes Datacenter.  Das ist genau die Linie: Hardware ist nicht nur Bastelkram, sondern Teil einer größeren Infrastrukturgeschichte. Und genau deshalb lohnt ein technisches Unboxing, das mehr ist als „Karton auf, Teil raus“.

Lieferumfang und Verpackung: Was der Karton schon verrät

Auf den ersten Blick wirkt die Umverpackung klassisch zweckorientiert: brauner Karton, große Modellnummer, Produktgrafik. Keine Marketing-Sprüche, kein Hochglanz. Das ist gut, denn bei Rack-Hardware wollen wir vor allem eins: klare Identifikation, damit im Wareneingang niemand rätselt, ob 2HE oder 3HE, ob 55 cm oder 65 cm Tiefe.

Die Kartonage selbst ist voluminös, was nicht nur am Gehäuse liegt, sondern an der Luft, die man für Stoßzonen braucht. Gerade bei langen 19-Zoll-Chassis gibt es Hebelkräfte: Ein Schlag an einer Ecke kann sich innen als minimaler Verzug bemerkbar machen, der später dafür sorgt, dass Schienen klemmen oder Frontblenden nicht sauber schließen. Also: Kanten abtasten, auf weiche Stellen achten, Blick auf die Ecken. Hier wirkt alles unauffällig, keine eingedrückten Bereiche, keine durchgeriebenen Stellen, die auf Ziehen über rauen Boden hindeuten.

Beim Öffnen des Kartons fällt als erstes das, was man bei vielen Servergehäusen inzwischen fast erwartet: Schutzfolie, Folienbeutel, Polster. Das Chassis steckt zusätzlich in einer transparenten Tüte, die Staub und Abrieb vom Lack fernhält. Oben liegt eine dicke Schutzlage, darunter das Gehäuse, flankiert von formstabilen Polstern. Das ist keine „Premium-Experience“, sondern schlicht sinnvoll: Ein Rack-Gehäuse hat viele Kanten, viele Schraubpunkte, und jedes Reiben erzeugt Mikrokratzer, die später unschön aussehen oder im worst case Korrosion begünstigen.

Interessant ist auch die sichtbare blaue Schutzfolie auf den Außenflächen. Das sieht im ersten Moment fast nach „Industrie-Style“ aus, ist aber vor allem praktisch: Die Folie schützt vor Montagekratzern und dem typischen „einmal kurz auf dem Werkbankboden abgesetzt“. Wer schon mal ein frisch ausgepacktes Gehäuse direkt beim ersten Umdrehen mit einer Schraube geküsst hat, weiß: Schutzfolie ist kein Gimmick, sondern eine kleine Versicherung gegen den eigenen Alltag.

Erster Kontakt mit dem Chassis: Gewicht, Steifigkeit, Kanten

Sobald das Gehäuse frei liegt, kommt der Moment, den man schwer in Datenblätter pressen kann: Wie fühlt es sich an? Ein Rack-Chassis muss steif sein. Nicht, weil man es gern herumwirft, sondern weil es im Rack über Ohren, Schienen und Auflagepunkte Kräfte aufnimmt. Ein dünnes, nachgebendes Blech rächt sich später.

Hier wirkt das Chassis sehr nach „Serverwelt“: keine unnötigen Kurven, klare Linien, saubere Kanten. Die Frontgriffe sind massiv und geben sofort den Eindruck, dass das Ding in einem Rack nicht nur hängt, sondern auch gezogen werden will, ohne dass man Angst um die Front haben muss. Gerade bei 3HE ist die Bedienrealität häufig: Rack auf, Gehäuse herausziehen, Kabel prüfen, wieder rein. Das ist mechanische Routine, und Griffe sind dabei nicht Deko, sondern Werkzeug.

Auch die Tiefe ist ein Punkt: Die 65 cm, die auf dem Karton stehen, sind in vielen Umgebungen ein Sweet Spot. Nicht so kurz, dass man beim Kabelmanagement Tetris spielen muss, aber auch nicht so lang, dass jedes Rack gleich 1000 mm tief sein muss. In der Praxis entscheidet das über die Einsatzbreite.

Außencheck: Front, Deckel, Folie, Schraubenpunkte

Die Außenhaut ist großflächig foliert, und zwar nicht nur teilweise, sondern wirklich so, dass es beim Handling kaum direkten Kontakt mit dem Lack hat. Das sieht im Foto erst mal sehr „blau“ aus, aber genau das ist der Punkt: Man soll die Folie erst abziehen, wenn das Gehäuse dort ist, wo es hingehört.

Wichtig: Bei Rack-Gehäusen schauen wir uns früh die Schraubenpunkte an. Nicht, weil wir sofort alles demontieren wollen, sondern weil wir an Schraubköpfen, Gewinden und Passungen schnell erkennen, wie sauber die Fertigung ist. Ausgeleierte Kreuzschlitze ab Werk sind ein schlechtes Zeichen. Hier wirkt alles ordentlich, die Schrauben sitzen bündig, keine schiefen Köpfe, keine bereits angegriffenen Kanten.

Die Front ist perforiert und auf Airflow ausgelegt. Das passt auch zum Konzept dieses Modells: Es ist nicht nur „ein Kasten“, sondern ein Gehäuse, das Storage und Komponenten aktiv kühlen will. Der Hersteller beschreibt das 3U-30765 als „vielseitiges 3U-Servergehäuse mit herausnehmbaren Festplattenkäfigen“. 

Technische Einordnung: Was das 3U-30765 konzeptionell sein will

Schon bevor der Deckel runtergeht, ist klar: Das ist ein Chassis für klassische Server- und Storage-Aufgaben, nicht für „Gaming im Rack“. Das zeigt sich an mehreren Punkten, die auch in den Spezifikationen auftauchen:

  • Herausnehmbare HDD-Käfige, die auf 3,5-Zoll-Laufwerke zielen. 
  • Ein Lüfterkonzept, bei dem pro HDD-Käfig ein 120-mm-Lüfter vorgesehen ist und der Tausch von außen möglich sein soll, ohne das Gehäuse zu öffnen. 
  • Eine zusätzliche Lüfterreihe im Gehäuseinneren zur Erhöhung des Luftdurchsatzes. 
  • Mainboard-Kompatibilität bis E-ATX sowie SSI-Formfaktoren, die man in Workstations und Servern häufig sieht. 
  • Platzlimits, die typisch für 3HE sind, etwa bei Kühlerhöhe und Kartenlänge, was im Rack-Kontext normal ist. 

Deckel ab: Der Moment, in dem das Innenleben „spricht“

Der Deckel ist schnell gelöst, klassisch über Schraubenpunkte entlang der Kanten. Beim Abnehmen merkten wir sofort, wie das Gehäuse intern strukturiert ist: Es gibt klare Zonen. Vorne Storage und Luftansaugung, in der Mitte Luftführung und Fanbar, hinten der Bereich für I/O, PSU und Slots.

Innen wirkt alles aufgeräumt. Keine herumfliegenden Kabel, keine scharfkantig offenen Blechnasen, an denen man sich beim Arbeiten die Hand aufschlitzt. Das klingt banal, ist aber im Alltag Gold wert: Rack-Hardware wird nicht einmal gebaut und dann nie wieder angefasst.

Die HDD-Käfige: Werkzeuglos gedacht, aber nicht verspielt

Die beiden HDD-Käfige sind als Module ausgeführt. Laut Hersteller passen in jeden Käfig bis zu fünf 3,5-Zoll-Festplatten, „schraub- und werkzeuglos“.  Das ist die Sorte Feature, die in einem Homelab genauso Sinn ergibt wie in kleineren Business-Setups: Wer häufiger Platten wechselt, will nicht jedes Mal schrauben und fummeln. Tool-less bedeutet nicht „wackelig“, es bedeutet: Mechanik übernimmt den Job, den sonst Schrauben machen.

Spannend ist der Luftgedanke dahinter. Pro Käfig ist ein 120-mm-Lüfter vorgesehen, der direkt durch den Cage zieht und die Laufwerke anbläst. Der Hersteller betont dabei ausdrücklich, dass der Lüfter bei Bedarf von außen wechselbar ist, ohne das Gehäuse zu öffnen.  Genau das ist Serverlogik: Wartung im Betrieb oder zumindest ohne Komplettausbau. Und es ist ein deutlicher Unterschied zu vielen Consumer-Gehäusen, wo „Lüftertausch“ eher Bastelarbeit ist.

Im Unboxing selbst sieht man die entsprechenden Kabelstränge: mehrere klassische Lüfteranschlüsse, sauber gebündelt. Das ist nicht spektakulär, aber es ist gut, wenn es nicht chaotisch ist. Ein typischer Serverbauer will beim Verkabeln nicht erst Kabel entwirren, sondern Wege planen: Welche Lüfter an welches Header-Board, welche an ein Fan-Hub, welche über PWM, welche fix.

Die mittlere Lüfterbrücke: Luft als Transportmedium

Im Innenraum sitzt eine Querstrebe mit mehreren großen Lüftern. Das passt zum Hinweis aus den technischen Beschreibungen, dass zusätzliche 120-mm-Lüfter im Zentrum den Airflow erhöhen und Komponenten vor Überhitzung schützen.  Der Aufbau wirkt so, als würde hier ein definierter Luftkanal entstehen: vorne rein, durch Storage, dann über die Mitte in Richtung Mainboard und Erweiterungskarten.

Das ist für 3HE entscheidend, weil 3HE zwar mehr Höhe als 2HE bietet, aber thermisch trotzdem anspruchsvoll bleibt. Viele CPU-Kühler sind in der Höhe limitiert, und die Luft muss schneller, gerichteter, „servermäßiger“ geführt werden. Ein luftiger Tower mit riesigem Heatpipe-Kühler ist hier nicht das Ziel.

Heckbereich: Slotblenden, I/O und PSU-Zone

Der Blick nach hinten zeigt den typischen Mix: ein Bereich für die Erweiterungsslots und daneben die PSU-Aufnahme. Laut Daten (z. B. Händlerangaben) ist das Gehäuse auf ATX-Netzteile ausgelegt.  Das ist praktisch, weil ATX in vielen Umgebungen verfügbar ist, vom effizienteren Consumer-PSU bis zum servernahen ATX-Block. Gleichzeitig sollte man in Rack-Setups die Luftführung des Netzteils im Auge behalten, weil sich sonst thermische Kurzschlüsse ergeben: PSU saugt warme Luft aus dem Gehäuse statt frische von außen oder umgekehrt.

Die Slotsektion wirkt solide, die Blenden sitzen in einem Rahmen, der nicht nach „einmal festziehen und dann ist’s krumm“ aussieht. Und das ist der Kern: In einem Rack wird häufig mit schweren Karten gearbeitet (HBAs, RAID-Controller, NICs). Die mechanische Stabilität entscheidet hier über Kontaktprobleme und Stress auf dem PCIe-Slot.

Frontanschlüsse und Bedienung: Praktikabilität statt Show

Servergehäuse sind oft sparsam bei Front-I/O, aber hier ist das Nötige vorgesehen. In den technischen Angaben tauchen typischerweise ein USB-A 2.0 und ein USB-A 3.x (Gen1/5 Gbit/s) als Frontanschlüsse auf.  Das reicht für Wartungssticks, Installer, Dongles oder einfach mal „Tastatur kurz ran“, wenn man am offenen Rack arbeitet.

Montagepunkte und Innenboden: Das Raster für den späteren Aufbau

Der Innenboden zeigt zahlreiche Standoff-Punkte und Markierungen. Das ist die unsichtbare Komfortzone beim Aufbau: Wenn die Bohrungen sauber gesetzt sind, sitzt das Board später spannungsfrei. Wenn nicht, schraubt man gegen den Verzug. Hier sieht es nach einem breiten Formfaktor-Support aus, was auch zu den angegebenen Boardgrößen passt, inklusive E-ATX und servernahen SSI-Formaten. 

Auch relevant: Platzgrenzen. Händlerangaben nennen zum Beispiel eine maximale Steckkartenlänge von 350 mm und eine maximale CPU-Kühlerhöhe von 105 mm.  Das sind Werte, die niemand beim Unboxing „sieht“, aber im Kopf mitlaufen lassen sollte. Denn bei 3HE ist 105 mm für Luftkühler schon ein spürbares Limit, das man in der Komponentenwahl ernst nehmen muss. Und 350 mm Kartenlänge deckt vieles ab, aber nicht jede Spezialkarte plus Stecker plus Kabelstress.

Drive-Optionen jenseits von 3,5 Zoll: Flexibilität durch Umbau

Ein Punkt, der beim 3U-30765 konzeptionell spannend ist: Die HDD-Käfige sind nicht nur „drin“, sie sind optional. Wenn der Admin weniger 3,5-Zoll-Laufwerke braucht, lassen sich die Käfige entfernen und durch 5,25-Zoll-Einschübe ersetzen. Der Hersteller spricht davon, dass sich dann „drei 5.25’’ drives“ anstelle jedes HDD-Käfigs installieren lassen. 

Das ist ein klassischer Servergehäuse-Trick, der in der Praxis richtig nützlich sein kann:

  • 5,25 Zoll kann heißen: zusätzliche Backplanes, Hot-Swap-Module, Tape, optische Laufwerke (selten, aber im Enterprise-Kontext nicht tot), oder auch Einbaurahmen für 2,5-Zoll-SSDs.
  • Flexibilität ist hier nicht „für Bastler“, sondern für unterschiedliche Rollen: Storage-heavy NAS vs. compute-lastiger Node.

Schrauben, Abstandshalter, Kleinteile

In der Verpackung liegt Zubehör in Tüten: Schrauben, Abstandshalter und Montagekleinteile. Nicht „irgendwelche Schrauben“, sondern eine Auswahl, mit deren der Aufbau wirklich durchführbar wird: Mainboard, Laufwerke, eventuell Schienen, Blenden, Erdungspunkte.

Das Zubehör wirkt umfangreich, das ist auch sinnvoll, weil Rack-Gehäuse mehr Montagepunkte haben als viele Desktop-Cases. Gerade die Kombination aus Storage-Cages, Lüfterbrücken und möglichen 5,25-Zoll-Konfigurationen braucht Schraubenvielfalt. Zusammen mit den seitlichen Griffen und den Rack-Ohren ergibt sich das Gesamtbild: Dieses Gehäuse ist für den Rack-Alltag gedacht, nicht für „steht unterm Tisch und bleibt da“.

Mechanische Details, die man im Unboxing prüfen sollte

1) Planheit der Rack-Ohren und Griffe


Sind die Ohren plan? Sitzen die Griffe fest? 

2) Lauf der Module (Cages) und Verriegelungen


Tool-less ist nur gut, wenn es sicher ist. Die Käfige sollen leichtgängig sein, aber nicht labbern. 

3) Kanten und Entgratung


Servergehäuse haben viele Innenkanten. Wenn die nicht entgratet sind, ist das nicht nur unangenehm, sondern kann Kabel beschädigen. Im Inneren wirkt es sauber, keine offensichtlichen „Rasierkanten“.

4) Lüfterkabel-Längen und Bündelung

Bei mehreren 120-mm-Lüftern plus potenziellen zusätzlichen Einheiten ist Kabellänge schnell ein Thema. Hier sind die Stränge gebündelt.

Ein letzter Blick in die Kiste: Verpackungslogik statt Marketing

Bevor der Karton in die Ecke wandert, lohnt ein letzter Blick: Liegt irgendwo noch Zubehör in einer Falte? Ist unter dem Polster noch eine kleine Tüte? Gerade bei großen Kartons verstecken sich Kleinteile gern in Randtaschen. Hier wirkt die Verpackung übersichtlich. Das Gehäuse ist zentral geschützt, Zubehör separat.

Diese Verpackungslogik ist im Profi-Umfeld wichtig: Wer mehrere Systeme aufbaut, arbeitet oft nach Wareneingangsschema. Karton auf, Inhalt prüfen, Teile sortieren, Karton entsorgen. Wenn die Verpackung so gestaltet ist, spart das Zeit und Nerven.


Fazit: Ein Rack-Gehäuse, das seine Prioritäten sehr klar setzt

Bereits beim Auspacken des Inter-Tech 3U-30765 wird deutlich, dass hier kein Lifestyle-Produkt inszeniert wird, sondern ein Arbeitsgerät. Die Verpackung ist funktional, das Gehäuse selbst präsentiert sich robust und klar auf den Rack-Betrieb ausgelegt: massive Griffe, perforierte Front für definierten Lufteinlass, sauber getrennte Bereiche für Storage, Airflow und Mainboard sowie ein Innenlayout, das nicht improvisiert wirkt, sondern konsequent auf Zweckmäßigkeit getrimmt ist.

Ein zentraler Vorteil, der sich unmittelbar erschließt, ist das modulare Storage-Konzept. Zwei herausnehmbare HDD-Käfige nehmen jeweils bis zu fünf 3,5-Zoll-Festplatten schraub- und werkzeuglos auf – ein starkes Argument in dieser Klasse. Inter-Tech stellt diesen Punkt bewusst in den Vordergrund und verbindet ihn mit einem klar wartungsorientierten Ansatz: Jeder HDD-Käfig ist mit einem eigenen 120-mm-Lüfter ausgestattet, der bei Bedarf von außen gewechselt werden kann, ohne das Gehäuse öffnen zu müssen. Genau solche Details zahlen sich im realen Betrieb aus. Ein Lüftertausch darf in einem Rack-Setup keine halbe Demontage nach sich ziehen – Wartungsfreundlichkeit ist hier kein Komfortmerkmal, sondern betrieblicher Faktor.

Hinzu kommt eine beachtliche Flexibilität im Innenraum. Werden weniger 3,5-Zoll-Laufwerke benötigt, lassen sich die HDD-Käfige entfernen. Der frei werdende Bereich kann stattdessen für 5,25-Zoll-Einbauten genutzt werden. Inter-Tech spricht davon, dass sich anstelle jedes HDD-Käfigs drei 5,25-Zoll-Laufwerke installieren lassen. Was zunächst nach einem Randfeature klingt, eröffnet in der Praxis interessante Optionen: zusätzliche Backplanes, Hot-Swap-Module, Einbaurahmen oder spezialisierte Frontlösungen. Gerade im Homelab-Umfeld kann dieselbe Basisplattform so entweder als Storage-Knoten oder als kompakter Compute-Node mit reduziertem Laufwerksbestand dienen – ohne Wechsel des Grundgehäuses.

Auch das Kühllayout folgt klarer Serverlogik. Neben den 120-mm-Lüftern in den HDD-Käfigen befindet sich im mittleren Bereich eine zusätzliche Lüftersektion, die den Luftdurchsatz erhöht und den Strom gezielt über Mainboard und Erweiterungskarten führt. Händlerangaben sprechen häufig von insgesamt fünf 120-mm-Lüftern mit optionaler Ergänzung durch 60-mm-Einheiten, abhängig von der jeweiligen Konfiguration. Das resultierende Prinzip ist klassisch: Frischluft über die Front einziehen, im Zentrum beschleunigen und strukturieren, Abwärme über den Heckbereich abführen. Gerade in einem 3HE-Chassis ist eine klar definierte Luftführung essenziell. Zwar steht mehr Volumen als bei 2HE zur Verfügung, dennoch bleibt die Bauhöhe limitiert, insbesondere wenn leistungsstarke CPUs, HBAs, Netzwerkkarten und mehrere Laufwerke kombiniert werden.

Ein weiterer Pluspunkt liegt in der breiten Plattformunterstützung. Das Gehäuse ist für klassische Server- und Workstation-Boards ausgelegt, inklusive E-ATX sowie SSI-Formfaktoren wie CEB oder EEB. Die entsprechend großzügige Anordnung der Bohrungen und Montagepunkte schafft Spielraum für unterschiedliche Szenarien – vom Storage-Server mit dediziertem RAID-Controller bis zur virtualisierten Workstation im Rack. Diese Offenheit reduziert die Abhängigkeit von Speziallösungen und erleichtert die Integration verbreiteter ATX- oder E-ATX-Plattformen.

Dennoch existieren klare physikalische Grenzen, die in einem 3HE-Chassis nicht ignoriert werden können. Händlerdaten nennen eine maximale CPU-Kühlerhöhe von 105 mm sowie eine maximale Steckkartenlänge von 350 mm. Damit sind große Tower-Kühler ausgeschlossen, und bei besonders langen Erweiterungskarten oder ungünstig positionierten Stromanschlüssen ist sorgfältige Planung Pflicht. Für leise Luftkühlkonzepte empfiehlt sich der Einsatz dedizierter 3HE-Serverkühler oder – abhängig von der Plattform – alternative Kühlstrategien. Auch bei Erweiterungskarten zählt nicht nur die reine Länge, sondern ebenso Platz für Stecker, Kabelradius und ungestörten Luftstrom.

Beim Netzteilkonzept zeigt sich das 3U-30765 pragmatisch. Die Auslegung auf ATX-Netzteile erleichtert die Beschaffung und eröffnet eine breite Auswahl hinsichtlich Effizienzklassen und Leistungsstufen. Gleichzeitig verlangt diese Entscheidung im Rack-Betrieb Aufmerksamkeit bei Luftführung und Kabelmanagement. ATX-Netzteile variieren in ihrer Lüfterausrichtung, und Kabelstränge können im 3HE-Raum schnell Einfluss auf den Luftstrom nehmen. Die konstruktive Basis ist vorhanden – die saubere Umsetzung hängt jedoch von der Sorgfalt beim Aufbau ab.

Insgesamt vermittelt das 3U-30765 bereits beim Auspacken das Bild eines ehrlichen, zweckorientierten 19-Zoll-Gehäuses. Der Fokus liegt klar auf modularem Storage, strukturierter Luftführung und breiter Board-Unterstützung, ergänzt durch funktionales Front-I/O mit typischerweise USB-A 2.0 und USB-A 3.x Gen1. Für NAS-, Storage- oder Serverprojekte im Rack entsteht damit eine solide Grundlage, die sich nicht über Designspielereien definiert, sondern über technische Substanz.

Gerade im Kontext von Netzwerkspeichern, Hochverfügbarkeitslösungen oder dedizierten Backup-Systemen spielt dieses Gesamtpaket seine Stärken aus. Ein NAS mit zehn 3,5-Zoll-Laufwerken profitiert direkt von den werkzeuglosen Käfigen und der gezielten Belüftung pro Cage. In einem Hochverfügbarkeitsszenario, etwa als redundanter Storage-Node oder Virtualisierungs-Host, zählt die klare Luftführung und die einfache Wartbarkeit einzelner Komponenten. Als Backup-System im Rack wiederum überzeugt vor allem die Kombination aus hoher Laufwerksdichte, solider Mechanik und klassischem ATX-Unterbau, der sich flexibel mit unterschiedlichen Plattformen kombinieren lässt.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich eine eindeutige Kaufempfehlung für alle, die ein 3HE-Servergehäuse mit klarer Storage-Ausrichtung suchen. Ob als performantes NAS im Homelab, als produktiver Storage-Server im Unternehmen, als Baustein einer Hochverfügbarkeitsumgebung oder als zuverlässiges Backup-System im Rack: Das Inter-Tech 3U-30765 bietet die konstruktive Basis, die in diesen Szenarien erforderlich ist. Die Mischung aus Modularität, Wartungsfreundlichkeit und durchdachtem Airflow macht es zu einer technisch überzeugenden Wahl im 3HE-Segment.


Hinweis gemäß EU-Vorgaben zur Transparenz

Das in diesem Testbericht vorgestellte Inter-Tech 3U-30765 wurde uns von Inter-Tech als unverbindliche Leihgabe zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei nicht um bezahlte Werbung.
Inter-Tech hatte keinerlei Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Unabhängigkeit dieses Artikels. Alle geäußerten Meinungen basieren ausschließlich auf unseren eigenen Praxiserfahrungen.
Wir bedanken uns herzlich bei Inter-Tech für die Bereitstellung des Gehäuses und das entgegengebrachte Vertrauen in dataholic.de.

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